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Sonntag, 6. Juni 2010

Mappingparty, Samstag 26. Juni 2010, Troisdorf (nähe Köln/Bonn)

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Eine Mappingparty, also das gemeinsame Kartographieren für Openstreetmap, ist eine geniale Möglichkeit, um eigene Kenntnisse zu erweitern und um mit anderen begeisterten Openstreetmap-Usern in Kontakt zu kommen. Der Spaß an der gemeinsamen Sache steht dabei im Vordergrund. Die Veranstaltung richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene.

Wir werden in kleinen Gruppen die Gegend rund um Troisdorf kartographieren. Zu diesem Zweck werden vor Ort GPS-Empfänger verliehen und deren Bedienung erklärt. Es wird sowohl Gruppen für Fahrradfahrer als auch Fußgänger geben. Nach der Datenerfassung werden die Daten gemeinsam in die Openstreetmap-Datenbank eingepflegt.

Die Mappingparty wird organisiert von der Troisdorfer Linux User Gruppe (TroLug) sowie von der Bonner Openstreetmap Gruppe (Stammtisch Bonn).

Weitere Informationen gibt es hier:
http://wiki.openstreetmap.org/wiki/Troisdorf/Veranstaltungen

Sonntag, 23. Mai 2010

Einladung zum Openstreetmap-Kurzvortragsabend, Troisdorf, 3.6.2010

Rund um aktuelle Openstreetmap-Themen wird es beim Kurzvortragsabend am 3.06.2010 gehen, der in Troisdorf (zwischen Köln und Bonn) stattfinden wird. Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene und neue Openstreetmap-User, und soll nicht nur in kurzen prägnanten Vorträgen über aktuelle Themen informieren sondern auch dem gegenseitigen Austausch dienen. Wir freuen uns, neben anderen Vortragenden auch einen Mitarbeiter des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) begrüßen zu dürfen, der über die Pläne einer Datenspende seines Arbeitgebers berichten wird.
Die Veranstaltung ist kostenlos - eine vorherige Anmeldung ist erforderlich (siehe unten).

10 Minuten - ein Fachmann - ein Thema.

Wer noch Lust hat, einem OSM-begeisterten Publikum seine/ihre Ideen vorzustellen, sei hiermit herzlich dazu eingeladen. Die Vorträge werden jeweils ca. 10-15 Minuten dauern. Wir bitten, die Vorträge im Vorfeld beim Veranstalter anzumelden.

Wann und Wo.

03. Juni 2010 (Fronleichnahm), Beginn: 19 Uhr

Arbeiterwohlfahrt (AWO) Troisdorf-Mitte
Wilhelm-Hamacher-Platz 12
53840 Troisdorf
Karte: http://osm.org/go/0GISOY7me--?m

Anmeldung

Ob Vortragender oder Zuhörer - eine Anmeldung zur Veranstaltung ist erforderlich, da die Räumlichkeiten begrenzt sind. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine kleine Spende wird zur Deckung von Unkosten (wie z.B. für zur Verfügung gestellter Getränke, etc.) gerne gesehen. Der Vortragsabend wird organisiert von der Troisdorfer Linux User Gruppe (TroLug) und unterstützt durch den Bonner Openstreetmap-Stammtisch.

Um sich anzumelden, unter http://trolug.de/ in der Spalte "Anmeldung" beim Termin "2010-06-03" auf "Anmeldung hier!" klicken. Die Anmeldeprozedur wurde ursprünglich für Linuxthemenabende entwickelt. Es sollte sich also keiner durch die Fragen nach einer möglichen Linux-Nutzung von einer Anmeldung abschrecken lassen.

Kontakt:

TroLUG Club der AWO Troisdorf-Mitte (Veranstalter)
Jonas Stein, news (at) jonasstein.de

mit freundlicher Unterstützung des OSM Stammtisches Bonn

Freitag, 21. August 2009

Bonner Mappertreffen am Montag, den 24.08.2009

Am Montag, den 24.08.2009, findet wieder ein Treffen für alle Openstreetmap-Interessierte in der Köln/Bonner Region statt. Das ist eine tolle Gelegenheit, sich in einer lockeren Runde kennenzulernen und über Openstreetmap zu sprechen und fachzusimpeln. Von Neueinsteigern bis zu "Alten Hasen" - alle sind willkommen! Ich würde mich freuen, viele von euch dort zu sehen! Bisher kennt man häufig die Usernamen und ahnt hier und da ähnliche oder auch verschiedene Interessen bei der Datenerfassung.

Wir treffen uns am Montag um 20:00 Uhr in der Bonner Altstadt, je nach Wetterlage im Außengastronomie-Bereich des NYX (bei Sonne, siehe Karte) oder im nur wenige Meter entfernt liegenden Macholds (bei Regen, siehe Karte). Das entscheidet sich am Montag (Wettervorhersage). Wir werden ein Openstreetmap-Logo auf den Tisch legen, um neuen Usern zu signalisieren, wo wir sitzen.

Die wichtigste Seite mit allen Informationen zum Treffen findet ihr hier. Meine Empfehlung: Dort nochmal am Montag vorbeisehen, um die letzten Informationen zu bekommen.

Ich freue mich, viele von euch dort zu sehen! :-)

Update (24.08.2009): Das Treffen wird im Außengastronomie-Bereich des NYX stattfinden.

Freitag, 7. August 2009

Google Streetview Wettbewerber unterstützt Openstreetmap

Mappen für Openstreetmap (OSM) kann sehr einfach sein: Gegend erkunden, Daten erfassen und diese später in die Openstreetmap-Datenbank aufnehmen. Doch was tun, wenn die eigenen Aufzeichnungen unvollständig sind? Wenn sich Fragen an Weggabelungen ergeben? Wenn man vergessen hat, den Namen der einzutragenden Apotheke oder des Restaurants aufzuschreiben? Wer hat sich in solchen Situationen nicht schon mal gewünscht, seine Tour mit Kamera aufgezeichnet oder wenigstens ein paar Fotos von den fraglichen Stellen geschossen zu haben? Dabei liegen solche Informationen häufig nur einen Klick entfernt: Bei Google Streetview lassen sich Fotos ganzer Straßenzüge bequem einsehen. Wem hat es da nicht schon einmal in den Fingern gejuckt, Daten von Streetview für OSM abzuleiten?

Streetview Daten für OSM zu verwenden ist nicht legal

Die Lizenzen verbieten das, und so war die Datenerfassung durch virtuelle Spaziergänge lange Zeit unmöglich. Mit dem Dienst _sightwalk der Kölner Panogate GmbH gibt es jetzt allerdings einen Mitbewerber, der anders denkt. _sightwalk stellt - ganz ähnlich wie Google Streetview - Fotostrecken von Straßenzügen ganzer Städte online. Die Bedienung ist Google Streetview sehr ähnlich. Im Gegensatz zu Google generiert _sightwalk seine Übersichtskarten aus Openstreetmap-Daten - und warum sollte man hier nicht der OSM-Community etwas "zurückgeben"?

Ableiten von Daten für OSM von _sightwalk erlaubt

Jochen Topf von der Geofabrik fragte nach und erhielt ein deutliches Ja. In dem entsprechenden Schreiben von Panogate heißt es:

"Die panogate GmbH möchte das Projekt openstreetmap.de unterstützen. [...] Die erstellten Fotos unterliegen dem Copyright der panogate GmbH. Die panogate GmbH wird jedoch keine Rechte auf die für die Verbesserung des OSM Kartenmaterials aus den Bildern gewonnenen Daten geltend machen."

Damit ist der Weg für das Ableiten von Daten frei. Panogates _sightwalk ist noch ein junger Dienst, wurde er doch erst im April 2009 gestartet. Bisher werden die Städte Köln, München und Düsseldorf abdeckt. In den folgenden Wochen sollen Hamburg, Berlin und Bonn folgen. Da mit der Aufnahme des Bildmaterials im Mai 2008 begonnen wurde, ist es recht aktuell.

Explodiert die Anzahl neu eingepflegter POIs?

Neben vielen Einsatzmöglichkeiten drängt sich eine besonders auf: Interessante Orte (Points of Interest, kurz POIs) könnten bequem aus dem Bildmaterial abgeleitet oder überprüft werden. Auf der _sightwalk betreffenden OSM-Wikiseite wird um eine Kenntlichmachung solcher Ableitungen durch das zusätzliche Tag "source=sightwalk.de" gebeten. Ein kurzer Blick in die OSM-Datenbank (Stand vom 6.08.2009) zeigt, dass in Nordrhein-Westfalen bisher keine Objekte mit diesem Tag existieren, in Bayern sind es immerhin schon 9. Vermutlich ist das Angebot noch zu neu und unter Mappern noch nicht bekannt genug.

Fazit: Nutzt die neuen Möglichkeiten! :-)

PS: Niemand ist fehlerfrei. Wenn Dir Fehler in diesem Text auffallen, freue mich über einen Hinweis. Und ich freue mich über Kommentare und Anregungen! :-)

Montag, 1. Juni 2009

Ein Bericht von der OSM-Tagung in Bonn

Wie funktioniert die Openstreetmaps-Community? Was hat Openstreetmap Googles MapMaker entgegenzusetzen? Welche Denke hindert öffentliche Verwaltungen daran, Geodaten zur Verfügung zu stellen und was lässt sich aus der erfolgreichen Kooperation mit dem Landesbetrieb Straßenbau NRW lernen? In welchem Stadium befindet sich die Zusammenarbeit mit der deutschen Wikipedia, und was haben Openstreetmapper davon?

Diese Themen und vieles mehr wurden auf der Tagung "OSM im Rheinland" in Bonn am vergangenen Dienstag (26.05.09.) angesprochen, zu der überraschend auch der Openstreetmap-Gründer Steve Coast angereist war. Es entwickelte sich eine sehr spannende und auch politische Veranstaltung, die durch die Mischung der Redner und Teilnehmer eine ganz eigene Dynamik bekam. Doch der Reihe nach.

Profis versus Hobbyisten?

Eingeladen hatten Jens Fitzke, Geschäftsführer der Firma lat/lon, sowie Alexander Zipf, Professor am geographischen Institut der Universität Bonn, in das Forschungszentrum Caesar, das in der Nähe des ehemaligen Bonner Regierungsviertels liegt. Beide hatten und haben Kontakt zu Openstreetmap, unter anderem über die Betreuung von Praktikanten und Magistervorhaben (darunter so bekannte Projekte wie der openrouteservice.org). Eines der Ziele der Veranstaltung war es, professionelle GIS (Geographic Information Systems)-Anwender und Openstreetmap-Aktive zusammenzubringen. Damit prallten auch verschiedene Denkschulen aufeinander.

Der erste Redner war Jochen Topf, auf dessen Vortrag ich mich besonders gefreut hatte. Jochen ist kein Unbekannter im Openstreetmap-Universum, wie die meisten wissen werden. Unter anderem hat Jochen die Website openstreetmap.de geschrieben, hat den Checker MapLint und den OSM-Inspector programmiert und zusammen mit Frederik Ramm das Openstreetmap-Buch verfasst, das - nebenbei bemerkt - inzwischen in einer überarbeiteten Auflage vorliegt.

Openstreetmap soll nicht Katasterämter überflüssig machen

Jochen erklärte in groben Zügen Grundlagen des Openstreetmap-Projekts und erwähnte viele von den inzwischen realisierten OSM-Anwendungen. Die GIS-Profis schreckten vor allem bei dem Gedanken auf, dass prinzipiell jeder Daten einpflegen kann und damit auch die Kartenqualität von Region zu Region schwankt. Der Graswurzelansatz und Wiki-Gedanke der OSM-Community (kurz: Die Qualität der Daten nimmt zu, je mehr Menschen sich dafür interessieren und mitarbeiten.) prallte hier auf das Bedürfnis der GIS-Leute, die Daten von "Oben" zu strukturieren, zu klassifizieren und ihre Qualität zu kontrollieren. Das war einer der gravierendsten Gegensätze zur Openstreetmap-Philosophie Rough Consensus and Running Code, den Jochen mit "Grober Konsens und funktionierende Beispiele" übersetzte. Immerhin hat dieser pragmatische Ansatz Openstreetmap weit gebracht, bei dem lokal Probleme gelöst werden und sich in einem fortlaufenden Prozess taugliche Klassifikationsschemata herausbilden.

Die Bemühungen um eine Qualitätskontrolle spiegeln sich in verschiedenen Projekten der OSM-Community wider, wie Jochen betonte. Eine Qualitätskontrolle bedingt aber einen Vergleich mit irgendeiner Art von Goldstandard. Doch welche Karte könnte überhaupt als Goldstandard herhalten, wenn man die vielfältigen Einsatzbereiche der Openstreetmap-Kartendaten betrachtet? Und welche Karte kann von sich beanspruchen, tagesaktuell zu sein? Daneben spielt auch die Zielanwendung eine Rolle: Openstreetmap-Daten, die auf GPS-Spuren basieren, eignen sich kaum für Aufgaben, bei der es um räumliche Auflösungsgenauigkeiten von wenigen Zentimetern geht.

Openstreetmap ist keine Demokratie

Eine bewusste Provokation war Jochens These, dass Openstreetmap nicht demokratisch sei. In der sich anschließenden Diskussion konkretisierte er diesen Standpunkt. So nähmen nur wenige Mapper Teil an Abstimmungen über neue vorgeschlagene Map-Features. Unter anderem ließen sich die niedrigen Teilnehmerzahlen an bestimmten Abstimmungen auch darauf zurückführen, dass sich für sehr spezielle Features nur wenige eingearbeitete User interessierten.

Daneben forderten manche Einflussmöglichkeiten einen hohen technischen Sachverstand, eine Tatsache, die zu einer hohen Verantwortung für eben diese User führe, da sie für die Community Entscheidungen träfen. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang unter anderem einzelne aktiven User, die sich z.B. in privaten Projekten mit der Visualisierung des Openstreetmap-Kartenmaterials beschäftigen und entscheiden, welche Features sie visualisieren wollen. Gerade die Visualisierung fördert und steuert auch in einem gewissen Rahmen die Aufmerksamkeit von Mappern bezüglich bestimmter Map-Features, und dies wird Auswirkungen auf die eingepflegten Daten haben.

Sag nie "Nein". Sag "Ja", und füge etwas hinzu.

Einfluss auf das sich selbst organisierende Geschehen ließe sich daher nicht mit erhobenem Zeigefinger und Forderungen nach Löschungen oder dem Rückgängigmachen bestimmter Aktionen ("Nein"-Sagen) nehmen, sondern durch das aktive Bejahen von bisher Geleistetem und dem darauf aufbauenden Hinzufügen von weiterer Arbeit.

Und um das "Hinzufügen" ging es dann in den folgenden Vorträgen von den Geographiestudenten Damian Paderta, der als Mapper zwischen Bassenheim, Urmitz, Kettig und Weißenthurm unterwegs war ("Wir taggen nicht für Renderer. Wir taggen für die Wirklichkeit."), von Pascal Neis, der seine Magisterarbeit, den Openrouteservice vorstellte, sowie von Astrid Müller, die sich zur Zeit in Bonn mit dem OSM-basierten Routing von Rollstuhlfahrern beschäftigt.

Pascal sprach über Routing, Point-of-Interest (POI)-Suche und Geocoding auf OSM-Basis. Die Fahranweisungen des Openrouteservice sollen zukünftig verbessert werden, z.B. durch Berücksichtigung von lokalen POIs ("nach der Sparkasse rechts abbiegen"). Bisher werden noch keine turn-restrictions beim Routing unterstützt, eine Sache, die man demnächst gerne angehen würde. Astrid sprach über wichtige Parameter und Tags, die für ein erfolgreiches Rollstuhlfahrerrouting benötigt werden und von den bisher verwendeten Tags entweder nicht erfasst oder für bisheriges Routing nicht gebraucht wurden. So spielen der Belag, das Gefälle sowie Wegbreiten und Bordsteinhöhen eine wichtige Rolle. Erstere bezögen sich in den meisten OSM-Daten vor allem auf Straßen, würden aber für das Rollstuhlfahrerrouting auch für Bürgersteige benötigt. Zusammen mit weiteren Studenten hat sie die OSM-Karte der Bonner Innenstadt mit solchen Informationen angereichert und konnte schon ein Beispiel für ein entsprechendes Routing vorstellen.

Openstreetmap 3D

Dass sich Openstreetmap-Daten auch in 3D visualisieren lassen, wird immer wieder diskutiert. Alexander Zipf zeigte in seinem Vortrag eine Live-Präsentation von OSM-3D. Als Grundlage wurden OSM-Daten mit den Daten der NASA Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) verschnitten. Die Visualisierung geschieht später durch eine entsprechende Java-Applikation im Browser (einen Rechner mit entsprechend leistungsfähiger Graphikkarte vorausgesetzt) und wird nicht serverseitig realisiert, wie das bei den 2D-Karten bisher der Fall ist. Die Live-Präsentation kam beim Publikum gut an - durch eine 3D Umgebung von selbst eingepflegten Daten zu schweben machte Spaß. In diesem Zusammenhang erwähnte Prof. Zipf, dass zusätzliche Informationen über Gebäudehöhen und Stockwerkanzahl die Darstellung von Gebäuden in 3D erheblich vereinfachen würden, und dass solche Informationen häufig noch in der OSM-Datenbank fehlen.

Natürlich gab es auch Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens: Neben potentiellen Einsatzmöglichkeiten im Stadtmarketing und Tourismus, in der Stadtplanung oder bei 3D-Autonavigationssystemen (3D Routeservice) ging es - soweit ich das richtig verstanden habe - langfristig um die Schaffung offener netzbasierter 3D GIS Standards. In diesem Zusammenhang kann Openstreetmap als Testfall gesehen werden kann, für den große Datenmengen zur Verfügung stehen, und an dem die prinzipielle Realisierungsmöglichkeit entsprechender Standards demonstriert werden kann.

Wikimedia Toolserver offen für Openstreetmap-User

Schon seit längerem gibt es Berichte, dass in naher Zukunft Kartenmaterial von Openstreetmap in Artikel der deutschen Wikipedia eingebettet werden sollen können. Raimond Spekking, einer der Entwickler von Mediawiki (also der Software, unter dem unter anderem die Wikipedia läuft) berichtete in seinem Vortrag von den Herausforderungen, die sich hieraus für die Wikipedia und Openstreetmap ergeben. Die Last von in der Spitze über 75000 Zugriffe pro Sekunde, die bei Wikipedia weltweit anfallen, werde man nicht auf die Openstreetmap-Server leiten, sondern werden durch die vom Wikimedia Deutschland e.V. eigens angeschaften Server bedient. Zwei der drei angeschafften Server werden als Produktionsserver zur Zeit für Caching und Rendering der Openstreetmap-Daten eingerichtet. Der dritte Server wird als Toolserver auch Anwendern von Openstreetmap als Plattform für die Entwicklung innovativer OSM-basierter Applikationen zur Verfügung stehen. Ich vermute, dass die Einbettung von OSM-Karten in der Wikipedia viele Menschen auf Openstreetmap aufmerksam machen wird, die OSM bisher nicht kannten - eine Win-Win Situation für Wikipedia und Openstreetmap. Und vielleicht kann der Eine oder die Andere für eine Mitarbeit bei Openstreetmap gewonnen werden...

Straßen.NRW bekam Rückmeldungen aus der OSM-Community

Stefan Wick, vom Landesbetrieb Straßenbau NRW (kurz: Straßen.NRW), berichtete über die Zusammenarbeit seines Hauses mit der Openstreetmap-Community. Daten über 20.000 km Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen wurden in diesem Zusammenhang Openstreetmap seit Dezember 2008 zur Verfügung gestellt. Dabei profitierten beide Seiten von der Zusammenarbeit, wie betont wurde: Straßen.NRW erhielt nämlich auch Rückmeldungen von der OSM-Community über mögliche Fehler in den importierten Daten, die zur Zeit vom Landesbetrieb geprüft werden.

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion im Plenum wurde die fortschrittliche Einstellung von Straßen.NRW gelobt. Diese sei bei vielen anderen Stellen leider noch nicht selbstverständlich. So herrsche - berichteten Tagungsteilnehmer - die Einstellung vor, dass selbst mit öffentlichen Mitteln finanzierten und erhobenen Geodaten nicht der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung gestellt sondern zu Phantasiepreisen auf Anfrage angeboten würden. Dahinter stecke wohl, so vermutete einer der Teilnehmer, nicht nur Besitzstandsdenken sondern auch die Hoffnung, ohne Anreicherung der Daten große Gewinne erzielen zu können; letzteres habe sich aber in den letzten Jahren nicht bestätigt. Es bleibt zu hoffen, dass das Beispiel Straßen.NRW Schule macht und vielleicht Hemmschwellen bei anderen Stellen abzubauen hilft.

Steve Coast über Google Maps und Openstreetmap

Er war der Überraschungsgast des Tages, Steve Coast, Gründer von Openstreetmap und Vorsitzender der OSM Stiftung. Der zur Zeit in San Francisco lebende Engländer verfolgte interessiert die Tagung, die er sich in Auszügen von einer Kollegin auf englisch übersetzen ließ. Und er erklärte sich spontan bereit, ein Abschlußstatement am Ende der Tagung zu geben. Er erzählte in einem unterhaltsamen Vortrag über die Anfänge von Openstreetmap und darüber, dass die Idee, keine festen Tags vorzugeben, von den meisten anfänglich abgelehnt und für verrückt erklärt worden sein. Der Ansatz, die Dinge so einfach wie möglich zu realisieren und einfach Code ans Laufen zu bringen, hat zu einer explosionsartigen Entwicklung der Mitarbeiterzahl und zu ganz unerwarteten Anwendungen geführt.

Angesprochen darauf, ob nicht Googles Map Maker Projekt, bei dem User Geodaten sammeln und eintragen können, eine massive Konkurrenz zu Openstreetmap darstellen würde, meinte Steve sinngemäß: Während Openstreetmap eine Community besitzt, hat Google eine Gruppe von Kunden (set of costumers). Das sei einer der wichtigsten Unterschiede neben den lizenzrechtlichen Aspekten. Im ersten Fall arbeiten Menschen ehrenamtlich, um freies Kartenmaterial zu schaffen und zu verbessern. Im zweiten Fall arbeiten Menschen unentgeltlich einer Firma zu, die die Rechte an dieser Arbeit dann besitzt und damit wiederum Geld verdient.

Zum Schluß lud Steve noch zur diesjährigen State of the Map Konferenz (SoTM) ein, die vom 10. bis 12 Juli in Amsterdam stattfinden wird, und für die schon sehr viele qualitativ hochwertige Tagungsbeiträge eingereicht worden seien.

Vielleicht sehen wir uns ja auf der SoTM 2009? :-)

PS: Wenn Dir Fehler in diesem Text auffallen, freue mich über einen Hinweis. Ich werde sie dann nach Prüfung korrigieren.

Mittwoch, 29. April 2009

Unterwegs zwischen Bonn und Köln: Ein Interview mit Mapper Cyclop

Wer für Openstreetmap (OSM) als Mapper zwischen Köln und Bonn aktiv ist, wird beim Bearbeiten der Karte desöfteren auf den Usernamen Cylcop gestoßen sein. Cyclop ist unheimlich aktiv, ist auf Platz 4 der in Nordrhein-Westfalen aktivsten Mapper mit über 59672 (!) zuletzt editierten Knoten und auf Platz 13 mit über 4870 zuletzt editierten Wegen (Stand vom 28.04.2009). Das sind beeindruckende Zahlen, die seinen Arbeitseinsatz und Begeisterung für OSM erahnen lassen.

Daher habe ich mich besonders gefreut, mit ihm ein Interview führen zu können.

Hallo Roland (alias Cyclop),
vielen Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erklärt hast! Wie und wann hast Du von Openstreetmap erfahren?

Ich glaube zum ersten mal 2006. Da habe ich es aber noch nicht richtig verstanden und nachdem ich kurz geschaut hatte und praktisch keine Inhalte in der Karte gefunden hatte, ist es wieder in Vergessenheit geraten. Im Frühsommer 2008 bin ich dann wieder aufmerksam geworden (ich glaube es gab einen Bericht im WDR oder ich habe es in einer GIS Zeitschrift gelesen) und habe erst dann das Potential von OSM für mich entdeckt.

Welche Elemente gab es damals schon in der OSM-Karte zwischen Bonn und Köln?
In meiner Heimatstadt Niederkassel waren schon fast alle Straßen vorhanden, weil Yahoo für diese Gegend hochauflösende Luftbilder eingestellt hatte und andere auch schon fleißig die Straßen eingemessen hatten. Die Landnutzung war aber noch sehr rudimentär und in der etwas weiteren Umgebung, vor allem östlich der A59 aber auch in den südlichen Kölner Stadtteilen gab es noch
etliche Lücken.

Was motiviert Dich? Und welche Arbeiten machen Dir bei OSM besonders Spaß?
Ich bin von Kind an begeisterter Kartograph, habe Geodäsie/Kartographie studiert und befasse mich beruflich mit Geo-Informationssystemen. Schon länger hatte ich nach Möglichkeiten gesucht, eigene Inhalte in Karten einzubrigen. Aber es war sehr schwer, für private Zwecke geeignete und kostenlose Geo-Datengrundlagen zu bekommen. Außerdem bin ich in der Freizeit viel mit dem Rennrad, Langlaufskiern oder Wanderschuhen unterwegs, und seit Sommer 2008 zeichne ich meine Strecken einfach auf und trage sie ein. Häufiger fahre ich mit dem Rad jetzt gezielt in Orte, die noch nicht kartiert sind oder ich mache einen Umweg, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, um noch ein paar fehlende Objekte "mitzunehmen". So kann ich meine Freizeitaktivitäten mit OSM verbinden.

Wieviel Zeit investierst Du durchschnittlich wöchentlich?
Manchmal gar keine, manchmal sicher 10 Stunden (die Aufzeichnung nicht mitgerechnet). Aber ehrlich, ich habe das nie nachgemessen. Die Zeit vor dem Rechner vergeht immer wie im Flug.

Wo siehst Du zur Zeit die größten Herausforderungen für OSM im Allgemeinen? Und was sind spannende oder drängende Aufgaben bei OSM, die in der Köln/Bonner Region angegangen werden sollten?
Die Qualität (insbes. Zuverlässigkeit) ist einerseits schon toll für ein Freiwilligenprojekt, kann aber mit kommerziellen Produkten an vielen Stellen noch nicht mithalten. Um OSM auch im professionellen Bereich einsetzen zu können, müsste man noch viel mehr Zeit in die Qualitätssicherung investieren. Es wird darauf ankommen, die Begeisterung bei den Mappern zu erhalten, auch wenn das Straßennetz an sich schon mehr oder weniger vollständig vorhanden ist. Bei vielen - scheint mir - lässt die Motivation nach, wenn es "nur" noch darum geht, die "Kleinigkeiten" und vor allem die Sachinformationen (Tags) zu bearbeiten. Da ist der Erfolg eben nicht so sichtbar, als wenn man einen echten weißen Fleck beseitigt.

Mit welcher Hardware bist Du unterwegs?
Ein Garmin Edge 305.

Welche Software oder Dienste benutzt Du am liebsten für das Bearbeiten von OSM-Daten?
Ich arbeite fast ausschließlich mit Potlatch, weil es der einzige Editor ist, den ich bisher ausprobiert habe, bei dem ich Objekte editieren kann, die auf ein größeres Gebiet verteilt sind. Z.B. bei JOSM ist man immer auf kleinen Gebiet beschränkt. Natürlich ist Potlatch recht langsam, aber immer noch schneller, als wenn ich ständig neue Gebiete einladen müsste.

OSM ist in manchen Aspekten mit der Wikipedia vergleichbar. Auch hier kann jedermann Daten korrigieren bzw. neu hinzufügen. Bei der Wikipedia sind Edit-Wars bekannt. Hast Du schon einmal einen Edit-War in Deinem OSM-Gebiet erlebt?
Nicht wirklich. Es kommt aber schon (sehr selten) vor, dass geänderte Objekte zurückgeändert oder erneut überarbeitet werden. Das habe ich auch selbst schon mal gemacht, wenn das Objekt einer Meinung nach verschlimmbessert wurde. Ein dauerndes hin und her habe ich aber noch nicht erlebt. Spätestens beim zweiten Rückändern nehme ich direkt Kontakt auf. Das war aber noch nie der Fall. Einmal hatte ich einen Austausch mit einem Mapper zu der Frage, ob man bei Landuse gleiche Grenzen verwenden soll/darf. Das war aber ein total sachliche Diskussion und jeder war an der besten Lösung interessiert. Von einem "War" kann keine Rede sein. Das liegt aber vermutlich daran, dass es bei OSM eben immer ein tatsächliche "Wahrheit" gibt, nämlich so wie es Vor Ort wirklich aussieht. Persönliche Meinungen wie bei Wikipedia Artikeln zu Politik oder anderen Gesellschaftsthemen gibt es nicht, höchstens eben unterschiedliche Meinungen, wie man ein und die selbe Situation technisch optimal erfassen sollte.

Hast Du schon einmal andere Mapper getroffen oder an einer Mapping-Party teilgenommen? Gibt es konkrete Projekte, für deren Umsetzung Du gerne mit anderen Mappern zusammenarbeiten möchtest?
Ja, ich war schon zwei mal beim OSM Stammtisch in Köln. Leider waren nur wenige andere Mapper dort. An einer Mapping Party habe ich noch nicht teilgenommen. Konkrete Projekte bezüglich Öffentlichkeitsarbeit könnte ich mir vorstellen, z.B. Fertigmeldungen wie bereits in anderen Städten praktiziert. Von der Stadt Niederkassel habe ich mir schon das Straßenverzeichnis besorgt (vielen Dank dafür an die Stadt Niederkassel, Fachbereich 8, Herr Florin) und es von Sven Anders in Hamburg berechnen lassen, siehe hier (vielen Dank für diese tollen Service an Sven). Da gibt es nun doch noch ein paar Defizite. Daran könnte man mit anderen Mappern zusammen arbeiten, auch für die anderen Städte der Umgebung.

(Anm. der Red.: Es gibt hier ein Interview mit Sven Anders in der ZEIT Online.)

Welche Tipps hast Du noch für OSM-Anfänger?
Traut Euch! Es gibt noch viel zu tun. Das Buch von Frederik Ramm und Jochen Topf bietet einen prima Einstieg. Es ist übrigens kürzlich in neuer Auflage erschienen.

Roland, vielen Dank für das Interview!
Gerne :-)

Donnerstag, 26. Februar 2009

Erster! Wie man unkartographierte Orte findet.

Manchmal ist man das Suchen von Bugs und das Verbessern von bestehendem Kartenmaterial in openstreetmap (OSM) leid. Dann möchte man mit dem GPS Gerät los und Orte kartographieren, die es bisher nicht im Datenbestand gab, eine Ersterfassung durchführen und sich daran freuen können, wenn später der neu angelegte Ort durch andere User mit Details angereichert und stetig verbessert wird. Aber ist OSM in Deutschland eigentlich nicht ziemlich komplett? Gibt es in der Nähe von Bonn noch un- oder schlecht kartographierte Orte?

Ja, es gibt sie! Und der OSM-User Gary68 hat sich vor einer Weile daran gemacht, ein Tool zu entwickeln, mit dem solche Orte aufgespürt werden können. Unmapped Places zeigt über zwei verschiedene Icons an, ob ein Ort bei Openstreetmap wenig oder bisher gar nicht erfasst wurde. Und so sieht die Situation zur Zeit (alle hier gezeigten oder zitierten Daten wurden am 21.02.09 erhoben) zwischen Bonn und Köln aus (gelbe Symbole: wenig erfasste Orte, rote Symbole: unkartographierte Orte):



Wir sehen, dass Bonn und Köln jeweils gut erfasst worden sind. Daneben sind auch die Orte nördlich und nordwestlich von Bonn gut kartographiert worden. Das verwundert mich nicht, da neben lokal aktiven Mappern auch Bonner Mapper in den letzten Monaten in dieser Region sehr aktiv waren. Erst vor Köln tauchen die ersten Kandidaten für eine Ersterfassung auf. Benzelrath, Berrenrath, Kendenich, Fischenich, Meschenich und Immendorf - sie bilden einen Gürtel bisher wenig erfasster Orte südlich von Köln und nördlich von Brühl/Wesseling. Da gibt es Material für die eine oder andere Mapping-Party. :-)

Der Vollständigkeit halber sei auch erwähnt, dass sich auch östlich von Bonn (vor allem zwischen Oberpleis und Hennef, sowie östlich von Hennef), oder südlich von Meckenheim oder Rheinbach entsprechende Orte zum Mappen finden lassen.

Doch wie funktioniert Garys Algorithmus zur Detektion wenig/schlecht gemappter Orte? Es handelt sich im Wesentlichen um ein Schwellwertverfahren. Jeder Ort wird in Openstreetmap durch einen Node repräsentiert, der ein place Tag sowie weitere Tags mit entsprechenden Informationen über diesen Ort (Ortsname, Anzahl Einwohner, Ausdehnung,...) trägt. Bonns Place-Node (in der Abbildung unten in orange dargestellt) befindet sich, skurrilerweise, mitten im Kaufhof:



Ausgehend von diesem Place-Node definiert der Algorithmus eine Region, indem Informationen aus den Tags des Place-Nodes ausgewertet werden, oder, sofern die Tags diese Informationen nicht hergeben, indem ein Kreis mit einem vom Typ des Ortes (city, suburb, town, village) abhängigen Radius (4km, 0.5km, 1km, 0.5km) definiert wird. Diese Kreise sehen für Bonn und seine Stadtteile so aus:



Okay, bei dieser Abbildung verliert man leicht den Überblick - das liegt auch an den zusätzlich eingeblendeten statistischen Informationen. Erkennbar ist allerdings der große Kreis mit einem Radius von 4km, der große Teile von Bonn umfasst und der zur Datenauswertung herangezogen wird. (Erkennbar ist auch, dass zum Beispiel Bad Godesberg, Röttgen oder Ückesdorf nicht durch den Kreis abgedeckt wird. Ich finde allerdings, dass der Kreis für eine erste Schätzung der Ausdehnung Bonns sehr gute Dienste tut.)

Der Algorithmus zählt nun die Nodes innerhalb des so definierten Region und vergleicht die Node-Anzahl mit zwei vorgegebenen Schwellwerten. Dabei gelten Orte (city, suburb, town, village) als wenig erfasst, wenn die so ermittelte Node-Anzahl unter einem Schwellwert liegt (4800, 60, 400, 60) oder als gar nicht erfasst (2400, 30, 200, 30).

Der Algorithmus liefert auch einige andere interessante Statistiken. So besitzt Bonn in seinem 4km Radius 25683 Nodes und 1977 Wohnstraßen (residentials), die insgesamt eine Gesamtlänge von 333 km haben. Von diesen Wohnstraßen besitzen 417 keinen Namen. Daneben hat Bonn in diesem Kreis 738 Gebäude (buildings) sowie 665 Einrichtungen (amenities). Kaum glauben kann ich, dass tatsächlich nur 1 (!) Node sowie 4 Wege ein FIXME Tag tragen. Das ist erstaunlich wenig!

Es ist klar, dass es außerordentlich schwierig ist, über Schwellwertverfahren eine 100%ige Trennung zwischen "gut", "weniger gut" und "schlecht" kartographierten Orten zu erreichen. Dazu ist der Kriterienkatalog zu komplex. Und bestimmt werden sich auch Beispiele finden lassen, wo der Algorithmus versagt. Aber: Ich bin beeindruckt von den Ergebnissen, die sich mit den eingesetzten Heuristiken erzielen lassen! Und ich bin beeindruckt von dem Zeit- und Arbeitseinsatz von Gary68. Unmapped Places wird seinen Platz unter den produktiv einsetzbaren OSM-Tools finden.