Dienstag, 26. Oktober 2010

Wie man Relationen bei Openstreetmap nutzt - ein Workshop

Punkte und Vektoren sind den meisten Mappern geläufig, wenn es um das Kartographieren von Straßen, Häusern oder auch Points-of-Interest (wie z.B. Geschäften, Telefonzellen, Briefkästen, etc.) geht. Relationen stellen das dritte Element des Openstreetmap-Datenmodells dar und ermöglichen das Abbilden komplexer Zusammenhänge. Das macht sie für viele Aufgaben unentbehrlich und gleichzeitig auch anspruchsvoller zu erlernen.

Mit einem Workshop will die Openstreetmap-Gruppe Bonn allen Mappern, die sich für Relationen interessieren, den Einstieg in dieses spannende Thema vereinfachen. Der Workshop ist kostenlos und wird zu verschiedenen Terminen angeboten:

  • Königswinter, 1.11.2010 (Feiertag)
  • Bonn, 12.11.2010 (Abends)
  • Troisdorf, 18.11.2010 (Abends)
Informationen zu Anmeldung und Programm gibt es hier.

Dienstag, 22. Juni 2010

Der Post-Box Guesstimator: Wo fehlen Briefkästen bei Openstreetmap?

Die Qualität von Openstreetmap-Daten wird immer besser und erreicht in manchen Ballungsräumen ein geradezu atemberaubendes Niveau. Dazu trägt nicht nur ein seit Jahren anhaltendes rasantes Userwachstum bei sondern auch eine Vielzahl neuer und neuartiger Werkzeuge, die dem User beim Kartographieren helfen. Eine Herausforderung stellt das Auffinden von Lücken in den Daten dar - gerade in gut erfaßten Ballungsgebieten und wenn keine entsprechenden Datenspenden zur Verfügung stehen. Hier können spielerische Ansätze weiterhelfen, und einen solchen möchte ich bei der Suche nach Briefkästen vorstellen. Letztere werden zwar seit Jahren bei Openstreetmap erfasst, aber dennoch fehlen selbst in gut kartographierten Gebieten immer noch vereinzelt Briefkästen. Daneben wurden Briefkastenpositionen bisher nicht von der Deutschen Post gespendet.

Der Gesetzgeber hilft.

Bei der Suche kommt Hilfe von unerwarteter Seite: In §2 Absatz 2 der Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) schreibt der Gesetzgeber vor:

"Briefkästen müssen so ausreichend vorhanden sein, dass die Kunden in zusammenhängend bebauten Wohngebieten in der Regel nicht mehr als 1.000 Meter zurückzulegen haben, um zu einem Briefkasten zu gelangen."

Das können wir uns zu Nutze machen: Um jeden Briefkasten, der bisher bei Openstreetmap eingetragen ist, zeichnen wir einen Kreis mit Radius 1000 Meter. Wohngebiete, die nicht innerhalb eines solchen Kreises liegen, werden wohl von einem Briefkasten "bedient", der noch nicht bei Openstreetmap eingetragen ist. Dort kann man dann gezielt nach dem Briefkasten suchen und diesen für OSM erfassen.

Natürlich liefert dieser Ansatz nur einen Hinweis auf Gebiete, wo noch Briefkästen in den OSM-Daten fehlen. Strenggenommen wird z.B. das Gebiet, das ein Briefkasten "versorgt", kleiner sein als ein Kreis mit 1000 Meter Radius, da die Bürgerinnen und Bürger selten in Luftlinie von ihrer Wohnungstür zu ihrem Briefkasten gelangen können. Eigentlich müssten wir also eine Erreichbarkeitsanalyse in der Metrik der Straßen und Wege durchführen, doch gute Hinweise liefert schon der zwar etwas zu großzügige aber deutlich einfachere Ansatz mit den Kreisen. Letzterer lässt sich auch sehr einfach mit wenig Programmierarbeit umsetzen und kann im Prinzip von jedem mit seinem eigenen Privat-PC genutzt werden. Für diejenigen, die es nicht erwarten können, gibt es am Ende diese Beitrags die Dateien zum Download. :-)

Fehlende Briefkästen - Beispiel Bonn.

In Bonn und Umgebung zählt die OSM-Datenbank (Stand: 21 Juni 2010) 199 Objekte, die Briefkästen und Postämtern entsprechen. Wir gehen davon aus, dass Postämter öffentlich zugängliche Briefkästen besitzen. Daneben sind 9 Objekte eingetragen, die das Tag "vending=parcel_pickup;parcel_mail_in" tragen, welches typischerweise für Packstationen verwendet wird. In der unteren Abbildung sind die Versorgungsgebiete (Kreise mit Radius 1000 Meter) von Briefkästen und Postämter in orange und die von Packstationen in gelb dargestellt. Wer Lust hat, kann sich auch selbst auf dieser Webseite (nicht für Internet Explorer geeignet) für Bonn einen Überblick verschaffen. Auf den ersten Blick lässt sich sehr gut erkennen, dass die meisten Wohngebiete gut mit Briefkästen versorgt sind. Manche, aber nicht alle Lücken in den Kreisüberdeckungen im Bonner Stadtgebiet beruhen auf der Tatsache, dass es Waldgebiete innerhalb der Stadtgrenzen gibt (z.B. den Kottenforst), die natürlich nicht mit Briefkästen versorgt werden müssen.



Interessanter Weise sind auch in bebauten Wohngebieten deutliche Lücken erkennbar: Im Bonner Nordosten, in Geislar, Villich-Mülldorf, Neu-Villich, im Bonner Südosten in Ramersdorf und Oberkassel werden noch Briefkästen existieren, die bisher nicht bei Openstreetmap erfaßt worden sind.



Lücken tun sich aber auch auf in Röttgen, Ückesdorf und sogar im ansonsten sehr gut kartographierten Tannenbusch.





Das Packstation-Dilemma.

Während das Tagging-Schema für Briefkästen bei Openstreetmap gut etabliert ist, sieht die Situation bei Packstationen anders aus. Manche Packstationstypen (sog. 24/7 Stationen) weisen Briefkästen auf, manche jedoch nicht, und bisher existiert noch kein einheitliches Tagging-Schema, mit dem wir diese Typen unterscheiden könnten. Insbesondere tragen die entsprechenden Knoten, die Packstationen mit Briefkästen repräsentieren sollen, typischerweise kein post_box Tag. Wir behelfen uns hier, indem wir alle Packstationen des Gebiets, das uns interessiert, visualisieren (gelbe Kreise), und müssen dann bei der Suche nach noch nicht erfaßten Briefkästen im Einzelfall prüfen, ob die Packstation auch einen Briefkasten besitzt oder nicht.

Fehlende Briefkästen finden: Der "Post-Box Guesstimator".

Die hier vorgeschlagene Visualisierung lässt sich im Prinzip auf verschiedene Arten und Weisen realisieren. Eine elegante Lösung würde sicherlich den Aufbau und Betrieb einer Serverinfrastruktur und entsprechender OSM-Datenbank beinhalten, mithilfe derer eine Webseite realisiert werden kann, die zentral für ganz Deutschland alle in OSM vorhandenen Briefkästen mit Kreisen visualisiert. Leider verfüge ich weder über Zeit noch Resourcen, um so ein Projekt zu anzuschieben, aber vielleicht gibt es ja andere engagierte User? :-)

Stattdessen möchte ich hier einen sehr einfachen Weg vorstellen, mit dem jeder interessierte User, der die Skriptsprache Python installiert hat, sich selbst diese Visualisierung für sein Gebiet erzeugen kann. Die Grundidee: Über ein Python-Skript werden vom User die aktuell in OSM vorhandenen Briefkästenpositionen einer Region herunterladen und gespeichert. Die Visualisierung erfolgt dann über eine HTML-Datei, die sich lokal auf dem Rechner des Users befindet und dort im Webbrowser aufgerufen werden kann. Das war's schon. Die "Software", die ich auf den nicht ganz ernstzunehmenden Namen "Post-Box Guesstimator" getauft habe, kann hier (Download) heruntergeladen werden. Nach dem Entpacken befindet sich im Hauptverzeichnis neben dem eigentlichen Skript die Datei LIESMICH, die eine Kurzanleitung enthält. Eine Anmerkung: Die Visualisierung funktioniert bisher nicht mit dem Internet Explorer. Firefox und Opera habe ich erfolgreich getestet. Ein Online-Beispiel für Bonn gibt es hier.

Support

Ich werde leider keinen Support leisten können. Da ich wenig Erfahrung in Javascript-Programmierung habe, können noch Fehler im Code vorhanden sein. Insbesondere funktioniert die Visualisierung im Internet Explorer bisher nicht. Verbesserungen des Source-Codes sind daher herzlich willkommen (hier kannst Du mit mir Kontakt aufnehmen)! Daneben freue ich mich auch darüber, wenn User sich vom Code zu eigenen Lösungen anregen lassen, oder wenn engagierte User eine weiter oben vorgeschlagene Lösung in Form einer zentralen Webseite realisieren.

Updates

An dieser Stelle möchte ich über Hinweise oder Anmerkungen berichten, die mich nach dem Verfassen dieses Beitrags erreichen.

Update 1: Da nicht alle den Link im Text gefunden haben: Hier gibt es ein Online Beispiel für den Post-Box Guesstimator für Bonn.

Update 2: Peter Körner hat inzwischen den Code adaptiert und auf der Mailingliste talk-de von der weltweiten Online-Version des Post-Box Guesstimator berichtet. Vielen Dank! :-) Einfach aufrufen, Ausschnitt wählen, auf Permalink klicken und das Laden der Daten abwarten.

Sonntag, 6. Juni 2010

Mappingparty, Samstag 26. Juni 2010, Troisdorf (nähe Köln/Bonn)

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Eine Mappingparty, also das gemeinsame Kartographieren für Openstreetmap, ist eine geniale Möglichkeit, um eigene Kenntnisse zu erweitern und um mit anderen begeisterten Openstreetmap-Usern in Kontakt zu kommen. Der Spaß an der gemeinsamen Sache steht dabei im Vordergrund. Die Veranstaltung richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene.

Wir werden in kleinen Gruppen die Gegend rund um Troisdorf kartographieren. Zu diesem Zweck werden vor Ort GPS-Empfänger verliehen und deren Bedienung erklärt. Es wird sowohl Gruppen für Fahrradfahrer als auch Fußgänger geben. Nach der Datenerfassung werden die Daten gemeinsam in die Openstreetmap-Datenbank eingepflegt.

Die Mappingparty wird organisiert von der Troisdorfer Linux User Gruppe (TroLug) sowie von der Bonner Openstreetmap Gruppe (Stammtisch Bonn).

Weitere Informationen gibt es hier:
http://wiki.openstreetmap.org/wiki/Troisdorf/Veranstaltungen

Sonntag, 23. Mai 2010

Einladung zum Openstreetmap-Kurzvortragsabend, Troisdorf, 3.6.2010

Rund um aktuelle Openstreetmap-Themen wird es beim Kurzvortragsabend am 3.06.2010 gehen, der in Troisdorf (zwischen Köln und Bonn) stattfinden wird. Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene und neue Openstreetmap-User, und soll nicht nur in kurzen prägnanten Vorträgen über aktuelle Themen informieren sondern auch dem gegenseitigen Austausch dienen. Wir freuen uns, neben anderen Vortragenden auch einen Mitarbeiter des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) begrüßen zu dürfen, der über die Pläne einer Datenspende seines Arbeitgebers berichten wird.
Die Veranstaltung ist kostenlos - eine vorherige Anmeldung ist erforderlich (siehe unten).

10 Minuten - ein Fachmann - ein Thema.

Wer noch Lust hat, einem OSM-begeisterten Publikum seine/ihre Ideen vorzustellen, sei hiermit herzlich dazu eingeladen. Die Vorträge werden jeweils ca. 10-15 Minuten dauern. Wir bitten, die Vorträge im Vorfeld beim Veranstalter anzumelden.

Wann und Wo.

03. Juni 2010 (Fronleichnahm), Beginn: 19 Uhr

Arbeiterwohlfahrt (AWO) Troisdorf-Mitte
Wilhelm-Hamacher-Platz 12
53840 Troisdorf
Karte: http://osm.org/go/0GISOY7me--?m

Anmeldung

Ob Vortragender oder Zuhörer - eine Anmeldung zur Veranstaltung ist erforderlich, da die Räumlichkeiten begrenzt sind. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine kleine Spende wird zur Deckung von Unkosten (wie z.B. für zur Verfügung gestellter Getränke, etc.) gerne gesehen. Der Vortragsabend wird organisiert von der Troisdorfer Linux User Gruppe (TroLug) und unterstützt durch den Bonner Openstreetmap-Stammtisch.

Um sich anzumelden, unter http://trolug.de/ in der Spalte "Anmeldung" beim Termin "2010-06-03" auf "Anmeldung hier!" klicken. Die Anmeldeprozedur wurde ursprünglich für Linuxthemenabende entwickelt. Es sollte sich also keiner durch die Fragen nach einer möglichen Linux-Nutzung von einer Anmeldung abschrecken lassen.

Kontakt:

TroLUG Club der AWO Troisdorf-Mitte (Veranstalter)
Jonas Stein, news (at) jonasstein.de

mit freundlicher Unterstützung des OSM Stammtisches Bonn

Sonntag, 10. Januar 2010

Mapping Party in Troisdorf

Mapping-Parties, also das gemeinsame Kartographieren für Openstreetmap, machen nicht nur Spaß und ermöglichen den Kontakt zu neuen Leuten sondern bieten auch immer wieder die Möglichkeit, sein Wissen über Openstreetmap zu vertiefen.

Eine solche Mapping-Party wird am Samstag, den 23.01.2010, in Troisdorf stattfinden. Veranstalter ist die Troisdorfer Linux User Group (TroLUG). Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenlos; eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.

Mehr Informationen finden sich im Openstreetmap-Wiki bzw. der Webseite der TroLUG.

Freitag, 1. Januar 2010

Vortrag in Troisdorf über Openstreetmap

Wer noch neu bei Openstreetmap ist, für den ist die am kommenden Donnerstag, den 07.01.2010 (19 Uhr), stattfindende Veranstaltung in Troisdorf interessant. Dort wird in einem Abendvortrag Openstreetmap und seine vielfältigen, oft unerwarteten Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. In der zweiten Hälfte des Abends haben die Teilnehmer die Möglichkeit, das Editieren von Openstreetmap-Daten mit dem Editor JOSM zu lernen.

Veranstalter ist die Troisdorfer Linux User Group (TroLUG). Der Eintritt ist frei; eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.

Mehr Informationen finden sich im Openstreetmap-Wiki bzw. der Webseite der TroLUG.

Montag, 7. Dezember 2009

Wie das Bonner Busnetz in die Openstreetmap-Karte kam - Ein Interview mit einem engagierten Mapper

Einer der Stärken von Openstreetmap (OSM), der durch abertausende von Freiwilligen vorangetriebenen freien Weltkarte, ist die Möglichkeit, verschiedenste raumgebundene Information zu erfassen und darzustellen. Dadurch können auch Karten entstehen, die angepaßt an spezielle Anforderungen ganz bestimmte Informationen visualisieren. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist die öpnvkarte von Melchior Moos. Auf seiner Karte werden kurz und prägnant Bus- und Bahnverbindungen und die dazu gehörenden Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) dargestellt. Einen so einfachen und klaren Überblick über die vorhandenen Verbindungen bietet kaum ein Nahverkehrsunternehmen im Internet sondern höchstens auf einer Papierkarte an. Ganz zu schweigen von anderen Internetkartenanbietern, die beispielsweise keine Busverbindungen darstellen.

Alle Linien der Stadtwerke Bonn sind jetzt vollständig kartographiert



Doch am Anfang stehen engagierte Menschen, die die zu visualisierenden Daten, also die Bus- und Bahnlinien und die Haltestellen erfassen und in das vorhandene OSM-Kartenmaterial einpflegen. Peter (alias Fidoez) ist so ein Mensch. In den vergangen Monaten hat er, hier und dort aufbauend auf vereinzelt vorhandenen Daten, fast im Alleingang das gesamte Busnetz der Stadtwerke Bonn (SWB) erfasst und in die OSM-Datenbank eingepflegt. Seit ein paar Tagen sind die Daten für die Linien der Stadtwerke Bonn vollständig erfasst worden und das Resultat beeindruckt! Ein guter Anlass, um Peter über seine Motivation und seine Arbeit bei Openstreetmap zu befragen!

Peter, vielen Dank, dass Du Dich zu diesem Interview bereit erklärt hast! Du bist seit fast einem Jahr bei Openstreetmap aktiv. Wie bist Du auf OSM aufmerksam geworden?

Seit zwei Jahren setze ich mich immer in den Weihnachtsferien ans Internet und suche völlig wahllos nach Themen, die mich interessieren und in die man sich hinein vertiefen kann – und zwar richtig vertiefen. Dieses Thema nimmt dann in gewollter Weise einiges meiner freien Zeit in Anspruch. Letztes Jahr (2008) war es das Puzzle Eternity II, das – wenn überhaupt – nur mit massiver Computer-Rechenleistung zu lösen ist. Ich habe es bis Jahresende nicht gelöst, aber auch kein anderer Mensch auf der Welt. Dieses Jahr war es dann OSM.

Welche Arbeiten an der Karte machen Dir besonders Spaß?


Ich liebe schon immer Karten und Wege in Kombination mit dem Aufenthalt und der Bewegung im Freien. Bei mancher Wanderung durch die Alpen oder auch in der Bonner Gegend denke ich mir, wer diesen Weg wohl entdeckt oder vor geraumer Zeit geschaffen hat. Wie es wohl wäre, selber welche zu entdecken? Ich verlasse mich beim Wandern gerne auf Karten und staune immer wieder über ihre Genauigkeit. Als ich vor Jahren im Oberbergischen gewohnt habe, zeichnete ich mir von einem Waldgebiet, in dem keine Wege in käuflichen Karten eingezeichnet waren, selber eine Karte, um besser zu verstehen, wo welcher Weg hinführt. Diese Dinge kann ich jetzt in OSM für mich und natürlich für alle anderen Nutzer nun umsetzen. Die Faszination besteht für mich darin, dass ein eingegebener Weg oder Ort oder ein neues Waldstück wenige Stunden danach der ganzen Welt auf der OSM-Karte zur Verfügung steht.

Du hast Dich in den letzten Monaten intensiv mit den Bonner Buslinien beschäftigt und diese in weiten Teilen alleine in die Bonner OSM-Karte eingetragen. Wie kam es zu diesem Interesse?


Anfang des Jahres habe ich im Bonner Kottenforst noch einige neue Wege eintragen können. Doch bald gab es in Fahrradnähe von meiner Wohnung keine weißen Flecken mehr auf der OSM-Karte. Dann begegnete mir die ÖPNV-Karte, die noch sehr unvollständig war. So eine umfassende Karte gibt es meines Wissen nirgends. Jeder Verkehrsverbund hat zwar seine Netzkarte, doch übergreifend und mit allen Zoomstufen ist dieses Angebot von OSM einzigartig. So kann jeder Nutzer selbst beurteilen, welche Bus- oder Straßenbahnlinien zu seiner Reise am besten passt, und kann es als Zusatzoption zu ÖPNV-Routenplanern wie bahn.de oder vrs-info.de gezielt nutzen. Da musste ich einfach mitmachen und die Datenbasis verbessern.

Wie hast Du die Buslinienverläufe und Haltestellen erfasst?

Ideal wäre es natürlich gewesen, in jedem Bus mitzufahren, um so den Streckenverlauf zu erfassen. Das war mir aber zu zeitaufwändig und bot mir zu wenig körperliche Betätigung. So bin ich die Verläufe mit dem Fahrrad abgefahren. An vielen Strecken war mir klar, wo der Bus entlangfährt, und ich habe dann nur an Stellen, die verzwickte Verläufe oder getrennte Wege für Hin- und Rückrichtung aufweisen, auf einen Bus gewartet, um den wahren Verlauf aufzuzeichnen. Störend waren dabei öfters Baustellen, wo dann eine Umleitung für die Busse eingerichtet war. Diese Stellen bin ich dann später nochmals angefahren, wenn die Baustelle wieder verschwunden war. Die Haltestellen jedoch habe ich fast alle an-/abgefahren, um ihre genaue Lage links und rechts der Strecke zu erfassen. Bei 500 Haltestellen habe ich aufgehört zu zählen.

Mit welcher Software hast Du die Daten in die Openstreetmap-Karte eingetragen? Würdest Du Dir hier Verbesserungen wünschen?


Ich arbeite mit der Software JOSM, die mittlerweile ein gute Unterstützung für die Erstellung von sogenannten Routen also Buslinien aber auch Wanderwegen oder Fahrradrouten bietet. Anfang des Jahres war die Unterstützung durch JOSM noch wenig ausgeprägt und ich habe selber ein Script programmiert, das mir unabhängig von JOSM hilft, die Bus-Strecke zu erstellen, ohne Lücken im Verlauf zu haben oder versehentlich Haltestellen hinzuzufügen, die Hunderte von Metern neben der Strecke liegen.

Du hast beim Eintragen der Daten auch mit sogenannten Relationen gearbeitet. Vor Relationen schrecken noch viele Openstreetmap-Aktive zurück. Welche Tipps kannst Du denjenigen geben, für die Relationen noch neu sind, aber die ebenfalls Bus- oder Bahnlinien in ihrer Stadt erfassen und eintragen wollen?

Man kann Strecken des ÖPNV in OSM nicht ohne Relationen erstellen. Das heißt man braucht mehr oder weniger gute Kenntnisse zu Relationen. Dabei werden Relationen immer dann genutzt, wenn bestehenden Karten-Eigenschaften - also Knoten und Wegstücke - in Beziehung zueinander gesetzt werden müssen. Daher ja auch der Name. Dies gilt z.B. für Abbiegeregeln an Kreuzungen, Zuordnung von Hausnummern zu Straßen oder Zuordnung von Grenzen zu Ortsteilen und eben auch für Routen. Dabei sind leider die Relationen für Buslinien die kompliziertesten. Am besten fängt man mit Abbiegeregeln an – sie heißen in OSM restriction –, schaut sich das Prinzip von bestehenden Abbiegeregeln an und erstellt seine ersten Relation. Auch hierbei gibt es eine gute Unterstützung durch JOSM. Dann liest man ein wenig auf der OSM-Wiki-Seite zu Routen-Relationen und schaut auch hier wieder auf bestehende Exemplare. Wenn man dann selber eine neue Relation erstellen will, nimmt man sich eine bestehende, kopiert diese, löscht alle Elemente in der Kopie und passt die wesentlichen Eigenschaften an seine neue Buslinie an. Dann ergänzt man neue Elemente und fertig ist die neue Linie. Es muss ja nicht als erstes so etwas heftiges sein wie die Bonner Buslinie 630, die 173 Wegstücke und 142 Haltestellen enthält.


Die Bonner Openstreetmap-Karte wächst und gedeiht. Die Buslinien der Stadtwerke Bonn sind vollständig erfasst. Welche Informationen fehlen Dir momentan in der Bonner Karte? Woran möchtest Du demnächst arbeiten? Wo würdest Du Dir Unterstützung wünschen?


Die Bonner Karte ist nahezu perfekt. Es fehlen hier und da noch Points-Of-Interest, aber auch die werden stetig mehr. Dies steht im krassen Gegensatz zu ländlichen Gebieten z.B. dem Oberbergischen. Dort habe ich 7 Jahre gewohnt und kenne mich in ein paar Gegenden ganz gut aus. Manchmal sind bei OSM in den Orten nur die Durchgangsstraßen verzeichnet. Kleinere Ortsnamen fehlen vielfach. Und die sind wichtig, denn ich weiß noch, als ich dort hinzog, hieß es immer wieder, der wohnt in Bieshausen oder der in Schneppenhurt usw. Schon bald kaufte ich mir eine Wanderkarte, damit ich überhaupt einordnen konnte, wo diese Dörfchen alle lagen. Vielleicht könnte man ja mal eine Aktion starten, und zu mehreren in so eine Gemeinde fahren, um dort einen Mapping-Tag durchzuführen. Sobald das Wetter wieder wärmer wird und man es ein paar Stunden auf dem Fahrrad aushalten kann, werde ich wieder unterwegs sein und in weiter entfernten Gebieten den Bussen hinterherfahren, denn ich glaube nicht, dass ich mir - wie die letzten Jahre - diese Weihnachtsferien wieder ein neues Internethobby suche, denn OSM wird mich doch länger als ein Jahr fesseln.

Zum Schluss: Welche Tipps würdest Du neuen Openstreetmap-Usern geben?

Jeder Anfang ist schwer und das Angebot an OSM-Einstiegsseiten im Internet ist überwältigend und verwirrend. Am besten man wendet sich an jemanden, der schon bei OSM mitmacht oder geht zu einem Stammtisch. Denn die Unterhaltung von Mensch zu Mensch ist doch immer besser als die von Mensch zu Maschine.

Peter, vielen Dank für das Interview!