Montag, 7. Dezember 2009

Wie das Bonner Busnetz in die Openstreetmap-Karte kam - Ein Interview mit einem engagierten Mapper

Einer der Stärken von Openstreetmap (OSM), der durch abertausende von Freiwilligen vorangetriebenen freien Weltkarte, ist die Möglichkeit, verschiedenste raumgebundene Information zu erfassen und darzustellen. Dadurch können auch Karten entstehen, die angepaßt an spezielle Anforderungen ganz bestimmte Informationen visualisieren. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist die öpnvkarte von Melchior Moos. Auf seiner Karte werden kurz und prägnant Bus- und Bahnverbindungen und die dazu gehörenden Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) dargestellt. Einen so einfachen und klaren Überblick über die vorhandenen Verbindungen bietet kaum ein Nahverkehrsunternehmen im Internet sondern höchstens auf einer Papierkarte an. Ganz zu schweigen von anderen Internetkartenanbietern, die beispielsweise keine Busverbindungen darstellen.

Alle Linien der Stadtwerke Bonn sind jetzt vollständig kartographiert



Doch am Anfang stehen engagierte Menschen, die die zu visualisierenden Daten, also die Bus- und Bahnlinien und die Haltestellen erfassen und in das vorhandene OSM-Kartenmaterial einpflegen. Peter (alias Fidoez) ist so ein Mensch. In den vergangen Monaten hat er, hier und dort aufbauend auf vereinzelt vorhandenen Daten, fast im Alleingang das gesamte Busnetz der Stadtwerke Bonn (SWB) erfasst und in die OSM-Datenbank eingepflegt. Seit ein paar Tagen sind die Daten für die Linien der Stadtwerke Bonn vollständig erfasst worden und das Resultat beeindruckt! Ein guter Anlass, um Peter über seine Motivation und seine Arbeit bei Openstreetmap zu befragen!

Peter, vielen Dank, dass Du Dich zu diesem Interview bereit erklärt hast! Du bist seit fast einem Jahr bei Openstreetmap aktiv. Wie bist Du auf OSM aufmerksam geworden?

Seit zwei Jahren setze ich mich immer in den Weihnachtsferien ans Internet und suche völlig wahllos nach Themen, die mich interessieren und in die man sich hinein vertiefen kann – und zwar richtig vertiefen. Dieses Thema nimmt dann in gewollter Weise einiges meiner freien Zeit in Anspruch. Letztes Jahr (2008) war es das Puzzle Eternity II, das – wenn überhaupt – nur mit massiver Computer-Rechenleistung zu lösen ist. Ich habe es bis Jahresende nicht gelöst, aber auch kein anderer Mensch auf der Welt. Dieses Jahr war es dann OSM.

Welche Arbeiten an der Karte machen Dir besonders Spaß?


Ich liebe schon immer Karten und Wege in Kombination mit dem Aufenthalt und der Bewegung im Freien. Bei mancher Wanderung durch die Alpen oder auch in der Bonner Gegend denke ich mir, wer diesen Weg wohl entdeckt oder vor geraumer Zeit geschaffen hat. Wie es wohl wäre, selber welche zu entdecken? Ich verlasse mich beim Wandern gerne auf Karten und staune immer wieder über ihre Genauigkeit. Als ich vor Jahren im Oberbergischen gewohnt habe, zeichnete ich mir von einem Waldgebiet, in dem keine Wege in käuflichen Karten eingezeichnet waren, selber eine Karte, um besser zu verstehen, wo welcher Weg hinführt. Diese Dinge kann ich jetzt in OSM für mich und natürlich für alle anderen Nutzer nun umsetzen. Die Faszination besteht für mich darin, dass ein eingegebener Weg oder Ort oder ein neues Waldstück wenige Stunden danach der ganzen Welt auf der OSM-Karte zur Verfügung steht.

Du hast Dich in den letzten Monaten intensiv mit den Bonner Buslinien beschäftigt und diese in weiten Teilen alleine in die Bonner OSM-Karte eingetragen. Wie kam es zu diesem Interesse?


Anfang des Jahres habe ich im Bonner Kottenforst noch einige neue Wege eintragen können. Doch bald gab es in Fahrradnähe von meiner Wohnung keine weißen Flecken mehr auf der OSM-Karte. Dann begegnete mir die ÖPNV-Karte, die noch sehr unvollständig war. So eine umfassende Karte gibt es meines Wissen nirgends. Jeder Verkehrsverbund hat zwar seine Netzkarte, doch übergreifend und mit allen Zoomstufen ist dieses Angebot von OSM einzigartig. So kann jeder Nutzer selbst beurteilen, welche Bus- oder Straßenbahnlinien zu seiner Reise am besten passt, und kann es als Zusatzoption zu ÖPNV-Routenplanern wie bahn.de oder vrs-info.de gezielt nutzen. Da musste ich einfach mitmachen und die Datenbasis verbessern.

Wie hast Du die Buslinienverläufe und Haltestellen erfasst?

Ideal wäre es natürlich gewesen, in jedem Bus mitzufahren, um so den Streckenverlauf zu erfassen. Das war mir aber zu zeitaufwändig und bot mir zu wenig körperliche Betätigung. So bin ich die Verläufe mit dem Fahrrad abgefahren. An vielen Strecken war mir klar, wo der Bus entlangfährt, und ich habe dann nur an Stellen, die verzwickte Verläufe oder getrennte Wege für Hin- und Rückrichtung aufweisen, auf einen Bus gewartet, um den wahren Verlauf aufzuzeichnen. Störend waren dabei öfters Baustellen, wo dann eine Umleitung für die Busse eingerichtet war. Diese Stellen bin ich dann später nochmals angefahren, wenn die Baustelle wieder verschwunden war. Die Haltestellen jedoch habe ich fast alle an-/abgefahren, um ihre genaue Lage links und rechts der Strecke zu erfassen. Bei 500 Haltestellen habe ich aufgehört zu zählen.

Mit welcher Software hast Du die Daten in die Openstreetmap-Karte eingetragen? Würdest Du Dir hier Verbesserungen wünschen?


Ich arbeite mit der Software JOSM, die mittlerweile ein gute Unterstützung für die Erstellung von sogenannten Routen also Buslinien aber auch Wanderwegen oder Fahrradrouten bietet. Anfang des Jahres war die Unterstützung durch JOSM noch wenig ausgeprägt und ich habe selber ein Script programmiert, das mir unabhängig von JOSM hilft, die Bus-Strecke zu erstellen, ohne Lücken im Verlauf zu haben oder versehentlich Haltestellen hinzuzufügen, die Hunderte von Metern neben der Strecke liegen.

Du hast beim Eintragen der Daten auch mit sogenannten Relationen gearbeitet. Vor Relationen schrecken noch viele Openstreetmap-Aktive zurück. Welche Tipps kannst Du denjenigen geben, für die Relationen noch neu sind, aber die ebenfalls Bus- oder Bahnlinien in ihrer Stadt erfassen und eintragen wollen?

Man kann Strecken des ÖPNV in OSM nicht ohne Relationen erstellen. Das heißt man braucht mehr oder weniger gute Kenntnisse zu Relationen. Dabei werden Relationen immer dann genutzt, wenn bestehenden Karten-Eigenschaften - also Knoten und Wegstücke - in Beziehung zueinander gesetzt werden müssen. Daher ja auch der Name. Dies gilt z.B. für Abbiegeregeln an Kreuzungen, Zuordnung von Hausnummern zu Straßen oder Zuordnung von Grenzen zu Ortsteilen und eben auch für Routen. Dabei sind leider die Relationen für Buslinien die kompliziertesten. Am besten fängt man mit Abbiegeregeln an – sie heißen in OSM restriction –, schaut sich das Prinzip von bestehenden Abbiegeregeln an und erstellt seine ersten Relation. Auch hierbei gibt es eine gute Unterstützung durch JOSM. Dann liest man ein wenig auf der OSM-Wiki-Seite zu Routen-Relationen und schaut auch hier wieder auf bestehende Exemplare. Wenn man dann selber eine neue Relation erstellen will, nimmt man sich eine bestehende, kopiert diese, löscht alle Elemente in der Kopie und passt die wesentlichen Eigenschaften an seine neue Buslinie an. Dann ergänzt man neue Elemente und fertig ist die neue Linie. Es muss ja nicht als erstes so etwas heftiges sein wie die Bonner Buslinie 630, die 173 Wegstücke und 142 Haltestellen enthält.


Die Bonner Openstreetmap-Karte wächst und gedeiht. Die Buslinien der Stadtwerke Bonn sind vollständig erfasst. Welche Informationen fehlen Dir momentan in der Bonner Karte? Woran möchtest Du demnächst arbeiten? Wo würdest Du Dir Unterstützung wünschen?


Die Bonner Karte ist nahezu perfekt. Es fehlen hier und da noch Points-Of-Interest, aber auch die werden stetig mehr. Dies steht im krassen Gegensatz zu ländlichen Gebieten z.B. dem Oberbergischen. Dort habe ich 7 Jahre gewohnt und kenne mich in ein paar Gegenden ganz gut aus. Manchmal sind bei OSM in den Orten nur die Durchgangsstraßen verzeichnet. Kleinere Ortsnamen fehlen vielfach. Und die sind wichtig, denn ich weiß noch, als ich dort hinzog, hieß es immer wieder, der wohnt in Bieshausen oder der in Schneppenhurt usw. Schon bald kaufte ich mir eine Wanderkarte, damit ich überhaupt einordnen konnte, wo diese Dörfchen alle lagen. Vielleicht könnte man ja mal eine Aktion starten, und zu mehreren in so eine Gemeinde fahren, um dort einen Mapping-Tag durchzuführen. Sobald das Wetter wieder wärmer wird und man es ein paar Stunden auf dem Fahrrad aushalten kann, werde ich wieder unterwegs sein und in weiter entfernten Gebieten den Bussen hinterherfahren, denn ich glaube nicht, dass ich mir - wie die letzten Jahre - diese Weihnachtsferien wieder ein neues Internethobby suche, denn OSM wird mich doch länger als ein Jahr fesseln.

Zum Schluss: Welche Tipps würdest Du neuen Openstreetmap-Usern geben?

Jeder Anfang ist schwer und das Angebot an OSM-Einstiegsseiten im Internet ist überwältigend und verwirrend. Am besten man wendet sich an jemanden, der schon bei OSM mitmacht oder geht zu einem Stammtisch. Denn die Unterhaltung von Mensch zu Mensch ist doch immer besser als die von Mensch zu Maschine.

Peter, vielen Dank für das Interview!

Montag, 5. Oktober 2009

Meteoriteneinschlag in Bonn-Poppelsdorf

"Es sieht so aus, als wäre in Bonn ein Meteorit eingeschlagen.", so kommentierte ein Openstreetmap-User im englischsprachigen IRC-Chat am vergangenen Sonntag die Bonner Openstreetmap-Karte (OSM), die den Ausschnitt des Stadtteils Poppelsdorf zeigte. Und dieser Kartenausschnitt sah so aus (zum Vergrößern auf die Abbildung klicken):


Ich hatte einige Arbeiten an der Openstreetmap Karte im Norden von Bonn durchgeführt, als mir das Chaos im Poppelsdorfer Süden auffiel. Zunächst dachte ich an einen Fehler des Renderers (Mapnik), doch ein Blick in die zugrundeliegenden Vektordaten zeigte recht deutlich, dass der Renderer unschuldig und das Chaos bereits in der Datenbank zu finden war:


Was war geschehen? Inzwischen hatte auch der Bonner User Hugoe die merkwürdigen Änderungen in Poppelsdorf bemerkt und bei openstreetbugs eingetragen.

Ein Fall von Vandalismus?

Nach einer Recherche stand fest, dass die Änderungen in den Daten auf einen einzigen User (genauer: auf ein Changeset dieses Users) zurückgeführt werden konnten, die dieser am Samstagabend vorgenommen hatte. 1129 Knoten wurden bewegt und 76 Wege manipuliert. Ein Fall von Vandalismus?

Die Antwort ist ein klares "Nein". Ich hatte durch Zufall einige Tage vor dem Vorfall Kontakt mit dem betreffenden User und wusste, dass dieser gerade beginnt, sich in Openstreetmap einzuarbeiten. Nur drängte jetzt die Zeit, denn solche massiven Änderungen lassen sich nur dann mit Werkzeugen rückgängig machen, solange noch kein Teil dieser Änderungen wieder editiert worden ist. Und da der Schaden für die Openstreetmap-Karte so offensichtlich war, befürchtete ich direkte Korrekturen an einzelnen Vektoren - mit einer kaum abzusehenden Menge an Arbeit, sollten die Verbesserungen alle von Hand erfolgen müssen.

Ich bin mit dem Rückgängigmachen von Changesets nicht bewandert und wusste, dass diese Operationen nicht trivial sind. Daher suchte ich nach Experten. Neben einer E-Mail auf der deutschsprachigen OSM-Mailingliste (talk-de) bat ich im deutsch- und englischsprachigen IRC (Kanal #osm und #osm-de) um Hilfe. Wir diskutierten den Fall und schlussendlich konnte User balrog-kun die Änderungen rückgängig machen:


Nach unserer "Notoperation" an den Daten hatte ich wieder E-Mail-Kontakt mit dem User, der uns durch sein Changeset so ans Arbeiten gebracht hatte: Es war ein Bedienfehler in JOSM, und es ist ihm furchtbar peinlich. Irgendwie hatte er es ohne zu bemerken geschafft, sämtliche Objekte zu markieren und zu drehen, bevor er die Daten in die Datenbank gespielt hat. So schnell kann es passieren.

Fehler machen ist menschlich. Wichtig ist nur, dass man die Leute fragt und sich Hilfe holt, wenn man sie braucht. Neben vielen virtuellen Kontaktmöglichkeiten gibt es da zum Beispiel auch den Bonner Openstreetmap-Stammtisch. Hier treffen wir uns regelmäßig, tauschen uns aus und helfen uns gegenseitig. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Leute zu unserem Treffen fänden!

Mein Rat an alle OSM-Anfänger: Lasst euch nicht abschrecken sondern sucht den Kontakt zu anderen OSM-Aktiven. Hier beißt euch keiner, denn wir haben ja alle dasselbe Ziel: Die freie Weltkarte weiter zu verbessern!

Freitag, 21. August 2009

Bonner Mappertreffen am Montag, den 24.08.2009

Am Montag, den 24.08.2009, findet wieder ein Treffen für alle Openstreetmap-Interessierte in der Köln/Bonner Region statt. Das ist eine tolle Gelegenheit, sich in einer lockeren Runde kennenzulernen und über Openstreetmap zu sprechen und fachzusimpeln. Von Neueinsteigern bis zu "Alten Hasen" - alle sind willkommen! Ich würde mich freuen, viele von euch dort zu sehen! Bisher kennt man häufig die Usernamen und ahnt hier und da ähnliche oder auch verschiedene Interessen bei der Datenerfassung.

Wir treffen uns am Montag um 20:00 Uhr in der Bonner Altstadt, je nach Wetterlage im Außengastronomie-Bereich des NYX (bei Sonne, siehe Karte) oder im nur wenige Meter entfernt liegenden Macholds (bei Regen, siehe Karte). Das entscheidet sich am Montag (Wettervorhersage). Wir werden ein Openstreetmap-Logo auf den Tisch legen, um neuen Usern zu signalisieren, wo wir sitzen.

Die wichtigste Seite mit allen Informationen zum Treffen findet ihr hier. Meine Empfehlung: Dort nochmal am Montag vorbeisehen, um die letzten Informationen zu bekommen.

Ich freue mich, viele von euch dort zu sehen! :-)

Update (24.08.2009): Das Treffen wird im Außengastronomie-Bereich des NYX stattfinden.

Freitag, 7. August 2009

Google Streetview Competitor supports Openstreetmap

(This is a shortened and rough translation of the original blog post in german, which you can find here.)

Mapping places for Openstreetmap (OSM) can be very easy: Explore, collect data and put the results into the openstreetmap database. However, sometimes your notes might be incomplete and questions arise: Where was this street crossing again? What was the name of this restaurant? Wasn't there a post box? How many times have you thought of using street photos from Google Streetview in order to check? Never? Come on!

Deriving data for OSM from Google Streetview is illegal

Nobody will argue that up to date photos of streets wouldn't be of great value to the openstreetmap community. But licenses forbid using data from Google Streetview. However, there is now a Google Streetview competitor, _sightwalk, a service run by the german company panogate GmbH. Panogate's _sightwalk offers high quality street photos in which the user can easily navigate. The service uses openstreetmap data to generate maps displaying the actual position of the location. So why not give something in return to the OSM-community?

_sightwalk allows openstreetmap users to derive data

Jochen Topf from Geofabrik asked and got an answer: Panogate wants to support openstreetmap and allows users to derive data from _sightwalk photos. The photos themselves remain under copyright. The corresponding german wiki page suggests to include the additional tag "source=sightwalk.de" in all derived data.

_sightwalk started in April 2009 and covers right now only few german cities, namely Cologne (Köln), Munich (München), and Düsseldorf. In a few weeks Hamburg, Berlin, and Bonn will be added. Let's hope that _sightwalk will soon cover more areas. This might trigger an explosion of the number of submitted Points of Interests (POIs) in covered cities and offers an additional possibility for checking data.

Google Streetview Wettbewerber unterstützt Openstreetmap

Mappen für Openstreetmap (OSM) kann sehr einfach sein: Gegend erkunden, Daten erfassen und diese später in die Openstreetmap-Datenbank aufnehmen. Doch was tun, wenn die eigenen Aufzeichnungen unvollständig sind? Wenn sich Fragen an Weggabelungen ergeben? Wenn man vergessen hat, den Namen der einzutragenden Apotheke oder des Restaurants aufzuschreiben? Wer hat sich in solchen Situationen nicht schon mal gewünscht, seine Tour mit Kamera aufgezeichnet oder wenigstens ein paar Fotos von den fraglichen Stellen geschossen zu haben? Dabei liegen solche Informationen häufig nur einen Klick entfernt: Bei Google Streetview lassen sich Fotos ganzer Straßenzüge bequem einsehen. Wem hat es da nicht schon einmal in den Fingern gejuckt, Daten von Streetview für OSM abzuleiten?

Streetview Daten für OSM zu verwenden ist nicht legal

Die Lizenzen verbieten das, und so war die Datenerfassung durch virtuelle Spaziergänge lange Zeit unmöglich. Mit dem Dienst _sightwalk der Kölner Panogate GmbH gibt es jetzt allerdings einen Mitbewerber, der anders denkt. _sightwalk stellt - ganz ähnlich wie Google Streetview - Fotostrecken von Straßenzügen ganzer Städte online. Die Bedienung ist Google Streetview sehr ähnlich. Im Gegensatz zu Google generiert _sightwalk seine Übersichtskarten aus Openstreetmap-Daten - und warum sollte man hier nicht der OSM-Community etwas "zurückgeben"?

Ableiten von Daten für OSM von _sightwalk erlaubt

Jochen Topf von der Geofabrik fragte nach und erhielt ein deutliches Ja. In dem entsprechenden Schreiben von Panogate heißt es:

"Die panogate GmbH möchte das Projekt openstreetmap.de unterstützen. [...] Die erstellten Fotos unterliegen dem Copyright der panogate GmbH. Die panogate GmbH wird jedoch keine Rechte auf die für die Verbesserung des OSM Kartenmaterials aus den Bildern gewonnenen Daten geltend machen."

Damit ist der Weg für das Ableiten von Daten frei. Panogates _sightwalk ist noch ein junger Dienst, wurde er doch erst im April 2009 gestartet. Bisher werden die Städte Köln, München und Düsseldorf abdeckt. In den folgenden Wochen sollen Hamburg, Berlin und Bonn folgen. Da mit der Aufnahme des Bildmaterials im Mai 2008 begonnen wurde, ist es recht aktuell.

Explodiert die Anzahl neu eingepflegter POIs?

Neben vielen Einsatzmöglichkeiten drängt sich eine besonders auf: Interessante Orte (Points of Interest, kurz POIs) könnten bequem aus dem Bildmaterial abgeleitet oder überprüft werden. Auf der _sightwalk betreffenden OSM-Wikiseite wird um eine Kenntlichmachung solcher Ableitungen durch das zusätzliche Tag "source=sightwalk.de" gebeten. Ein kurzer Blick in die OSM-Datenbank (Stand vom 6.08.2009) zeigt, dass in Nordrhein-Westfalen bisher keine Objekte mit diesem Tag existieren, in Bayern sind es immerhin schon 9. Vermutlich ist das Angebot noch zu neu und unter Mappern noch nicht bekannt genug.

Fazit: Nutzt die neuen Möglichkeiten! :-)

PS: Niemand ist fehlerfrei. Wenn Dir Fehler in diesem Text auffallen, freue mich über einen Hinweis. Und ich freue mich über Kommentare und Anregungen! :-)

Mittwoch, 29. Juli 2009

Openstreetmap-Wiki: Wie man auf dem Laufenden bleibt

"Es steht doch im Wiki!" - diesen Satz kann man von so manchen Openstreetmap-Begeisterten hören. Besonders schade ist diese Antwort, wenn man gerade wichtige Informationen im Wiki schlichtweg verpasst hat, wie zum Beispiel auf den Wikiseiten angekündigte lokale Mappertreffen oder Ankündigungen über Änderungen an der Software eines Lieblingstools. Für die Einen ist das Openstreetmap-Wiki das Universalwerkzeug der Wahl, um den Stand der Dinge zu dokumentieren, zu kommunizieren und zu organisieren. Für die Anderen ist es ein notwendiges Übel, mit dem man sich zwischen den eigentlich interessanten Tätigkeiten (Mappen!) ab und an beschäftigt.

Doch für die letztgenannte Gruppe wird es jetzt etwas bequemer, informiert zu bleiben: Knapp 9 Tage ist es her, dass Firefishy, einer der Openstreetmap-Systemadministratoren, auf der deutschen OSM-Mailingliste mitteilte, eine Funktion des Wikis gerade freigeschaltet zu haben: User können sich von jetzt an via E-Mail informieren lassen, wenn sich für sie interessante Wiki-Seiten ändern.

Per E-Mail über Änderungen an Wikiseiten informiert werden

Und so geht es: Nach dem Einloggen im Wiki oben rechts auf Einstellungen klicken.



Auf der dann erscheinenden Seite nach unten gehen und dort ein Häkchen bei "Bei Änderungen an beobachteten Seiten E-Mails senden" machen.



Übrigens lässt sich hier auch gleich festlegen, ob andere User einen über das Wiki kontaktieren können. Falls ja, sollte dann auch ein Häkchen an der Stelle "E-Mail Empfang von anderen Benutzern ermöglichen" stehen und natürlich eine E-Mailadresse weiter oben auf derselben Seite angegeben sein. Diese E-Mailadresse wird im System gespeichert und nicht als Klartext veröffentlicht. Zum Schluss dann auf "Einstellungen speichern" klicken.

Wiki-Seiten auswählen

Die Benachrichtungen über Änderungen von Wiki-Seiten per E-Mail bezieht sich auf alle Wiki-Seiten, die in der persönlichen Beobachtungsliste stehen. Um eine Wiki-Seite in diese Liste aufzunehmen, einfach auf die gewünschte Wiki-Seite navigieren und dann oben rechts auf "beobachten" klicken. Soll die Seite wieder aus der Liste entfernt werden, einfach auf "nicht mehr beobachten" klicken.

Interessant könnte zum Beispiel das Beobachten der Openstreetmapwiki-Seiten von Gemeinden sein, in denen man als Mapper tätig ist, oder beispielsweise auch von entsprechenden Seiten über Mapper-Treffen oder Stammtische.

Von E-Mails überschwemmt?

Eine wahre E-Mail-Flut dürfte nicht zu erwarten sein. Natürlich wird dies auch von der Länge der eigenen Beobachtungsliste abhängen, die man mit einem Klick auf "Beobachtungsliste" oben rechts einsehen kann. Ein entscheidender Punkt ist aber, dass - sollte eine Wikiseite mehrfach geändert werden - nur eine E-Mail über die erste der Änderungen verschickt wird. Erst, wenn man die geänderte Wiki-Seite einmal besucht hat, wird bei einer darauffolgenden Änderung wieder eine E-Mail verschickt.

Es kann auch sein, dass die Benachrichtigung via E-Mail mit einer kleinen Zeitverzögerung stattfindet. Der Grund ist, dass der Wiki-Server die E-Mails nicht direkt verschickt sondern auf einen Zeitpunkt wartet, in dem wenig zu tun ist (das nimmt Last vom Server, gerade zu Spitzenzeiten). Dazu werden die Versandaufträge in eine Liste geschrieben, deren Länge sich zum Beispiel hier ("Auftragswarteschlange") nachsehen lässt.

Bleibt von dieser Stelle aus noch viel Spaß beim Mappen zu wünschen! Und dass es demnächst öfters heißt: "Klar, hab ich doch im Wiki gelesen!" :-)

Montag, 27. Juli 2009

Heute (27.07.09): Mappertreffen in Bonn

Heute findet zum zweiten Mal ein Mappertreffen in Bonn statt. Und ich freue mich darauf und hoffe, viele von euch dort zu sehen! Schon beim ersten Mal war das Hallo gross, als wir wechselseitig herausfanden, welche Personen hinter verschiedenen Usernamen steckten, und wer welche Stellen der Openstreetmap Karte bearbeitet.

Userin Juma hat für das Mappertreffen einen Treffpunkt organisiert. An dieser Stelle: Danke dafür! :-)

Und hier die Details (kurz vor Aufbrauch am besten nochmal auf der entsprechenden Wiki-Seite gegenchecken):

  • 20:00 Uhr
  • NYX, Vorgebirgsstr. 19, Bonn (Karte)

Bis dann!

Samstag, 18. Juli 2009

Openstreetmap for thirsty hackers

What are thirsty hackers looking for? The answer often is "Club Mate", at least in Germany. The "caffeinated carbonated Mate-extract beverage" (Wikipedia) became popular in Berlins club scene during the 90s. Maybe because of its high caffeine content, it gained popularity in the german hackers scene but finding shops selling Club Mate remains notoriously difficult. So what about mapping places where one can buy Club Mate?

No sooner said than done! People from Chaos Computer Club Mainz did it and set up a map, the so called Mateka’te, using Openstreetmap data. The tag "club-mate=yes" is used to indicate places where to get Club Mate. Question: Do places correlate with hacker density? ;-) I don't know.

Note, that I do not drink Club Mate nor do I receive any payment for this posting. ;-) I was just amazed by the absolutely unforeseen ways people use Openstreetmap data.

(via hep-cat)

Dienstag, 14. Juli 2009

Kurz notiert: Nachlese zur State-of-the-Map Konferenz 2009

Kaum zwei Tage ist es her, dass die letzten Vorträge auf der State-of-the-Map Konferenz, der jährlich stattfindenden großen internationalen Openstreetmap-Tagung, gehalten wurden. Doch schon tauchen erste Berichte und Mitschnitte von engagierten Teilnehmern auf - eine tolle Chance, für alle Daheimgebliebenen, sich über neue Entwicklungen und Diskussionen zu informieren. Hier ein kleiner Überblick:

  • Auf dem Blog der Geofabrik hat Frederik Ramm einen lesenswerten Tagungsbericht geschrieben.

  • Bei Vimeo können sich Interessierte bereits einige Vorträge als Film anschauen. Weitere Videos sollen folgen. Die Tagungsorganisatoren haben diesbezüglich gebeten, dass Teilnehmer ihre Favoriten im Wiki nennen, um eine Prioritätenliste beim Einstellen der Videos zu erhalten.

  • Eine Auflistung aller Vorträge samt - soweit vorhanden - Links zu Videos und den Vortragsfolien wird gerade auf einer Wiki-Seite zusammengestellt. Hier lohnt es sich, von Zeit zu Zeit vorbeizuschauen.

Bleibt noch der ganz eigene selbstironische Kommentar von Openstreetmap-Gründer Steve Coast zu erwähnen. :-)

Ein herzliches "Danke schön!" an dieser Stelle an alle, die sich zur Zeit die Mühe machen, die Tagung in Berichten dokumentieren und Videos zum Upload ins Netz aufzubereiten.

Samstag, 11. Juli 2009

Krautsourcing 2.0: Über die Aktivitäten der deutschen Openstreetmap-Community

Auf der jährlich stattfindenden State-of-the-map Konferenz (SOTM), der weltweit größten internationale Openstreetmap-Konferenz, sprach vor wenigen Minuten Frederik Ramm (Geofabrik) über die Aktivitäten der deutschen Openstreetmap-Community der vergangenen 12 Monate.

Jeder zweite aktive Openstreetmap-User arbeitet an der deutschen OSM-Karte

Und die Zahlen und Fakten konnten sich sehen lassen: Hatte die deutsche OSM-Karte vor einem Jahr noch 1.3 Millionen Wege, zählen wir heute über 3.4 Millionen. Von diesen wurden rund 87% in den vergangenen Monaten modifiziert, d.h. auch schon existierende Wege wurden weiter verbessert. Doch damit nicht genug: Jeder zweite aktive Openstreetmap-User editiert die deutsche OSM-Karte. Das ist eine beeindruckende Zahl, die die Größe der deutschen Community unterstreicht.

In bed with the government

Frederik erwähnte zahlreiche Projekte, die in den vergangenen Monaten gestartet wurden. Das Oberpfalz-Projekt, bei dem hochauflösende Luftbilder durch die bayrische Regierung und dem bayrischen Landesamt für Vermessung und Geoinformation zum Mappen zur Verfügung gestellt wurden, wurde ebenso gewürdigt wie der Import der Straßendaten von Straßen.NRW. Daneben erlaubte das Kataster-, Vermessungs- und Liegenschaftsamt (KVL) Rostocks den Import von Gebäuden, und die gezeigte Karte war sehr beeindruckend. Allerdings enthalten die Gebäudedaten kleine Fehler - vom KVL absichtlich eingebrachte Unschärfen. Da diese Fehler allerdings unter der GPS-Auflösungsgenauigkeit liegen, ist der Import ein hervorragender Ausgangspunkt für die Erfassung von Rostocker Gebäuden und die anschließende Verbesserung der Daten.

Frederik zählte eine lange Liste von OSM-Anwendungen auf, die von deutschen Usern erstellt wurden und werden. Neben der ÖPNV-Karte wurden die openseamap, das Freie Tonne Projekt zur Sammlung von Seezeichen, der OpenrouteService der Universität Bonn, Geofabriks OSM-Inspector und die Reit- und Wanderkarte (Infos) erwähnt. Unbekannt war mir übrigens bisher, dass auch die iPhone Applikation Offmap, die den Download von Openstreetmap-Kartenmaterial zur Offline-Nutzung erlaubt, von einem Deutschen entwickelt wird. Zu guter letzt erzählte Frederik noch vom Rewrite der beliebten und zum Melden von Kartenfehlern eingesetzten Openstreetbugs-Anwendung durch User Emka.

Mini-SOTM in Osnabrück 2010

In Anbetracht der begrenzten Redezeit (10 Minuten) ist selbstverständlich, dass nicht jede Aktivität der deutschen Community erwähnt werden konnte. Unerwähnt blieben zum Beispiel der ÖPNV-Workshop in Karlsruhe oder die OSM-Konferenz in Bonn (Bericht hier). Dass Frederik aber überhaupt soviel Information in seinen Vortrag packen konnte, darüber war ich echt beeindruckt. :-)

Am Ende seines Vortrags kündigte Frederik Ramm noch eine "MiniSOTM", wie er es nannte, an, die vom 2. bis 5. März 2010 in Osnabrück stattfinden soll. Er erwarte um die 400 (!) Teilnehmer, eine Zahl, die nicht geringes Erstaunen in den IRC-Kanälen auslöste - hat doch die aktuell stattfindene internationale Konferenz "nur" 250 Teilnehmer. [1] Ich mußte schmunzeln: War das ein sanfter Hinweis auf das im Verhältnis zu allen OSM-Aktiven sehr große Engagement deutscher OSM-User?

Die bis Sonntag, den 12.07.2009, laufende State-of-the-Map Konferenz kann über einen Live-Stream sowie über Twitter und Flickr verfolgt werden.

PS: Niemand ist fehlerfrei. :-) Wenn Dir Fehler in diesem Text auffallen, freue mich über einen Hinweis. Ich werde sie dann nach Prüfung korrigieren.

[1]

Update 1: Bei der geplanten Konferenz in Osnabrück handelt es sich um die FOSSGIS, bei der Openstreetmap ein Thema neben vielen anderen sein wird. Die Veranstaltung ist keine OSM- sondern eine GIS-Konferenz. Mein Dank geht an Frank, der mich aufgeklärt hat.

Update 2: Frederik Ramm hat mir und auf der talk-de Mailingliste zwischenzeitlich geschrieben und präzisiert:
"Die FOSSGIS-Konferenz zieht allein in ihrer bisherigen Kapazitaet als reine GIS-Konferenz schon 400 Leute an. Wir rechnen damit, dass auch beim OSM-Teil, der an die traditionelle FOSSGIS anschliesst, rund 400 Leute anwesend sein werden, und dass ein ueberwiegender Teil davon eigens fuer den OSM-Teil anreist - obwohl es sicher auch einige geben wird, die die Konferenz in voller Laenge besuchen und damit in beiden Kontingenten mitzaehlen. Die Zahl von 400 Leuten ist ueberhaupt nicht utopisch, wenn man bedenkt, dass jeden Monat 4000 Leute editieren, oder...?"

Update 3: Inzwischen hat Frederik seine Vortragsfolien als PDF-Datei zum Download zur Verfügung gestellt. Ihr findet sie hier.

Freitag, 26. Juni 2009

Wie vollständig sind Openstreetmap-Daten?

Sicher - das ist eine der schwierigsten Fragen, die sich innerhalb von Openstreetmap (OSM) stellen lässt. Denn: Was ist Vollständigkeit? In Bezug auf was? Und vor allem: Für wen? Unterschiedliche Nutzer des freien Kartenmaterials werden unterschiedliche Anforderungen an die Karte stellen. Damit lässt sich auch die damit verwandte Frage nach der Qualität der eingepflegten Daten nicht eindeutig beantworten.

Immer wieder gab und gibt es in der jüngeren Openstreetmap-Geschichte Versuche, Vollständigkeit und Datenqualität mit unterschiedlichen Ansätzen zu messen und damit auch zu definieren. Beispielhaft - neben vielen anderen Ansätzen - seien hier Unmapped Places oder die Konsistenzchecker Keep-right und MapLint genannt.

Eine Idee, die Vollständigkeit der OSM-Daten in Bezug auf eingepflegte Straßen zu prüfen, nutzt den Abgleich von offiziellen Straßenverzeichnissen mit den Straßennamen, den die OSM-Datenbank für den betreffenden Kartenausschnitt bereithält. Natürlich kann ein solcher Vergleich nicht Straßenverläufe in seiner Qualität prüfen, aber er kann immerhin eine Idee davon geben, wieviele Straßen in den OSM-Daten einer entsprechenden Gemeinde schon existieren oder nicht (oder nicht korrekte Namen tragen).

In einem so großen Freiwilligen-Projekt wie Openstreetmap ist es recht normal, dass unterschiedliche Akteure in verschiedenen Aktionen sehr ähnliche Ziele verfolgen, die sich - meist in der Rückschau - ergänzen. Beim Abgleich mit Straßenverzeichnissen ist es nicht anders. User Sven Anders wertet seit längerer Zeit Straßenverzeichnisse für Ortsgrenzen aus, die ihm von verschiedenen Usern zugeschickt wurden. Die Ergebnisse erscheinen hier als Listen, die nicht nur die Straßennamen anzeigen, die nur in der OSM-Karte existieren, sondern gerade auch die Straßennamen, die bisher nicht im OSM-Datenmaterial vorhanden sind. Letztere sind jeweils mit einem Link auf eine Google-Maps Karte versehen, auf der jeweils der Ort der jeweiligen fehlenden Straße anzeigt wird.

User Florian Lohoff arbeitet seit über einem Monat mit beeindruckendem Zeiteinsatz an Straßenlistenauswertungen (siehe hier), interessiert sich hierbei allerdings vor allem für eine Visualisierung der Vollständigkeit der OSM-Daten in der Fläche und für eine Verbesserung existierender und Einpflegen neuer Admin-Boundaries. Letztere zieht er für Straßenlistenauswertungen heran - auch um einen weiteren Anreiz zu dafür schaffen, dass sich mehr Mapper um Admin-Boundaries kümmern. Als Quellen für die Straßenlisten werden Listen aus Wahlbezirkseinteilungen oder Straßenreinigungssatzungen, die meist auch eine Liste von Straßen enthält, herangezogen. Dabei heraus kommt für Nordrhein-Westfalen eine sehr schöne Karte, die farbkodiert (von rot: "wenig erfasst", bis grün: "gut erfasst") die Vollständigkeit der OSM-Daten zeigt. Sehr schön lässt sich ablesen, was viele von uns schon erahnt haben oder wissen: Es gibt sehr gut erfasste Gebiete (vor allem in den Ballungsräumen) und solche, die bisher weniger gut erfasst worden sind.





Die Karte läßt sich anklicken und leitet dann auf die Seite des jeweiligen Ortes weiter. Dort lassen sich dann auf einer interaktiven Google-Maps Karte (von der ich aus Copyright-Gründen hier keinen Screenshort zeige) die bisher bei OSM fehlenden Straßen anzeigen. Ihre ungefähre Lage läßt sich als GPX-Waypointdatei herunterladen. Letzteres ist gerade praktisch für den ambitionierten Mapper, der mit seinem GPS-Gerät dann gleich die fehlenden - oder manchmal einfach nur falsch geschriebene Namen tragende - Straßen aufsuchen und mappen kann. Daneben gibt es noch eine Graphik, die die Anzahl fehlender Straßen für einen ausgewählten Ort gegen die Zeit darstellt. So lässt sich der eigene Mapping-Erfolg beim Erfassen auch zeitlich messen und nachvollziehen.

Fast täglich wächst die Zahl der Orte, die in Auswertung mit einbezogen werden, und auch Orte außerhalb Nordrhein-Westfalens kommen hinzu. Das liegt auch an Usern, die Florian kontaktieren und Straßenlisten zusenden. Bisher gibt es noch keine entsprechende Seite im Openstreetmap-Wiki, die das Projekt beschreibt - dazu ist es noch sehr jung und nimmt gerade erst an Fahrt auf.

Ich hoffe, dass die Auswertungen - seien sie von Florian oder von Sven - viele Mapper motiviert, dass sie sich als hilfreiches Werkzeug etablieren und Mappern Hinweise geben, wo Verbesserungsbedarf bei den Straßendaten in unserer Openstreetmap-Karte besteht.

Montag, 1. Juni 2009

Ein Bericht von der OSM-Tagung in Bonn

Wie funktioniert die Openstreetmaps-Community? Was hat Openstreetmap Googles MapMaker entgegenzusetzen? Welche Denke hindert öffentliche Verwaltungen daran, Geodaten zur Verfügung zu stellen und was lässt sich aus der erfolgreichen Kooperation mit dem Landesbetrieb Straßenbau NRW lernen? In welchem Stadium befindet sich die Zusammenarbeit mit der deutschen Wikipedia, und was haben Openstreetmapper davon?

Diese Themen und vieles mehr wurden auf der Tagung "OSM im Rheinland" in Bonn am vergangenen Dienstag (26.05.09.) angesprochen, zu der überraschend auch der Openstreetmap-Gründer Steve Coast angereist war. Es entwickelte sich eine sehr spannende und auch politische Veranstaltung, die durch die Mischung der Redner und Teilnehmer eine ganz eigene Dynamik bekam. Doch der Reihe nach.

Profis versus Hobbyisten?

Eingeladen hatten Jens Fitzke, Geschäftsführer der Firma lat/lon, sowie Alexander Zipf, Professor am geographischen Institut der Universität Bonn, in das Forschungszentrum Caesar, das in der Nähe des ehemaligen Bonner Regierungsviertels liegt. Beide hatten und haben Kontakt zu Openstreetmap, unter anderem über die Betreuung von Praktikanten und Magistervorhaben (darunter so bekannte Projekte wie der openrouteservice.org). Eines der Ziele der Veranstaltung war es, professionelle GIS (Geographic Information Systems)-Anwender und Openstreetmap-Aktive zusammenzubringen. Damit prallten auch verschiedene Denkschulen aufeinander.

Der erste Redner war Jochen Topf, auf dessen Vortrag ich mich besonders gefreut hatte. Jochen ist kein Unbekannter im Openstreetmap-Universum, wie die meisten wissen werden. Unter anderem hat Jochen die Website openstreetmap.de geschrieben, hat den Checker MapLint und den OSM-Inspector programmiert und zusammen mit Frederik Ramm das Openstreetmap-Buch verfasst, das - nebenbei bemerkt - inzwischen in einer überarbeiteten Auflage vorliegt.

Openstreetmap soll nicht Katasterämter überflüssig machen

Jochen erklärte in groben Zügen Grundlagen des Openstreetmap-Projekts und erwähnte viele von den inzwischen realisierten OSM-Anwendungen. Die GIS-Profis schreckten vor allem bei dem Gedanken auf, dass prinzipiell jeder Daten einpflegen kann und damit auch die Kartenqualität von Region zu Region schwankt. Der Graswurzelansatz und Wiki-Gedanke der OSM-Community (kurz: Die Qualität der Daten nimmt zu, je mehr Menschen sich dafür interessieren und mitarbeiten.) prallte hier auf das Bedürfnis der GIS-Leute, die Daten von "Oben" zu strukturieren, zu klassifizieren und ihre Qualität zu kontrollieren. Das war einer der gravierendsten Gegensätze zur Openstreetmap-Philosophie Rough Consensus and Running Code, den Jochen mit "Grober Konsens und funktionierende Beispiele" übersetzte. Immerhin hat dieser pragmatische Ansatz Openstreetmap weit gebracht, bei dem lokal Probleme gelöst werden und sich in einem fortlaufenden Prozess taugliche Klassifikationsschemata herausbilden.

Die Bemühungen um eine Qualitätskontrolle spiegeln sich in verschiedenen Projekten der OSM-Community wider, wie Jochen betonte. Eine Qualitätskontrolle bedingt aber einen Vergleich mit irgendeiner Art von Goldstandard. Doch welche Karte könnte überhaupt als Goldstandard herhalten, wenn man die vielfältigen Einsatzbereiche der Openstreetmap-Kartendaten betrachtet? Und welche Karte kann von sich beanspruchen, tagesaktuell zu sein? Daneben spielt auch die Zielanwendung eine Rolle: Openstreetmap-Daten, die auf GPS-Spuren basieren, eignen sich kaum für Aufgaben, bei der es um räumliche Auflösungsgenauigkeiten von wenigen Zentimetern geht.

Openstreetmap ist keine Demokratie

Eine bewusste Provokation war Jochens These, dass Openstreetmap nicht demokratisch sei. In der sich anschließenden Diskussion konkretisierte er diesen Standpunkt. So nähmen nur wenige Mapper Teil an Abstimmungen über neue vorgeschlagene Map-Features. Unter anderem ließen sich die niedrigen Teilnehmerzahlen an bestimmten Abstimmungen auch darauf zurückführen, dass sich für sehr spezielle Features nur wenige eingearbeitete User interessierten.

Daneben forderten manche Einflussmöglichkeiten einen hohen technischen Sachverstand, eine Tatsache, die zu einer hohen Verantwortung für eben diese User führe, da sie für die Community Entscheidungen träfen. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang unter anderem einzelne aktiven User, die sich z.B. in privaten Projekten mit der Visualisierung des Openstreetmap-Kartenmaterials beschäftigen und entscheiden, welche Features sie visualisieren wollen. Gerade die Visualisierung fördert und steuert auch in einem gewissen Rahmen die Aufmerksamkeit von Mappern bezüglich bestimmter Map-Features, und dies wird Auswirkungen auf die eingepflegten Daten haben.

Sag nie "Nein". Sag "Ja", und füge etwas hinzu.

Einfluss auf das sich selbst organisierende Geschehen ließe sich daher nicht mit erhobenem Zeigefinger und Forderungen nach Löschungen oder dem Rückgängigmachen bestimmter Aktionen ("Nein"-Sagen) nehmen, sondern durch das aktive Bejahen von bisher Geleistetem und dem darauf aufbauenden Hinzufügen von weiterer Arbeit.

Und um das "Hinzufügen" ging es dann in den folgenden Vorträgen von den Geographiestudenten Damian Paderta, der als Mapper zwischen Bassenheim, Urmitz, Kettig und Weißenthurm unterwegs war ("Wir taggen nicht für Renderer. Wir taggen für die Wirklichkeit."), von Pascal Neis, der seine Magisterarbeit, den Openrouteservice vorstellte, sowie von Astrid Müller, die sich zur Zeit in Bonn mit dem OSM-basierten Routing von Rollstuhlfahrern beschäftigt.

Pascal sprach über Routing, Point-of-Interest (POI)-Suche und Geocoding auf OSM-Basis. Die Fahranweisungen des Openrouteservice sollen zukünftig verbessert werden, z.B. durch Berücksichtigung von lokalen POIs ("nach der Sparkasse rechts abbiegen"). Bisher werden noch keine turn-restrictions beim Routing unterstützt, eine Sache, die man demnächst gerne angehen würde. Astrid sprach über wichtige Parameter und Tags, die für ein erfolgreiches Rollstuhlfahrerrouting benötigt werden und von den bisher verwendeten Tags entweder nicht erfasst oder für bisheriges Routing nicht gebraucht wurden. So spielen der Belag, das Gefälle sowie Wegbreiten und Bordsteinhöhen eine wichtige Rolle. Erstere bezögen sich in den meisten OSM-Daten vor allem auf Straßen, würden aber für das Rollstuhlfahrerrouting auch für Bürgersteige benötigt. Zusammen mit weiteren Studenten hat sie die OSM-Karte der Bonner Innenstadt mit solchen Informationen angereichert und konnte schon ein Beispiel für ein entsprechendes Routing vorstellen.

Openstreetmap 3D

Dass sich Openstreetmap-Daten auch in 3D visualisieren lassen, wird immer wieder diskutiert. Alexander Zipf zeigte in seinem Vortrag eine Live-Präsentation von OSM-3D. Als Grundlage wurden OSM-Daten mit den Daten der NASA Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) verschnitten. Die Visualisierung geschieht später durch eine entsprechende Java-Applikation im Browser (einen Rechner mit entsprechend leistungsfähiger Graphikkarte vorausgesetzt) und wird nicht serverseitig realisiert, wie das bei den 2D-Karten bisher der Fall ist. Die Live-Präsentation kam beim Publikum gut an - durch eine 3D Umgebung von selbst eingepflegten Daten zu schweben machte Spaß. In diesem Zusammenhang erwähnte Prof. Zipf, dass zusätzliche Informationen über Gebäudehöhen und Stockwerkanzahl die Darstellung von Gebäuden in 3D erheblich vereinfachen würden, und dass solche Informationen häufig noch in der OSM-Datenbank fehlen.

Natürlich gab es auch Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens: Neben potentiellen Einsatzmöglichkeiten im Stadtmarketing und Tourismus, in der Stadtplanung oder bei 3D-Autonavigationssystemen (3D Routeservice) ging es - soweit ich das richtig verstanden habe - langfristig um die Schaffung offener netzbasierter 3D GIS Standards. In diesem Zusammenhang kann Openstreetmap als Testfall gesehen werden kann, für den große Datenmengen zur Verfügung stehen, und an dem die prinzipielle Realisierungsmöglichkeit entsprechender Standards demonstriert werden kann.

Wikimedia Toolserver offen für Openstreetmap-User

Schon seit längerem gibt es Berichte, dass in naher Zukunft Kartenmaterial von Openstreetmap in Artikel der deutschen Wikipedia eingebettet werden sollen können. Raimond Spekking, einer der Entwickler von Mediawiki (also der Software, unter dem unter anderem die Wikipedia läuft) berichtete in seinem Vortrag von den Herausforderungen, die sich hieraus für die Wikipedia und Openstreetmap ergeben. Die Last von in der Spitze über 75000 Zugriffe pro Sekunde, die bei Wikipedia weltweit anfallen, werde man nicht auf die Openstreetmap-Server leiten, sondern werden durch die vom Wikimedia Deutschland e.V. eigens angeschaften Server bedient. Zwei der drei angeschafften Server werden als Produktionsserver zur Zeit für Caching und Rendering der Openstreetmap-Daten eingerichtet. Der dritte Server wird als Toolserver auch Anwendern von Openstreetmap als Plattform für die Entwicklung innovativer OSM-basierter Applikationen zur Verfügung stehen. Ich vermute, dass die Einbettung von OSM-Karten in der Wikipedia viele Menschen auf Openstreetmap aufmerksam machen wird, die OSM bisher nicht kannten - eine Win-Win Situation für Wikipedia und Openstreetmap. Und vielleicht kann der Eine oder die Andere für eine Mitarbeit bei Openstreetmap gewonnen werden...

Straßen.NRW bekam Rückmeldungen aus der OSM-Community

Stefan Wick, vom Landesbetrieb Straßenbau NRW (kurz: Straßen.NRW), berichtete über die Zusammenarbeit seines Hauses mit der Openstreetmap-Community. Daten über 20.000 km Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen wurden in diesem Zusammenhang Openstreetmap seit Dezember 2008 zur Verfügung gestellt. Dabei profitierten beide Seiten von der Zusammenarbeit, wie betont wurde: Straßen.NRW erhielt nämlich auch Rückmeldungen von der OSM-Community über mögliche Fehler in den importierten Daten, die zur Zeit vom Landesbetrieb geprüft werden.

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion im Plenum wurde die fortschrittliche Einstellung von Straßen.NRW gelobt. Diese sei bei vielen anderen Stellen leider noch nicht selbstverständlich. So herrsche - berichteten Tagungsteilnehmer - die Einstellung vor, dass selbst mit öffentlichen Mitteln finanzierten und erhobenen Geodaten nicht der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung gestellt sondern zu Phantasiepreisen auf Anfrage angeboten würden. Dahinter stecke wohl, so vermutete einer der Teilnehmer, nicht nur Besitzstandsdenken sondern auch die Hoffnung, ohne Anreicherung der Daten große Gewinne erzielen zu können; letzteres habe sich aber in den letzten Jahren nicht bestätigt. Es bleibt zu hoffen, dass das Beispiel Straßen.NRW Schule macht und vielleicht Hemmschwellen bei anderen Stellen abzubauen hilft.

Steve Coast über Google Maps und Openstreetmap

Er war der Überraschungsgast des Tages, Steve Coast, Gründer von Openstreetmap und Vorsitzender der OSM Stiftung. Der zur Zeit in San Francisco lebende Engländer verfolgte interessiert die Tagung, die er sich in Auszügen von einer Kollegin auf englisch übersetzen ließ. Und er erklärte sich spontan bereit, ein Abschlußstatement am Ende der Tagung zu geben. Er erzählte in einem unterhaltsamen Vortrag über die Anfänge von Openstreetmap und darüber, dass die Idee, keine festen Tags vorzugeben, von den meisten anfänglich abgelehnt und für verrückt erklärt worden sein. Der Ansatz, die Dinge so einfach wie möglich zu realisieren und einfach Code ans Laufen zu bringen, hat zu einer explosionsartigen Entwicklung der Mitarbeiterzahl und zu ganz unerwarteten Anwendungen geführt.

Angesprochen darauf, ob nicht Googles Map Maker Projekt, bei dem User Geodaten sammeln und eintragen können, eine massive Konkurrenz zu Openstreetmap darstellen würde, meinte Steve sinngemäß: Während Openstreetmap eine Community besitzt, hat Google eine Gruppe von Kunden (set of costumers). Das sei einer der wichtigsten Unterschiede neben den lizenzrechtlichen Aspekten. Im ersten Fall arbeiten Menschen ehrenamtlich, um freies Kartenmaterial zu schaffen und zu verbessern. Im zweiten Fall arbeiten Menschen unentgeltlich einer Firma zu, die die Rechte an dieser Arbeit dann besitzt und damit wiederum Geld verdient.

Zum Schluß lud Steve noch zur diesjährigen State of the Map Konferenz (SoTM) ein, die vom 10. bis 12 Juli in Amsterdam stattfinden wird, und für die schon sehr viele qualitativ hochwertige Tagungsbeiträge eingereicht worden seien.

Vielleicht sehen wir uns ja auf der SoTM 2009? :-)

PS: Wenn Dir Fehler in diesem Text auffallen, freue mich über einen Hinweis. Ich werde sie dann nach Prüfung korrigieren.

Sonntag, 24. Mai 2009

OSM im Rheinland 2009

Am kommenden Dienstag (26.05.2009) findet im Forschungszentrum Caesar eine kostenlose Veranstaltung mit dem Titel Openstreetmap im Rheinland statt. Die Tagung verspricht spannend zu werden, wird doch unter anderem der umtriebige und für sein Engagement bekannte Jochen Topf sprechen, einer der beiden Autoren des Openstreetmap-Buches, der unter anderem MapLint sowie den OSM-Inspector geschrieben hat, die deutsche Openstreetmap-Webseite programmiert und an Osmarender mitgewirkt hat sowie das GPS-Verleihprogramm organisiert, um nur einige seiner Aktivitäten zu nennen.

Daneben freue ich mich auch über die Vorträge aus der Forschungsgruppe um Prof. Zipf - keine Unbekannten im Openstreetmap-Universum. So ist beispielsweise der OpenRouteService in dieser Arbeitsgruppe entstanden, und das OSM-3D Projekt wurde bereits in manchen Foren und Mailinglisten diskutiert. Auch ein weiterer Aspekt, der in der OSM-Community diskutiert wurde - die Integration von Openstreetmap-Kartenmaterial in der Wikipedia, wird durch einen Vortrag von Wikipedia-Aktivist Raimond Spekking angesprochen.

Wer sich noch nicht registriert oder informiert hat, kann dies auf der entsprechenden Wiki-Seite des Openstreetmap-Projektes oder auf der Webseite des Veranstalters tun. Ich bin gespannt, viele von euch dort zu sehen! :-)

Montag, 11. Mai 2009

Happy Birthday Bonn!

Heute, vor drei Jahren, am Donnerstag den 11. Mai 2006, wurden in der Bonner Openstreetmap Karte die ersten Datenpunkte eingetragen (siehe hier). Wer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass sich innerhalb kürzester Zeit eine Karte entwickeln würde, die man heute bereits ohne größere Bedenken verwenden kann? Wer hätte geglaubt, dass diese Karte schon nach so kurzer Zeit in manchen Stadtgebieten die Karten anderer Anbieter an Genauigkeit und Detailverliebtheit schlägt? Es versetzt mich immer wieder in Erstaunen! Und es zeigt eindrucksvoll, was sich mit einer begeisterten Community erreichen läßt.

Happy Birthday! Und ein großer Dank an alle Beteiligten!

Natürlich, Hand auf's Herz: Der Bonner Kartenausschnitt von Openstreetmap hat noch viel Spielraum für Verbesserungen. Gott sei Dank, mögen manche denken. ;-)

Openstreetmap ist nichts ohne seine User. Und daher habe ich einige von euch angeschrieben und euch angesichts des dreijährigen Geburtstags gefragt: "Welche Entwicklung wünschst Du Dir bei der Bonner Openstreetmap-Karte in den kommenden drei Jahren?"

Hier sind eure Antworten (in alphabetischer Reihenfolge):

Astrid: Ich wünsche mir, dass sich die Bonner Karte auch in Zukunft so schnell weiter entwickelt. Insbesondere wünsche ich mir, dass Datenlücken im Bereich Bürgersteige, Steigungen und Oberflächen geschlossen werden. Ein Mapper Treffen oder sogar eine Mapping Party für Bonn würde ich in Zukunft sehr begrüßen.

Dschuwa: Ich wünsche mir eine noch aktivere Community in Bonn, ein Mappertreffen. Und dass die Bonner Karte bald Bug frei und vollständig ist.

Hugoe: Ich wünsche mir, dass die vielen erfassten Daten auch in Zukunft aktuell gehalten und weiter ergänzt werden. Wenn die Bonner Karte weiter so wächst, dann kann man in drei weiteren Jahren die optimale Kanuroute durch die Bonner Kanalisation planen.

Mike67: Es ist schon Wahnsinn wie sich die Bonner Karte in den letzten drei Jahren positiv verändert hat und dank der vielen ambitionierten Mapper immer genauer die Realität abbildet. Für die Zukunft der Bonner OSM-Karte wünsche ich mir, dass noch mehr Nutzer sich an diesem tollen Projekt beteiligen und so für eine noch detailliertere Karte sorgen. Mein Bestreben ist es zurzeit, dass alle offiziellen Bonner Straßen und Plätze in der Karte abgebildet werden. Dann fehlen natürlich noch viele Geschwindigkeitsangaben, Einbahnstraßenregeln, Zufahrts- und Zugangsbeschränkungen, etc. Es wäre auch schön wenn jedes Haus mit korrekter Adresse in der Zukunft dargestellt werden könnte. Es gibt als noch viel zu tun in Bonn. Ebenso würde ich mich freuen wenn noch viel mehr Behörden ihre Geo-Daten und aktuelle Luftbilder dem OSM-Projekt zur Verfügung stellen würden. Allen Bonner Mappern wünsche ich zum Geburtstag der Karte alles Gute für die Zukunft und macht weiter so. Wie schon gesagt, es gibt noch viel zu tun in Bonn und der Region.

Theo62: Ich wünsche mir, dass die Informationen für Fahrradfahrer in der OSM-Datenbank verbessert werden. Es gibt ein sehr interessantes Projekt für Berlin, bbbike, ein Routenplaner für Fahrradfahrer, wo Fahrradwege mit Kategorisierung der Geschwindigkeit, Ampeln, Straßenkategorien usw. dargestellt und für ein Fahrradrouting berücksichtigt werden. Man kann für bbbike zwar auch die Bonner OSM-Daten zu Grunde legen, die man mit osm2bbb in das bbbike eigene Format übersetzen kann, sieht dann aber, dass die Informationen zu Fahrradwegen und fürs Fahrradfahren nutzbare Straßen in Bonn nicht so detailiert sind wie in Berlin. Außerdem benutzen die berliner Mapper andere Tags für Fahrradwege als die bonner Mapper. Ich würde mir wünschen, dass die OSM-Daten für Bonn ähnlich detailliert wären wie die bbbike-Daten für Berlin.

Herzlichen Dank für eure Antworten! :-)

Falls Du gerne ebenfalls meine Frage beantworten möchtest, kannst Du das gerne tun: Kontaktiere mich einfach und sende mir Deine Antwort zu! Ich werde dann diesen Blogeintrag nachträglich ergänzen. Ich freue mich auch über Kommentare!

(aktualisiert am 11. Mai, 11:31 Uhr)

Mittwoch, 29. April 2009

Unterwegs zwischen Bonn und Köln: Ein Interview mit Mapper Cyclop

Wer für Openstreetmap (OSM) als Mapper zwischen Köln und Bonn aktiv ist, wird beim Bearbeiten der Karte desöfteren auf den Usernamen Cylcop gestoßen sein. Cyclop ist unheimlich aktiv, ist auf Platz 4 der in Nordrhein-Westfalen aktivsten Mapper mit über 59672 (!) zuletzt editierten Knoten und auf Platz 13 mit über 4870 zuletzt editierten Wegen (Stand vom 28.04.2009). Das sind beeindruckende Zahlen, die seinen Arbeitseinsatz und Begeisterung für OSM erahnen lassen.

Daher habe ich mich besonders gefreut, mit ihm ein Interview führen zu können.

Hallo Roland (alias Cyclop),
vielen Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erklärt hast! Wie und wann hast Du von Openstreetmap erfahren?

Ich glaube zum ersten mal 2006. Da habe ich es aber noch nicht richtig verstanden und nachdem ich kurz geschaut hatte und praktisch keine Inhalte in der Karte gefunden hatte, ist es wieder in Vergessenheit geraten. Im Frühsommer 2008 bin ich dann wieder aufmerksam geworden (ich glaube es gab einen Bericht im WDR oder ich habe es in einer GIS Zeitschrift gelesen) und habe erst dann das Potential von OSM für mich entdeckt.

Welche Elemente gab es damals schon in der OSM-Karte zwischen Bonn und Köln?
In meiner Heimatstadt Niederkassel waren schon fast alle Straßen vorhanden, weil Yahoo für diese Gegend hochauflösende Luftbilder eingestellt hatte und andere auch schon fleißig die Straßen eingemessen hatten. Die Landnutzung war aber noch sehr rudimentär und in der etwas weiteren Umgebung, vor allem östlich der A59 aber auch in den südlichen Kölner Stadtteilen gab es noch
etliche Lücken.

Was motiviert Dich? Und welche Arbeiten machen Dir bei OSM besonders Spaß?
Ich bin von Kind an begeisterter Kartograph, habe Geodäsie/Kartographie studiert und befasse mich beruflich mit Geo-Informationssystemen. Schon länger hatte ich nach Möglichkeiten gesucht, eigene Inhalte in Karten einzubrigen. Aber es war sehr schwer, für private Zwecke geeignete und kostenlose Geo-Datengrundlagen zu bekommen. Außerdem bin ich in der Freizeit viel mit dem Rennrad, Langlaufskiern oder Wanderschuhen unterwegs, und seit Sommer 2008 zeichne ich meine Strecken einfach auf und trage sie ein. Häufiger fahre ich mit dem Rad jetzt gezielt in Orte, die noch nicht kartiert sind oder ich mache einen Umweg, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, um noch ein paar fehlende Objekte "mitzunehmen". So kann ich meine Freizeitaktivitäten mit OSM verbinden.

Wieviel Zeit investierst Du durchschnittlich wöchentlich?
Manchmal gar keine, manchmal sicher 10 Stunden (die Aufzeichnung nicht mitgerechnet). Aber ehrlich, ich habe das nie nachgemessen. Die Zeit vor dem Rechner vergeht immer wie im Flug.

Wo siehst Du zur Zeit die größten Herausforderungen für OSM im Allgemeinen? Und was sind spannende oder drängende Aufgaben bei OSM, die in der Köln/Bonner Region angegangen werden sollten?
Die Qualität (insbes. Zuverlässigkeit) ist einerseits schon toll für ein Freiwilligenprojekt, kann aber mit kommerziellen Produkten an vielen Stellen noch nicht mithalten. Um OSM auch im professionellen Bereich einsetzen zu können, müsste man noch viel mehr Zeit in die Qualitätssicherung investieren. Es wird darauf ankommen, die Begeisterung bei den Mappern zu erhalten, auch wenn das Straßennetz an sich schon mehr oder weniger vollständig vorhanden ist. Bei vielen - scheint mir - lässt die Motivation nach, wenn es "nur" noch darum geht, die "Kleinigkeiten" und vor allem die Sachinformationen (Tags) zu bearbeiten. Da ist der Erfolg eben nicht so sichtbar, als wenn man einen echten weißen Fleck beseitigt.

Mit welcher Hardware bist Du unterwegs?
Ein Garmin Edge 305.

Welche Software oder Dienste benutzt Du am liebsten für das Bearbeiten von OSM-Daten?
Ich arbeite fast ausschließlich mit Potlatch, weil es der einzige Editor ist, den ich bisher ausprobiert habe, bei dem ich Objekte editieren kann, die auf ein größeres Gebiet verteilt sind. Z.B. bei JOSM ist man immer auf kleinen Gebiet beschränkt. Natürlich ist Potlatch recht langsam, aber immer noch schneller, als wenn ich ständig neue Gebiete einladen müsste.

OSM ist in manchen Aspekten mit der Wikipedia vergleichbar. Auch hier kann jedermann Daten korrigieren bzw. neu hinzufügen. Bei der Wikipedia sind Edit-Wars bekannt. Hast Du schon einmal einen Edit-War in Deinem OSM-Gebiet erlebt?
Nicht wirklich. Es kommt aber schon (sehr selten) vor, dass geänderte Objekte zurückgeändert oder erneut überarbeitet werden. Das habe ich auch selbst schon mal gemacht, wenn das Objekt einer Meinung nach verschlimmbessert wurde. Ein dauerndes hin und her habe ich aber noch nicht erlebt. Spätestens beim zweiten Rückändern nehme ich direkt Kontakt auf. Das war aber noch nie der Fall. Einmal hatte ich einen Austausch mit einem Mapper zu der Frage, ob man bei Landuse gleiche Grenzen verwenden soll/darf. Das war aber ein total sachliche Diskussion und jeder war an der besten Lösung interessiert. Von einem "War" kann keine Rede sein. Das liegt aber vermutlich daran, dass es bei OSM eben immer ein tatsächliche "Wahrheit" gibt, nämlich so wie es Vor Ort wirklich aussieht. Persönliche Meinungen wie bei Wikipedia Artikeln zu Politik oder anderen Gesellschaftsthemen gibt es nicht, höchstens eben unterschiedliche Meinungen, wie man ein und die selbe Situation technisch optimal erfassen sollte.

Hast Du schon einmal andere Mapper getroffen oder an einer Mapping-Party teilgenommen? Gibt es konkrete Projekte, für deren Umsetzung Du gerne mit anderen Mappern zusammenarbeiten möchtest?
Ja, ich war schon zwei mal beim OSM Stammtisch in Köln. Leider waren nur wenige andere Mapper dort. An einer Mapping Party habe ich noch nicht teilgenommen. Konkrete Projekte bezüglich Öffentlichkeitsarbeit könnte ich mir vorstellen, z.B. Fertigmeldungen wie bereits in anderen Städten praktiziert. Von der Stadt Niederkassel habe ich mir schon das Straßenverzeichnis besorgt (vielen Dank dafür an die Stadt Niederkassel, Fachbereich 8, Herr Florin) und es von Sven Anders in Hamburg berechnen lassen, siehe hier (vielen Dank für diese tollen Service an Sven). Da gibt es nun doch noch ein paar Defizite. Daran könnte man mit anderen Mappern zusammen arbeiten, auch für die anderen Städte der Umgebung.

(Anm. der Red.: Es gibt hier ein Interview mit Sven Anders in der ZEIT Online.)

Welche Tipps hast Du noch für OSM-Anfänger?
Traut Euch! Es gibt noch viel zu tun. Das Buch von Frederik Ramm und Jochen Topf bietet einen prima Einstieg. Es ist übrigens kürzlich in neuer Auflage erschienen.

Roland, vielen Dank für das Interview!
Gerne :-)

Freitag, 10. April 2009

Auf in den Süden

Es war Februar und noch ziemlich kalt, als ich mir den aktuellen Openstreetmap-Kartenausschnitt des Bonner Ortsteils Buschdorf ansah. Und da gab es so einige kleine Fehler, die mir auffielen und die ich bei Openstreetbugs eintrug. Damals sah der Fehlerreport so aus (rote Punkte markieren Fehler in der Karte):





Schon wenige Wochen danach haben sich ortskundige Openstreetmap-Enthusiasten daran gemacht, Fehler zu korrigieren und viele Fehler (Bugs) verschwanden von der Karte:



An dieser Stelle an alle Beteiligten: Klasse Arbeit!

Natürlich gibt es in Bonn noch viel zu tun - viele Fehler verstecken sich hartnäckig und sind beim flüchtigen Überblicken der Karte überhaupt nicht auffindbar. Nach dem kleinen Exkurs in den Bonner Norden möchte ich den Blick auf einen Ortsteil im Bonner Süden lenken, genauer: nach Bonn-Mehlem, das direkt an Rheinland-Pfalz grenzt. Hier gibt es noch eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten:



Vielleicht ist das für den einen oder anderen Mapper ja Anreiz, sich Mehlem bei einem Ausflug mit GPS-Empfänger einmal genauer anzusehen. :-)

Nachtrag: Openstreetbugs zeigt - so meine Erfahrung - viele Bugs erst an, wenn man in die maximal erreichbare Zoomstufe schaltet. Wie sind eure Erfahrungen diesbezüglich?

Freitag, 20. März 2009

Browsing the openstreetmap v2.0

Please note: I'm not a native speaker and my english skills are somewhat limited. If you speak german, please find the german version of this blog post here. Wenn Sie Deutsch verstehen, können Sie hier die deutsche Version des Blogeintrags aufrufen.

Openstreetmap (OSM) is growing and attracting more and more users contributing to the project (we are 100000 users now!). It's all about collecting and mapping geospatial data, which we submit to the database. But wait, to be honest: Without visualizing the data - without maps - openstreetmap is not much fun. For most new users the Slippy Map is the first map to see from openstreetmap. I believe, that many of us were motivated to become contributors because of this slippy map, because of the moments we wait our recently submitted information to pop up on Mapnik or Osmarender tiles. Although I love our slippy map, it just visualizes a tiny bit of information which is now available from our openstreetmap-database. So, when I first discovered the project Openstreetbrowser by users Skunk and Lesewesen, I was thrilled: It's fun to use the Openstreetbrowser. The map looks great and I feel, that the authors made every effort and did a lot of thinking on details to create the Openstreetbrowser.

But wait: The Openstreetbrowser project is still beta. Often it is slow and sometimes you can't access the server. Also: Data is still only available for Europe. My recommandation: Bookmark and visit after some days or weeks! And this is how it looks like (showing Bonn, Germany):



On the right you find some kind of slippy map, but with customized style, which I really love. Skunk used Cascadenik to create it, which is some kind of CSS technique for Mapnik. Buildings are colored differently according to their function. On the left there is a menu,



which lets you choose to visualize points of interests (POIs) of different categories (e.g. "attractions"). The menu also lists the POIs available for the map excerpt shown on the right. If you move your mouse cursor over the list entries (e.g. "Beethoven-Statue"), the corresponding element of the map is highlighted (black circle around the Beethoven-Statue on the upper right of the image). For buildings, highlighting is realized by drawing a black border:



Further examples: From pharmacies, post boxes, schools, fire stations to police stations - many many details can be visualized in Openstreetbrowser. But hey: Of course there are other projects aiming at visualizing POIs, e.g. this one or that one. But Openstreetbrowser is different because it incorporates many features which are spread across different local projects. For example: For each map excerpt you can generate a list of street names, which is - of course - also possible by using another web application:



In addition, Openstreetbrowser allows you to easily find a street on the map: It gets highlighted as soon you move your mouse cursor over the street name in the list (see image above: the selected "Mozartstreet" is colored black.)

My favorite feature is the visualization of public transportation relations, of bus routes and train routes with bus stops and train stations. This has been also made possible by the project ÖPNV-Karte since November 2008, which I really love, or by the project OSM Tube Map in London. But Openstreetbrowser adds other features:



Bus stops are coloured cyan, while single bus routes are coloured blue (vectors showing the direction of travel). Again, highlighting of different elements like routes or stops/stations is possible:



The love of details is remarkably: OSM-Data often contains bus stops and the information, whether the bus stop is located on the left or right side of the street. Both is correctly visualized as can be seen on the image above for the Bus 800 (bus stops "Mozartstraße" and "Herwarthstraße"). Besides, there is a zoom-button, which makes the map zoom to the selected object. Here an example, where I pressed the zoom-button having selected the bus stop "Mozartstraße":



Both bus stops (in both directions) are framed by a blue box; the selected bus stop is additionally highlighted by a black dot.

A preliminary conclusion

There is of course much to do and to improve. For example, I haven't found any visualization of house numbers, the search didn't work for me and there is no possibility to export maps. The latter is a function I use quite often on openstreetmap.org.

Nevertheless: Openstreetbrowser integrates many features which were previously spread across different projects. And it does it in a visually appealing way! If the project manages to become stable and fast, it will likely have a huge impact on the mappers community. It will lead to a boost of submitted POIs, because their visualization on maps is it, what motivates us mappers most.

Links

Openstreetbrowser: http://www.openstreetbrowser.org
Blog post by Skunk: Teaser for my OpenStreetMap-Project
Google Summer of Code 2009 Proposal: User-friendly Web Application to browse map content

Donnerstag, 19. März 2009

Eine neue Karte für Openstreetmap

Openstreetmap (OSM) ist ein unglaublich lebendiges Projekt mit seit kurzem über 100000 Usern, die zum Gelingen der ersten freien Weltkarte beitragen. Es geht um das Erfassen und Sammeln freier Geodaten. Aber, seien wir ehrlich: Ohne eine Karte - also ohne eine Visualisierung der Daten - macht Openstreetmap nur halb so viel Spaß. Und für die meisten neuen User ist die Slippy Map Karte der erste Kontakt mit Openstreetmap und Anstoß zum Einstieg in das Projekt. Doch diese Karte, die ich im Übrigen sehr schätze, visualisiert nur einen Bruchteil der in OSM nun zu Verfügung stehenden Daten. Als ich vor drei Tagen durch Zufall auf das Projekt Openstreetbrowser der User Skunk und Lesewesen traf, das deutlich mehr Informationen auf leichte Art und Weise zugänglich macht, war ich daher sofort elektrisiert: Es macht Spaß, den Openstreetbrowser zu nutzen! Die Karten sehen verdammt gut aus und man merkt, dass die Autoren mit viel Liebe zum Detail ans Werk gegangen sind.

Gleich vorweg: Das Openstreetbrowser-Projekt befindet sich noch im Beta-Stadium, ist manchmal langsam und ab und an gar nicht erreichbar. Die Daten sind bisher nur für Europa verfügbar. Meine Empfehlung daher: Projekt merken und in einigen Tagen oder Wochen einmal im Web besuchen gehen! Und so sieht der Openstreetbrowser aus (hier ein Beispiel für Bonn):



Rechts befindet sich die Slippy Map, allerdings mit einem eigenen, liebevoll gemachten Stylesheet, für das Skunk unter anderem Cascadenik benutzt hat, einer Art CSS Technik für Mapnik. Häuser (buildings) werden zum Beispiel farblich je nach ihrer Funktion anders dargestellt. Auf der linken Seite befindet sich ein Aufklappmenü,



in dem sich Points of Interests (kurz: POIs) verschiedener Kategorien anzeigen oder ausblenden lassen. Für den aktuellen Kartenausschnitt werden jeweils die vorhandenen POIs, in dem obigen Beispiel also "Attractions", aufgelistet. Wenn man den Mauszeiger in der Namensliste über die Einträge bewegt, so wird das jeweilige Kartenelement markiert: Im Beispiel oben habe ich die Maus über den Schriftzug "Beethoven-Statue" bewegt, und prompt wird das Symbol auf der Karte mit einem schwarzen Kreis umrandet (zu sehen am rechten oberen Rand der Abbildung). Handelt es sich um Haus, wird das entsprechende Gebäude mit einem schwarzen Rand versehen, wie zum Beispiel hier:



Weitere Beispiele: Von Apotheken, über Briefkästen, von Schulen über Feuerwachen und Polizeistationen lässt sich alles mögliche anzeigen. Machen wir uns aber nichts vor: Es gibt natürlich andere Projekte, die ebenfalls POIs visualisieren, wie zum Beispiel dieses oder dieses hier. Aber keines dieser Projekten bündelt die vielen Möglichkeiten so wie es der Openstreetbrowser macht. Für jeden aktuellen Kartenausschnitt läßt sich zum Beispiel eine Liste von Straßennamen erzeugen, was natürlich auch über ein separates Projekt schon möglich war:



Der Openstreetbrowser erlaubt aber zusätzlich noch ein leichtes Auffinden von Straßen, indem diese markiert werden, sobald man mit dem Mauszeiger über den entsprechenden Eintrag in der Straßenliste fährt (am obigen Beispiel an der schwarz markierten Mozartstraße zu sehen).

Mein persönliches Highlight ist aber das Anzeigen von Nahverkehrsverbindungen, also von Buslinien und Zügen samt Haltestellen. Natürlich war das Anzeigen solcher Relationen schon über das Projekt ÖPNV-Karte, das ich übrigens sehr schätze, möglich. Auch existierte bereits eine Karte der Tube-Stationen in London. Aber der Openstreetbrowser bündelt dies mit weiteren Funktionen:



Die Haltestellennamen sind hier in cyan gehalten, während die einzelnen Buslinien mit blauen Strichen (bzw. Pfeilen) und die Bahnlinien mit schwarzen Strichen visualisiert werden. Auch hier lassen sich wieder einzelne Linien markieren und die entsprechenden Haltestellen anzeigen:



Bemerkenswert finde ich hier wieder die Detailverliebtheit: Natürlich enthalten die OSM-Daten meist die Position der Haltestellen und auf welcher Straßenseite sie sich befinden. Beides wird, wie in obiger Abbildung am Beispiel der Buslinie 800 (schwarze Linie mit Punkten an den Haltestellen "Mozartstraße" und Herwarthstraße) zu sehen, korrekt dargestellt. Daneben gibt es noch den ZOOM-Button, der den Kartenausschnitt auf das aktuell selektierte Objekt springen lässt. Hier ein Beispiel, bei dem ich den Kartenausschnitt auf die Bushaltestelle "Mozartstraße" gezoomt habe:



Die Haltestellen in beide Richtungen werden durch einen blauen Kasten eingerahmt; die selektierte Haltestelle wird noch zusätzlich als schwarzer Punkt angezeigt.

Ein vorläufiges Fazit

Natürlich gibt es beim Openstreetbrowser noch unheimlich viele Baustellen. So habe ich bisher zum Beispiel nicht gesehen, dass irgendwelche Hausnummern angezeigt würden. Die Suche scheint noch ohne Funktion zu sein und ein Export der Karten wie auf openstreetmap.org ist bisher nicht möglich.

Dennoch: Der Openstreetbrowser integriert viele Funktionen anderer Visualisierungsprojekte und das auch noch auf eine optisch ansprechende Art und Weise! Wenn das Projekt es aus der Betaphase heraus schafft und schnell und stabil läuft, wird es sehr wahrscheinlich einen dramatischen Effekt auf das Einpflegen von POIs in die OSM-Datenbank haben. Denn die Darstellung der eingepflegten Daten ist doch das, was uns Mappern am Ende am meisten motiviert!

Links

Openstreetbrowser: http://www.openstreetbrowser.org
Blogeintrag von Skunk: Teaser for my OpenStreetMap-Project
Google Summer of Code 2009 Proposal: User-friendly Web Application to browse map content

Dienstag, 10. März 2009

Kurz notiert: Openstreetmap im Chaosradio

Die aktuelle Ausgabe des Chaosradio Express Podcasts beschäftigt sich mit Openstreetmap (OSM). Tim Pritlove vom Chaos Computer Club interviewt Frederik Ramm und Jochen Topf, die eingefleischten OSMlern nicht unbekannt sein dürften. Beide sind seit 2006 bei Openstreetmap dabei und haben vor rund einem Jahr ein erstes Buch über Openstreetmap veröffentlicht. Frederik Ramm ist zur Zeit der aktuelle Maintainer vom beliebten JOSM-Editor. Jochen Topf hat unter anderem den Maplint-Checker geschaffen, den OSM Inspector geschrieben und die deutschsprachige Webseite openstreetmap.de programmiert.

Eine informative und empfehlenswerte Sendung über viele technische Details aber auch über die Geschichte von Openstreetmap. Die Sendung wird übrigens hier diskutiert und kommentiert.

Sonntag, 8. März 2009

In Wesseling will man die Dinge nicht beim Namen nennen...

Schon wieder geht eine Woche zuende, und während ich hier gerade im Kartenmaterial von Openstreetmap (OSM) stöbere, fällt mir der "No-Names" Layer ins Auge. Rechts oben bei OSM findet ihr ein kleines blaues Kästchen mit einem Pluszeichen. Ein Klick darauf öffnet ein Auswahlmenü, in dem verschiedene Ansichten bzw. Ebenen (Layer) des OSM-Kartenmaterials ausgewählt werden können. Am bekanntesten sind der Mapnik-Layer und der Osmarender-Layer; beide sind Visualisierungen derselben OSM-Kartendaten, nur mit unterschiedlicher Software (Renderer) erstellt (nämlich Mapnik und Osmarender).

Der "No-Names" Layer zeigt in der OSM-Karte an, wo sich noch Wege befinden, die kein Name-Tag besitzen, also keinen Namen tragen. Diese werden mit orangen Linien eingerahmt. Und natürlich gibt es auch in Bonn noch die eine oder andere Straße, deren Namen nicht in den OSM-Daten vermerkt ist. Aber das wird von Wesseling, das zwischen Bonn und Köln liegt, locker getoppt:



Es gibt also einiges zu tun! An alle No-Name-Profis: Ab nach Wesseling! :-)

Donnerstag, 5. März 2009

Schwarz-Weiße Wirrungen im Meßdorfer Feld

Zwischen Endenich, Dransdorf und Meßdorf liegt das Meßdorfer Feld, eine Freifläche, die von vielen zum Radfahren, Hunde-Ausführen oder schlicht zum Spazieren genutzt wird. Das Feld wird durch einer Bahntrasse geteilt, über die zwei Brücken führen - Brücken, die der Volksmund "schwarze Brücke" und "weiße Brücke" nennt. Die schwarze Brücke, so lerne ich in einem Text von Heike Weidenhaupt, habe ihren Namen erhalten durch den Umstand, dass kurz vor ihr die sie durchquerende Bahntrasse eine Steigung macht. Die früheren Dampflokomotiven stießen hier besonders viel rußhaltigen Dampf aus, der die Brücke über die Jahre schwarz färbte. Die zweite, sich weiter südlich befindlichen Brücke, wurde dann zur Verbesserung der Unterscheidbarkeit einfach "weiße Brücke" genannt, obwohl sie gar nicht weiß war. Soweit, so gut. :-)

Ich hatte in einem früheren Beitrag euch gefragt, ob ihr noch auf weitere Copyright-Easter-Eggs in der Bonner Google Maps Karte gestoßen seid, also auf absichtlich in das Kartenmaterial eingebaute Fehler, die bei Copyright-Verletzungen dem Copyright-Inhaber den Nachweis bei juristischen Prozessen erleichtern sollen. Und in der Karte vom Meßdorfer Feld befindet sich ein solcher Fehler, wie mir Openstreetmap User Hugoe mitgeteilt hat.

Hier der Vergleich. Bei Openstreetmap sieht der Kartenausschnitt, der beide Brücken enthält, so aus:



Die Namen der Brücken haben sich in den umliegenden Wegen niedergeschlagen: "An der weißen Brücke", heißt es im Süden, während der Weg im Norden "An der schwarzen Brücke" heißt. Bei Google Maps ist es hingegen genau umgekehrt. Im Norden:


Größere Kartenansicht


Und im Süden:


Größere Kartenansicht


Ob es sich um einen intendierten Fehler handelt oder nicht: Der Fehler macht die Google Maps Karte an einer Stelle wieder einzigartig. Da lob ich mir doch Openstreetmap, wo selbst Details im Meßdorfer Feld stimmen. ;-)

PS: Danke an Hugoe für den Hinweis!