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Dienstag, 26. Oktober 2010

Wie man Relationen bei Openstreetmap nutzt - ein Workshop

Punkte und Vektoren sind den meisten Mappern geläufig, wenn es um das Kartographieren von Straßen, Häusern oder auch Points-of-Interest (wie z.B. Geschäften, Telefonzellen, Briefkästen, etc.) geht. Relationen stellen das dritte Element des Openstreetmap-Datenmodells dar und ermöglichen das Abbilden komplexer Zusammenhänge. Das macht sie für viele Aufgaben unentbehrlich und gleichzeitig auch anspruchsvoller zu erlernen.

Mit einem Workshop will die Openstreetmap-Gruppe Bonn allen Mappern, die sich für Relationen interessieren, den Einstieg in dieses spannende Thema vereinfachen. Der Workshop ist kostenlos und wird zu verschiedenen Terminen angeboten:

  • Königswinter, 1.11.2010 (Feiertag)
  • Bonn, 12.11.2010 (Abends)
  • Troisdorf, 18.11.2010 (Abends)
Informationen zu Anmeldung und Programm gibt es hier.

Dienstag, 22. Juni 2010

Der Post-Box Guesstimator: Wo fehlen Briefkästen bei Openstreetmap?

Die Qualität von Openstreetmap-Daten wird immer besser und erreicht in manchen Ballungsräumen ein geradezu atemberaubendes Niveau. Dazu trägt nicht nur ein seit Jahren anhaltendes rasantes Userwachstum bei sondern auch eine Vielzahl neuer und neuartiger Werkzeuge, die dem User beim Kartographieren helfen. Eine Herausforderung stellt das Auffinden von Lücken in den Daten dar - gerade in gut erfaßten Ballungsgebieten und wenn keine entsprechenden Datenspenden zur Verfügung stehen. Hier können spielerische Ansätze weiterhelfen, und einen solchen möchte ich bei der Suche nach Briefkästen vorstellen. Letztere werden zwar seit Jahren bei Openstreetmap erfasst, aber dennoch fehlen selbst in gut kartographierten Gebieten immer noch vereinzelt Briefkästen. Daneben wurden Briefkastenpositionen bisher nicht von der Deutschen Post gespendet.

Der Gesetzgeber hilft.

Bei der Suche kommt Hilfe von unerwarteter Seite: In §2 Absatz 2 der Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) schreibt der Gesetzgeber vor:

"Briefkästen müssen so ausreichend vorhanden sein, dass die Kunden in zusammenhängend bebauten Wohngebieten in der Regel nicht mehr als 1.000 Meter zurückzulegen haben, um zu einem Briefkasten zu gelangen."

Das können wir uns zu Nutze machen: Um jeden Briefkasten, der bisher bei Openstreetmap eingetragen ist, zeichnen wir einen Kreis mit Radius 1000 Meter. Wohngebiete, die nicht innerhalb eines solchen Kreises liegen, werden wohl von einem Briefkasten "bedient", der noch nicht bei Openstreetmap eingetragen ist. Dort kann man dann gezielt nach dem Briefkasten suchen und diesen für OSM erfassen.

Natürlich liefert dieser Ansatz nur einen Hinweis auf Gebiete, wo noch Briefkästen in den OSM-Daten fehlen. Strenggenommen wird z.B. das Gebiet, das ein Briefkasten "versorgt", kleiner sein als ein Kreis mit 1000 Meter Radius, da die Bürgerinnen und Bürger selten in Luftlinie von ihrer Wohnungstür zu ihrem Briefkasten gelangen können. Eigentlich müssten wir also eine Erreichbarkeitsanalyse in der Metrik der Straßen und Wege durchführen, doch gute Hinweise liefert schon der zwar etwas zu großzügige aber deutlich einfachere Ansatz mit den Kreisen. Letzterer lässt sich auch sehr einfach mit wenig Programmierarbeit umsetzen und kann im Prinzip von jedem mit seinem eigenen Privat-PC genutzt werden. Für diejenigen, die es nicht erwarten können, gibt es am Ende diese Beitrags die Dateien zum Download. :-)

Fehlende Briefkästen - Beispiel Bonn.

In Bonn und Umgebung zählt die OSM-Datenbank (Stand: 21 Juni 2010) 199 Objekte, die Briefkästen und Postämtern entsprechen. Wir gehen davon aus, dass Postämter öffentlich zugängliche Briefkästen besitzen. Daneben sind 9 Objekte eingetragen, die das Tag "vending=parcel_pickup;parcel_mail_in" tragen, welches typischerweise für Packstationen verwendet wird. In der unteren Abbildung sind die Versorgungsgebiete (Kreise mit Radius 1000 Meter) von Briefkästen und Postämter in orange und die von Packstationen in gelb dargestellt. Wer Lust hat, kann sich auch selbst auf dieser Webseite (nicht für Internet Explorer geeignet) für Bonn einen Überblick verschaffen. Auf den ersten Blick lässt sich sehr gut erkennen, dass die meisten Wohngebiete gut mit Briefkästen versorgt sind. Manche, aber nicht alle Lücken in den Kreisüberdeckungen im Bonner Stadtgebiet beruhen auf der Tatsache, dass es Waldgebiete innerhalb der Stadtgrenzen gibt (z.B. den Kottenforst), die natürlich nicht mit Briefkästen versorgt werden müssen.



Interessanter Weise sind auch in bebauten Wohngebieten deutliche Lücken erkennbar: Im Bonner Nordosten, in Geislar, Villich-Mülldorf, Neu-Villich, im Bonner Südosten in Ramersdorf und Oberkassel werden noch Briefkästen existieren, die bisher nicht bei Openstreetmap erfaßt worden sind.



Lücken tun sich aber auch auf in Röttgen, Ückesdorf und sogar im ansonsten sehr gut kartographierten Tannenbusch.





Das Packstation-Dilemma.

Während das Tagging-Schema für Briefkästen bei Openstreetmap gut etabliert ist, sieht die Situation bei Packstationen anders aus. Manche Packstationstypen (sog. 24/7 Stationen) weisen Briefkästen auf, manche jedoch nicht, und bisher existiert noch kein einheitliches Tagging-Schema, mit dem wir diese Typen unterscheiden könnten. Insbesondere tragen die entsprechenden Knoten, die Packstationen mit Briefkästen repräsentieren sollen, typischerweise kein post_box Tag. Wir behelfen uns hier, indem wir alle Packstationen des Gebiets, das uns interessiert, visualisieren (gelbe Kreise), und müssen dann bei der Suche nach noch nicht erfaßten Briefkästen im Einzelfall prüfen, ob die Packstation auch einen Briefkasten besitzt oder nicht.

Fehlende Briefkästen finden: Der "Post-Box Guesstimator".

Die hier vorgeschlagene Visualisierung lässt sich im Prinzip auf verschiedene Arten und Weisen realisieren. Eine elegante Lösung würde sicherlich den Aufbau und Betrieb einer Serverinfrastruktur und entsprechender OSM-Datenbank beinhalten, mithilfe derer eine Webseite realisiert werden kann, die zentral für ganz Deutschland alle in OSM vorhandenen Briefkästen mit Kreisen visualisiert. Leider verfüge ich weder über Zeit noch Resourcen, um so ein Projekt zu anzuschieben, aber vielleicht gibt es ja andere engagierte User? :-)

Stattdessen möchte ich hier einen sehr einfachen Weg vorstellen, mit dem jeder interessierte User, der die Skriptsprache Python installiert hat, sich selbst diese Visualisierung für sein Gebiet erzeugen kann. Die Grundidee: Über ein Python-Skript werden vom User die aktuell in OSM vorhandenen Briefkästenpositionen einer Region herunterladen und gespeichert. Die Visualisierung erfolgt dann über eine HTML-Datei, die sich lokal auf dem Rechner des Users befindet und dort im Webbrowser aufgerufen werden kann. Das war's schon. Die "Software", die ich auf den nicht ganz ernstzunehmenden Namen "Post-Box Guesstimator" getauft habe, kann hier (Download) heruntergeladen werden. Nach dem Entpacken befindet sich im Hauptverzeichnis neben dem eigentlichen Skript die Datei LIESMICH, die eine Kurzanleitung enthält. Eine Anmerkung: Die Visualisierung funktioniert bisher nicht mit dem Internet Explorer. Firefox und Opera habe ich erfolgreich getestet. Ein Online-Beispiel für Bonn gibt es hier.

Support

Ich werde leider keinen Support leisten können. Da ich wenig Erfahrung in Javascript-Programmierung habe, können noch Fehler im Code vorhanden sein. Insbesondere funktioniert die Visualisierung im Internet Explorer bisher nicht. Verbesserungen des Source-Codes sind daher herzlich willkommen (hier kannst Du mit mir Kontakt aufnehmen)! Daneben freue ich mich auch darüber, wenn User sich vom Code zu eigenen Lösungen anregen lassen, oder wenn engagierte User eine weiter oben vorgeschlagene Lösung in Form einer zentralen Webseite realisieren.

Updates

An dieser Stelle möchte ich über Hinweise oder Anmerkungen berichten, die mich nach dem Verfassen dieses Beitrags erreichen.

Update 1: Da nicht alle den Link im Text gefunden haben: Hier gibt es ein Online Beispiel für den Post-Box Guesstimator für Bonn.

Update 2: Peter Körner hat inzwischen den Code adaptiert und auf der Mailingliste talk-de von der weltweiten Online-Version des Post-Box Guesstimator berichtet. Vielen Dank! :-) Einfach aufrufen, Ausschnitt wählen, auf Permalink klicken und das Laden der Daten abwarten.

Update 3: (21.05.2014) Nach bald vier Jahren erfreut sich dieser Post immer noch großer Beliebtheit. :-) Nachdem die oben genannten Versionen des Post-Box Guesstimators nicht mehr abrufbar sind, gibt es unter folgendem Link eine funktionstüchtige Fassung von Thomas (User T-i).

Sonntag, 6. Juni 2010

Mappingparty, Samstag 26. Juni 2010, Troisdorf (nähe Köln/Bonn)

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Eine Mappingparty, also das gemeinsame Kartographieren für Openstreetmap, ist eine geniale Möglichkeit, um eigene Kenntnisse zu erweitern und um mit anderen begeisterten Openstreetmap-Usern in Kontakt zu kommen. Der Spaß an der gemeinsamen Sache steht dabei im Vordergrund. Die Veranstaltung richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene.

Wir werden in kleinen Gruppen die Gegend rund um Troisdorf kartographieren. Zu diesem Zweck werden vor Ort GPS-Empfänger verliehen und deren Bedienung erklärt. Es wird sowohl Gruppen für Fahrradfahrer als auch Fußgänger geben. Nach der Datenerfassung werden die Daten gemeinsam in die Openstreetmap-Datenbank eingepflegt.

Die Mappingparty wird organisiert von der Troisdorfer Linux User Gruppe (TroLug) sowie von der Bonner Openstreetmap Gruppe (Stammtisch Bonn).

Weitere Informationen gibt es hier:
http://wiki.openstreetmap.org/wiki/Troisdorf/Veranstaltungen

Sonntag, 23. Mai 2010

Einladung zum Openstreetmap-Kurzvortragsabend, Troisdorf, 3.6.2010

Rund um aktuelle Openstreetmap-Themen wird es beim Kurzvortragsabend am 3.06.2010 gehen, der in Troisdorf (zwischen Köln und Bonn) stattfinden wird. Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene und neue Openstreetmap-User, und soll nicht nur in kurzen prägnanten Vorträgen über aktuelle Themen informieren sondern auch dem gegenseitigen Austausch dienen. Wir freuen uns, neben anderen Vortragenden auch einen Mitarbeiter des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) begrüßen zu dürfen, der über die Pläne einer Datenspende seines Arbeitgebers berichten wird.
Die Veranstaltung ist kostenlos - eine vorherige Anmeldung ist erforderlich (siehe unten).

10 Minuten - ein Fachmann - ein Thema.

Wer noch Lust hat, einem OSM-begeisterten Publikum seine/ihre Ideen vorzustellen, sei hiermit herzlich dazu eingeladen. Die Vorträge werden jeweils ca. 10-15 Minuten dauern. Wir bitten, die Vorträge im Vorfeld beim Veranstalter anzumelden.

Wann und Wo.

03. Juni 2010 (Fronleichnahm), Beginn: 19 Uhr

Arbeiterwohlfahrt (AWO) Troisdorf-Mitte
Wilhelm-Hamacher-Platz 12
53840 Troisdorf
Karte: http://osm.org/go/0GISOY7me--?m

Anmeldung

Ob Vortragender oder Zuhörer - eine Anmeldung zur Veranstaltung ist erforderlich, da die Räumlichkeiten begrenzt sind. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine kleine Spende wird zur Deckung von Unkosten (wie z.B. für zur Verfügung gestellter Getränke, etc.) gerne gesehen. Der Vortragsabend wird organisiert von der Troisdorfer Linux User Gruppe (TroLug) und unterstützt durch den Bonner Openstreetmap-Stammtisch.

Um sich anzumelden, unter http://trolug.de/ in der Spalte "Anmeldung" beim Termin "2010-06-03" auf "Anmeldung hier!" klicken. Die Anmeldeprozedur wurde ursprünglich für Linuxthemenabende entwickelt. Es sollte sich also keiner durch die Fragen nach einer möglichen Linux-Nutzung von einer Anmeldung abschrecken lassen.

Kontakt:

TroLUG Club der AWO Troisdorf-Mitte (Veranstalter)
Jonas Stein, news (at) jonasstein.de

mit freundlicher Unterstützung des OSM Stammtisches Bonn

Montag, 5. Oktober 2009

Meteoriteneinschlag in Bonn-Poppelsdorf

"Es sieht so aus, als wäre in Bonn ein Meteorit eingeschlagen.", so kommentierte ein Openstreetmap-User im englischsprachigen IRC-Chat am vergangenen Sonntag die Bonner Openstreetmap-Karte (OSM), die den Ausschnitt des Stadtteils Poppelsdorf zeigte. Und dieser Kartenausschnitt sah so aus (zum Vergrößern auf die Abbildung klicken):


Ich hatte einige Arbeiten an der Openstreetmap Karte im Norden von Bonn durchgeführt, als mir das Chaos im Poppelsdorfer Süden auffiel. Zunächst dachte ich an einen Fehler des Renderers (Mapnik), doch ein Blick in die zugrundeliegenden Vektordaten zeigte recht deutlich, dass der Renderer unschuldig und das Chaos bereits in der Datenbank zu finden war:


Was war geschehen? Inzwischen hatte auch der Bonner User Hugoe die merkwürdigen Änderungen in Poppelsdorf bemerkt und bei openstreetbugs eingetragen.

Ein Fall von Vandalismus?

Nach einer Recherche stand fest, dass die Änderungen in den Daten auf einen einzigen User (genauer: auf ein Changeset dieses Users) zurückgeführt werden konnten, die dieser am Samstagabend vorgenommen hatte. 1129 Knoten wurden bewegt und 76 Wege manipuliert. Ein Fall von Vandalismus?

Die Antwort ist ein klares "Nein". Ich hatte durch Zufall einige Tage vor dem Vorfall Kontakt mit dem betreffenden User und wusste, dass dieser gerade beginnt, sich in Openstreetmap einzuarbeiten. Nur drängte jetzt die Zeit, denn solche massiven Änderungen lassen sich nur dann mit Werkzeugen rückgängig machen, solange noch kein Teil dieser Änderungen wieder editiert worden ist. Und da der Schaden für die Openstreetmap-Karte so offensichtlich war, befürchtete ich direkte Korrekturen an einzelnen Vektoren - mit einer kaum abzusehenden Menge an Arbeit, sollten die Verbesserungen alle von Hand erfolgen müssen.

Ich bin mit dem Rückgängigmachen von Changesets nicht bewandert und wusste, dass diese Operationen nicht trivial sind. Daher suchte ich nach Experten. Neben einer E-Mail auf der deutschsprachigen OSM-Mailingliste (talk-de) bat ich im deutsch- und englischsprachigen IRC (Kanal #osm und #osm-de) um Hilfe. Wir diskutierten den Fall und schlussendlich konnte User balrog-kun die Änderungen rückgängig machen:


Nach unserer "Notoperation" an den Daten hatte ich wieder E-Mail-Kontakt mit dem User, der uns durch sein Changeset so ans Arbeiten gebracht hatte: Es war ein Bedienfehler in JOSM, und es ist ihm furchtbar peinlich. Irgendwie hatte er es ohne zu bemerken geschafft, sämtliche Objekte zu markieren und zu drehen, bevor er die Daten in die Datenbank gespielt hat. So schnell kann es passieren.

Fehler machen ist menschlich. Wichtig ist nur, dass man die Leute fragt und sich Hilfe holt, wenn man sie braucht. Neben vielen virtuellen Kontaktmöglichkeiten gibt es da zum Beispiel auch den Bonner Openstreetmap-Stammtisch. Hier treffen wir uns regelmäßig, tauschen uns aus und helfen uns gegenseitig. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Leute zu unserem Treffen fänden!

Mein Rat an alle OSM-Anfänger: Lasst euch nicht abschrecken sondern sucht den Kontakt zu anderen OSM-Aktiven. Hier beißt euch keiner, denn wir haben ja alle dasselbe Ziel: Die freie Weltkarte weiter zu verbessern!

Freitag, 21. August 2009

Bonner Mappertreffen am Montag, den 24.08.2009

Am Montag, den 24.08.2009, findet wieder ein Treffen für alle Openstreetmap-Interessierte in der Köln/Bonner Region statt. Das ist eine tolle Gelegenheit, sich in einer lockeren Runde kennenzulernen und über Openstreetmap zu sprechen und fachzusimpeln. Von Neueinsteigern bis zu "Alten Hasen" - alle sind willkommen! Ich würde mich freuen, viele von euch dort zu sehen! Bisher kennt man häufig die Usernamen und ahnt hier und da ähnliche oder auch verschiedene Interessen bei der Datenerfassung.

Wir treffen uns am Montag um 20:00 Uhr in der Bonner Altstadt, je nach Wetterlage im Außengastronomie-Bereich des NYX (bei Sonne, siehe Karte) oder im nur wenige Meter entfernt liegenden Macholds (bei Regen, siehe Karte). Das entscheidet sich am Montag (Wettervorhersage). Wir werden ein Openstreetmap-Logo auf den Tisch legen, um neuen Usern zu signalisieren, wo wir sitzen.

Die wichtigste Seite mit allen Informationen zum Treffen findet ihr hier. Meine Empfehlung: Dort nochmal am Montag vorbeisehen, um die letzten Informationen zu bekommen.

Ich freue mich, viele von euch dort zu sehen! :-)

Update (24.08.2009): Das Treffen wird im Außengastronomie-Bereich des NYX stattfinden.

Montag, 27. Juli 2009

Heute (27.07.09): Mappertreffen in Bonn

Heute findet zum zweiten Mal ein Mappertreffen in Bonn statt. Und ich freue mich darauf und hoffe, viele von euch dort zu sehen! Schon beim ersten Mal war das Hallo gross, als wir wechselseitig herausfanden, welche Personen hinter verschiedenen Usernamen steckten, und wer welche Stellen der Openstreetmap Karte bearbeitet.

Userin Juma hat für das Mappertreffen einen Treffpunkt organisiert. An dieser Stelle: Danke dafür! :-)

Und hier die Details (kurz vor Aufbrauch am besten nochmal auf der entsprechenden Wiki-Seite gegenchecken):

  • 20:00 Uhr
  • NYX, Vorgebirgsstr. 19, Bonn (Karte)

Bis dann!

Montag, 1. Juni 2009

Ein Bericht von der OSM-Tagung in Bonn

Wie funktioniert die Openstreetmaps-Community? Was hat Openstreetmap Googles MapMaker entgegenzusetzen? Welche Denke hindert öffentliche Verwaltungen daran, Geodaten zur Verfügung zu stellen und was lässt sich aus der erfolgreichen Kooperation mit dem Landesbetrieb Straßenbau NRW lernen? In welchem Stadium befindet sich die Zusammenarbeit mit der deutschen Wikipedia, und was haben Openstreetmapper davon?

Diese Themen und vieles mehr wurden auf der Tagung "OSM im Rheinland" in Bonn am vergangenen Dienstag (26.05.09.) angesprochen, zu der überraschend auch der Openstreetmap-Gründer Steve Coast angereist war. Es entwickelte sich eine sehr spannende und auch politische Veranstaltung, die durch die Mischung der Redner und Teilnehmer eine ganz eigene Dynamik bekam. Doch der Reihe nach.

Profis versus Hobbyisten?

Eingeladen hatten Jens Fitzke, Geschäftsführer der Firma lat/lon, sowie Alexander Zipf, Professor am geographischen Institut der Universität Bonn, in das Forschungszentrum Caesar, das in der Nähe des ehemaligen Bonner Regierungsviertels liegt. Beide hatten und haben Kontakt zu Openstreetmap, unter anderem über die Betreuung von Praktikanten und Magistervorhaben (darunter so bekannte Projekte wie der openrouteservice.org). Eines der Ziele der Veranstaltung war es, professionelle GIS (Geographic Information Systems)-Anwender und Openstreetmap-Aktive zusammenzubringen. Damit prallten auch verschiedene Denkschulen aufeinander.

Der erste Redner war Jochen Topf, auf dessen Vortrag ich mich besonders gefreut hatte. Jochen ist kein Unbekannter im Openstreetmap-Universum, wie die meisten wissen werden. Unter anderem hat Jochen die Website openstreetmap.de geschrieben, hat den Checker MapLint und den OSM-Inspector programmiert und zusammen mit Frederik Ramm das Openstreetmap-Buch verfasst, das - nebenbei bemerkt - inzwischen in einer überarbeiteten Auflage vorliegt.

Openstreetmap soll nicht Katasterämter überflüssig machen

Jochen erklärte in groben Zügen Grundlagen des Openstreetmap-Projekts und erwähnte viele von den inzwischen realisierten OSM-Anwendungen. Die GIS-Profis schreckten vor allem bei dem Gedanken auf, dass prinzipiell jeder Daten einpflegen kann und damit auch die Kartenqualität von Region zu Region schwankt. Der Graswurzelansatz und Wiki-Gedanke der OSM-Community (kurz: Die Qualität der Daten nimmt zu, je mehr Menschen sich dafür interessieren und mitarbeiten.) prallte hier auf das Bedürfnis der GIS-Leute, die Daten von "Oben" zu strukturieren, zu klassifizieren und ihre Qualität zu kontrollieren. Das war einer der gravierendsten Gegensätze zur Openstreetmap-Philosophie Rough Consensus and Running Code, den Jochen mit "Grober Konsens und funktionierende Beispiele" übersetzte. Immerhin hat dieser pragmatische Ansatz Openstreetmap weit gebracht, bei dem lokal Probleme gelöst werden und sich in einem fortlaufenden Prozess taugliche Klassifikationsschemata herausbilden.

Die Bemühungen um eine Qualitätskontrolle spiegeln sich in verschiedenen Projekten der OSM-Community wider, wie Jochen betonte. Eine Qualitätskontrolle bedingt aber einen Vergleich mit irgendeiner Art von Goldstandard. Doch welche Karte könnte überhaupt als Goldstandard herhalten, wenn man die vielfältigen Einsatzbereiche der Openstreetmap-Kartendaten betrachtet? Und welche Karte kann von sich beanspruchen, tagesaktuell zu sein? Daneben spielt auch die Zielanwendung eine Rolle: Openstreetmap-Daten, die auf GPS-Spuren basieren, eignen sich kaum für Aufgaben, bei der es um räumliche Auflösungsgenauigkeiten von wenigen Zentimetern geht.

Openstreetmap ist keine Demokratie

Eine bewusste Provokation war Jochens These, dass Openstreetmap nicht demokratisch sei. In der sich anschließenden Diskussion konkretisierte er diesen Standpunkt. So nähmen nur wenige Mapper Teil an Abstimmungen über neue vorgeschlagene Map-Features. Unter anderem ließen sich die niedrigen Teilnehmerzahlen an bestimmten Abstimmungen auch darauf zurückführen, dass sich für sehr spezielle Features nur wenige eingearbeitete User interessierten.

Daneben forderten manche Einflussmöglichkeiten einen hohen technischen Sachverstand, eine Tatsache, die zu einer hohen Verantwortung für eben diese User führe, da sie für die Community Entscheidungen träfen. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang unter anderem einzelne aktiven User, die sich z.B. in privaten Projekten mit der Visualisierung des Openstreetmap-Kartenmaterials beschäftigen und entscheiden, welche Features sie visualisieren wollen. Gerade die Visualisierung fördert und steuert auch in einem gewissen Rahmen die Aufmerksamkeit von Mappern bezüglich bestimmter Map-Features, und dies wird Auswirkungen auf die eingepflegten Daten haben.

Sag nie "Nein". Sag "Ja", und füge etwas hinzu.

Einfluss auf das sich selbst organisierende Geschehen ließe sich daher nicht mit erhobenem Zeigefinger und Forderungen nach Löschungen oder dem Rückgängigmachen bestimmter Aktionen ("Nein"-Sagen) nehmen, sondern durch das aktive Bejahen von bisher Geleistetem und dem darauf aufbauenden Hinzufügen von weiterer Arbeit.

Und um das "Hinzufügen" ging es dann in den folgenden Vorträgen von den Geographiestudenten Damian Paderta, der als Mapper zwischen Bassenheim, Urmitz, Kettig und Weißenthurm unterwegs war ("Wir taggen nicht für Renderer. Wir taggen für die Wirklichkeit."), von Pascal Neis, der seine Magisterarbeit, den Openrouteservice vorstellte, sowie von Astrid Müller, die sich zur Zeit in Bonn mit dem OSM-basierten Routing von Rollstuhlfahrern beschäftigt.

Pascal sprach über Routing, Point-of-Interest (POI)-Suche und Geocoding auf OSM-Basis. Die Fahranweisungen des Openrouteservice sollen zukünftig verbessert werden, z.B. durch Berücksichtigung von lokalen POIs ("nach der Sparkasse rechts abbiegen"). Bisher werden noch keine turn-restrictions beim Routing unterstützt, eine Sache, die man demnächst gerne angehen würde. Astrid sprach über wichtige Parameter und Tags, die für ein erfolgreiches Rollstuhlfahrerrouting benötigt werden und von den bisher verwendeten Tags entweder nicht erfasst oder für bisheriges Routing nicht gebraucht wurden. So spielen der Belag, das Gefälle sowie Wegbreiten und Bordsteinhöhen eine wichtige Rolle. Erstere bezögen sich in den meisten OSM-Daten vor allem auf Straßen, würden aber für das Rollstuhlfahrerrouting auch für Bürgersteige benötigt. Zusammen mit weiteren Studenten hat sie die OSM-Karte der Bonner Innenstadt mit solchen Informationen angereichert und konnte schon ein Beispiel für ein entsprechendes Routing vorstellen.

Openstreetmap 3D

Dass sich Openstreetmap-Daten auch in 3D visualisieren lassen, wird immer wieder diskutiert. Alexander Zipf zeigte in seinem Vortrag eine Live-Präsentation von OSM-3D. Als Grundlage wurden OSM-Daten mit den Daten der NASA Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) verschnitten. Die Visualisierung geschieht später durch eine entsprechende Java-Applikation im Browser (einen Rechner mit entsprechend leistungsfähiger Graphikkarte vorausgesetzt) und wird nicht serverseitig realisiert, wie das bei den 2D-Karten bisher der Fall ist. Die Live-Präsentation kam beim Publikum gut an - durch eine 3D Umgebung von selbst eingepflegten Daten zu schweben machte Spaß. In diesem Zusammenhang erwähnte Prof. Zipf, dass zusätzliche Informationen über Gebäudehöhen und Stockwerkanzahl die Darstellung von Gebäuden in 3D erheblich vereinfachen würden, und dass solche Informationen häufig noch in der OSM-Datenbank fehlen.

Natürlich gab es auch Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens: Neben potentiellen Einsatzmöglichkeiten im Stadtmarketing und Tourismus, in der Stadtplanung oder bei 3D-Autonavigationssystemen (3D Routeservice) ging es - soweit ich das richtig verstanden habe - langfristig um die Schaffung offener netzbasierter 3D GIS Standards. In diesem Zusammenhang kann Openstreetmap als Testfall gesehen werden kann, für den große Datenmengen zur Verfügung stehen, und an dem die prinzipielle Realisierungsmöglichkeit entsprechender Standards demonstriert werden kann.

Wikimedia Toolserver offen für Openstreetmap-User

Schon seit längerem gibt es Berichte, dass in naher Zukunft Kartenmaterial von Openstreetmap in Artikel der deutschen Wikipedia eingebettet werden sollen können. Raimond Spekking, einer der Entwickler von Mediawiki (also der Software, unter dem unter anderem die Wikipedia läuft) berichtete in seinem Vortrag von den Herausforderungen, die sich hieraus für die Wikipedia und Openstreetmap ergeben. Die Last von in der Spitze über 75000 Zugriffe pro Sekunde, die bei Wikipedia weltweit anfallen, werde man nicht auf die Openstreetmap-Server leiten, sondern werden durch die vom Wikimedia Deutschland e.V. eigens angeschaften Server bedient. Zwei der drei angeschafften Server werden als Produktionsserver zur Zeit für Caching und Rendering der Openstreetmap-Daten eingerichtet. Der dritte Server wird als Toolserver auch Anwendern von Openstreetmap als Plattform für die Entwicklung innovativer OSM-basierter Applikationen zur Verfügung stehen. Ich vermute, dass die Einbettung von OSM-Karten in der Wikipedia viele Menschen auf Openstreetmap aufmerksam machen wird, die OSM bisher nicht kannten - eine Win-Win Situation für Wikipedia und Openstreetmap. Und vielleicht kann der Eine oder die Andere für eine Mitarbeit bei Openstreetmap gewonnen werden...

Straßen.NRW bekam Rückmeldungen aus der OSM-Community

Stefan Wick, vom Landesbetrieb Straßenbau NRW (kurz: Straßen.NRW), berichtete über die Zusammenarbeit seines Hauses mit der Openstreetmap-Community. Daten über 20.000 km Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen wurden in diesem Zusammenhang Openstreetmap seit Dezember 2008 zur Verfügung gestellt. Dabei profitierten beide Seiten von der Zusammenarbeit, wie betont wurde: Straßen.NRW erhielt nämlich auch Rückmeldungen von der OSM-Community über mögliche Fehler in den importierten Daten, die zur Zeit vom Landesbetrieb geprüft werden.

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion im Plenum wurde die fortschrittliche Einstellung von Straßen.NRW gelobt. Diese sei bei vielen anderen Stellen leider noch nicht selbstverständlich. So herrsche - berichteten Tagungsteilnehmer - die Einstellung vor, dass selbst mit öffentlichen Mitteln finanzierten und erhobenen Geodaten nicht der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung gestellt sondern zu Phantasiepreisen auf Anfrage angeboten würden. Dahinter stecke wohl, so vermutete einer der Teilnehmer, nicht nur Besitzstandsdenken sondern auch die Hoffnung, ohne Anreicherung der Daten große Gewinne erzielen zu können; letzteres habe sich aber in den letzten Jahren nicht bestätigt. Es bleibt zu hoffen, dass das Beispiel Straßen.NRW Schule macht und vielleicht Hemmschwellen bei anderen Stellen abzubauen hilft.

Steve Coast über Google Maps und Openstreetmap

Er war der Überraschungsgast des Tages, Steve Coast, Gründer von Openstreetmap und Vorsitzender der OSM Stiftung. Der zur Zeit in San Francisco lebende Engländer verfolgte interessiert die Tagung, die er sich in Auszügen von einer Kollegin auf englisch übersetzen ließ. Und er erklärte sich spontan bereit, ein Abschlußstatement am Ende der Tagung zu geben. Er erzählte in einem unterhaltsamen Vortrag über die Anfänge von Openstreetmap und darüber, dass die Idee, keine festen Tags vorzugeben, von den meisten anfänglich abgelehnt und für verrückt erklärt worden sein. Der Ansatz, die Dinge so einfach wie möglich zu realisieren und einfach Code ans Laufen zu bringen, hat zu einer explosionsartigen Entwicklung der Mitarbeiterzahl und zu ganz unerwarteten Anwendungen geführt.

Angesprochen darauf, ob nicht Googles Map Maker Projekt, bei dem User Geodaten sammeln und eintragen können, eine massive Konkurrenz zu Openstreetmap darstellen würde, meinte Steve sinngemäß: Während Openstreetmap eine Community besitzt, hat Google eine Gruppe von Kunden (set of costumers). Das sei einer der wichtigsten Unterschiede neben den lizenzrechtlichen Aspekten. Im ersten Fall arbeiten Menschen ehrenamtlich, um freies Kartenmaterial zu schaffen und zu verbessern. Im zweiten Fall arbeiten Menschen unentgeltlich einer Firma zu, die die Rechte an dieser Arbeit dann besitzt und damit wiederum Geld verdient.

Zum Schluß lud Steve noch zur diesjährigen State of the Map Konferenz (SoTM) ein, die vom 10. bis 12 Juli in Amsterdam stattfinden wird, und für die schon sehr viele qualitativ hochwertige Tagungsbeiträge eingereicht worden seien.

Vielleicht sehen wir uns ja auf der SoTM 2009? :-)

PS: Wenn Dir Fehler in diesem Text auffallen, freue mich über einen Hinweis. Ich werde sie dann nach Prüfung korrigieren.

Sonntag, 24. Mai 2009

OSM im Rheinland 2009

Am kommenden Dienstag (26.05.2009) findet im Forschungszentrum Caesar eine kostenlose Veranstaltung mit dem Titel Openstreetmap im Rheinland statt. Die Tagung verspricht spannend zu werden, wird doch unter anderem der umtriebige und für sein Engagement bekannte Jochen Topf sprechen, einer der beiden Autoren des Openstreetmap-Buches, der unter anderem MapLint sowie den OSM-Inspector geschrieben hat, die deutsche Openstreetmap-Webseite programmiert und an Osmarender mitgewirkt hat sowie das GPS-Verleihprogramm organisiert, um nur einige seiner Aktivitäten zu nennen.

Daneben freue ich mich auch über die Vorträge aus der Forschungsgruppe um Prof. Zipf - keine Unbekannten im Openstreetmap-Universum. So ist beispielsweise der OpenRouteService in dieser Arbeitsgruppe entstanden, und das OSM-3D Projekt wurde bereits in manchen Foren und Mailinglisten diskutiert. Auch ein weiterer Aspekt, der in der OSM-Community diskutiert wurde - die Integration von Openstreetmap-Kartenmaterial in der Wikipedia, wird durch einen Vortrag von Wikipedia-Aktivist Raimond Spekking angesprochen.

Wer sich noch nicht registriert oder informiert hat, kann dies auf der entsprechenden Wiki-Seite des Openstreetmap-Projektes oder auf der Webseite des Veranstalters tun. Ich bin gespannt, viele von euch dort zu sehen! :-)

Montag, 11. Mai 2009

Happy Birthday Bonn!

Heute, vor drei Jahren, am Donnerstag den 11. Mai 2006, wurden in der Bonner Openstreetmap Karte die ersten Datenpunkte eingetragen (siehe hier). Wer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass sich innerhalb kürzester Zeit eine Karte entwickeln würde, die man heute bereits ohne größere Bedenken verwenden kann? Wer hätte geglaubt, dass diese Karte schon nach so kurzer Zeit in manchen Stadtgebieten die Karten anderer Anbieter an Genauigkeit und Detailverliebtheit schlägt? Es versetzt mich immer wieder in Erstaunen! Und es zeigt eindrucksvoll, was sich mit einer begeisterten Community erreichen läßt.

Happy Birthday! Und ein großer Dank an alle Beteiligten!

Natürlich, Hand auf's Herz: Der Bonner Kartenausschnitt von Openstreetmap hat noch viel Spielraum für Verbesserungen. Gott sei Dank, mögen manche denken. ;-)

Openstreetmap ist nichts ohne seine User. Und daher habe ich einige von euch angeschrieben und euch angesichts des dreijährigen Geburtstags gefragt: "Welche Entwicklung wünschst Du Dir bei der Bonner Openstreetmap-Karte in den kommenden drei Jahren?"

Hier sind eure Antworten (in alphabetischer Reihenfolge):

Astrid: Ich wünsche mir, dass sich die Bonner Karte auch in Zukunft so schnell weiter entwickelt. Insbesondere wünsche ich mir, dass Datenlücken im Bereich Bürgersteige, Steigungen und Oberflächen geschlossen werden. Ein Mapper Treffen oder sogar eine Mapping Party für Bonn würde ich in Zukunft sehr begrüßen.

Dschuwa: Ich wünsche mir eine noch aktivere Community in Bonn, ein Mappertreffen. Und dass die Bonner Karte bald Bug frei und vollständig ist.

Hugoe: Ich wünsche mir, dass die vielen erfassten Daten auch in Zukunft aktuell gehalten und weiter ergänzt werden. Wenn die Bonner Karte weiter so wächst, dann kann man in drei weiteren Jahren die optimale Kanuroute durch die Bonner Kanalisation planen.

Mike67: Es ist schon Wahnsinn wie sich die Bonner Karte in den letzten drei Jahren positiv verändert hat und dank der vielen ambitionierten Mapper immer genauer die Realität abbildet. Für die Zukunft der Bonner OSM-Karte wünsche ich mir, dass noch mehr Nutzer sich an diesem tollen Projekt beteiligen und so für eine noch detailliertere Karte sorgen. Mein Bestreben ist es zurzeit, dass alle offiziellen Bonner Straßen und Plätze in der Karte abgebildet werden. Dann fehlen natürlich noch viele Geschwindigkeitsangaben, Einbahnstraßenregeln, Zufahrts- und Zugangsbeschränkungen, etc. Es wäre auch schön wenn jedes Haus mit korrekter Adresse in der Zukunft dargestellt werden könnte. Es gibt als noch viel zu tun in Bonn. Ebenso würde ich mich freuen wenn noch viel mehr Behörden ihre Geo-Daten und aktuelle Luftbilder dem OSM-Projekt zur Verfügung stellen würden. Allen Bonner Mappern wünsche ich zum Geburtstag der Karte alles Gute für die Zukunft und macht weiter so. Wie schon gesagt, es gibt noch viel zu tun in Bonn und der Region.

Theo62: Ich wünsche mir, dass die Informationen für Fahrradfahrer in der OSM-Datenbank verbessert werden. Es gibt ein sehr interessantes Projekt für Berlin, bbbike, ein Routenplaner für Fahrradfahrer, wo Fahrradwege mit Kategorisierung der Geschwindigkeit, Ampeln, Straßenkategorien usw. dargestellt und für ein Fahrradrouting berücksichtigt werden. Man kann für bbbike zwar auch die Bonner OSM-Daten zu Grunde legen, die man mit osm2bbb in das bbbike eigene Format übersetzen kann, sieht dann aber, dass die Informationen zu Fahrradwegen und fürs Fahrradfahren nutzbare Straßen in Bonn nicht so detailiert sind wie in Berlin. Außerdem benutzen die berliner Mapper andere Tags für Fahrradwege als die bonner Mapper. Ich würde mir wünschen, dass die OSM-Daten für Bonn ähnlich detailliert wären wie die bbbike-Daten für Berlin.

Herzlichen Dank für eure Antworten! :-)

Falls Du gerne ebenfalls meine Frage beantworten möchtest, kannst Du das gerne tun: Kontaktiere mich einfach und sende mir Deine Antwort zu! Ich werde dann diesen Blogeintrag nachträglich ergänzen. Ich freue mich auch über Kommentare!

(aktualisiert am 11. Mai, 11:31 Uhr)

Mittwoch, 29. April 2009

Unterwegs zwischen Bonn und Köln: Ein Interview mit Mapper Cyclop

Wer für Openstreetmap (OSM) als Mapper zwischen Köln und Bonn aktiv ist, wird beim Bearbeiten der Karte desöfteren auf den Usernamen Cylcop gestoßen sein. Cyclop ist unheimlich aktiv, ist auf Platz 4 der in Nordrhein-Westfalen aktivsten Mapper mit über 59672 (!) zuletzt editierten Knoten und auf Platz 13 mit über 4870 zuletzt editierten Wegen (Stand vom 28.04.2009). Das sind beeindruckende Zahlen, die seinen Arbeitseinsatz und Begeisterung für OSM erahnen lassen.

Daher habe ich mich besonders gefreut, mit ihm ein Interview führen zu können.

Hallo Roland (alias Cyclop),
vielen Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erklärt hast! Wie und wann hast Du von Openstreetmap erfahren?

Ich glaube zum ersten mal 2006. Da habe ich es aber noch nicht richtig verstanden und nachdem ich kurz geschaut hatte und praktisch keine Inhalte in der Karte gefunden hatte, ist es wieder in Vergessenheit geraten. Im Frühsommer 2008 bin ich dann wieder aufmerksam geworden (ich glaube es gab einen Bericht im WDR oder ich habe es in einer GIS Zeitschrift gelesen) und habe erst dann das Potential von OSM für mich entdeckt.

Welche Elemente gab es damals schon in der OSM-Karte zwischen Bonn und Köln?
In meiner Heimatstadt Niederkassel waren schon fast alle Straßen vorhanden, weil Yahoo für diese Gegend hochauflösende Luftbilder eingestellt hatte und andere auch schon fleißig die Straßen eingemessen hatten. Die Landnutzung war aber noch sehr rudimentär und in der etwas weiteren Umgebung, vor allem östlich der A59 aber auch in den südlichen Kölner Stadtteilen gab es noch
etliche Lücken.

Was motiviert Dich? Und welche Arbeiten machen Dir bei OSM besonders Spaß?
Ich bin von Kind an begeisterter Kartograph, habe Geodäsie/Kartographie studiert und befasse mich beruflich mit Geo-Informationssystemen. Schon länger hatte ich nach Möglichkeiten gesucht, eigene Inhalte in Karten einzubrigen. Aber es war sehr schwer, für private Zwecke geeignete und kostenlose Geo-Datengrundlagen zu bekommen. Außerdem bin ich in der Freizeit viel mit dem Rennrad, Langlaufskiern oder Wanderschuhen unterwegs, und seit Sommer 2008 zeichne ich meine Strecken einfach auf und trage sie ein. Häufiger fahre ich mit dem Rad jetzt gezielt in Orte, die noch nicht kartiert sind oder ich mache einen Umweg, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, um noch ein paar fehlende Objekte "mitzunehmen". So kann ich meine Freizeitaktivitäten mit OSM verbinden.

Wieviel Zeit investierst Du durchschnittlich wöchentlich?
Manchmal gar keine, manchmal sicher 10 Stunden (die Aufzeichnung nicht mitgerechnet). Aber ehrlich, ich habe das nie nachgemessen. Die Zeit vor dem Rechner vergeht immer wie im Flug.

Wo siehst Du zur Zeit die größten Herausforderungen für OSM im Allgemeinen? Und was sind spannende oder drängende Aufgaben bei OSM, die in der Köln/Bonner Region angegangen werden sollten?
Die Qualität (insbes. Zuverlässigkeit) ist einerseits schon toll für ein Freiwilligenprojekt, kann aber mit kommerziellen Produkten an vielen Stellen noch nicht mithalten. Um OSM auch im professionellen Bereich einsetzen zu können, müsste man noch viel mehr Zeit in die Qualitätssicherung investieren. Es wird darauf ankommen, die Begeisterung bei den Mappern zu erhalten, auch wenn das Straßennetz an sich schon mehr oder weniger vollständig vorhanden ist. Bei vielen - scheint mir - lässt die Motivation nach, wenn es "nur" noch darum geht, die "Kleinigkeiten" und vor allem die Sachinformationen (Tags) zu bearbeiten. Da ist der Erfolg eben nicht so sichtbar, als wenn man einen echten weißen Fleck beseitigt.

Mit welcher Hardware bist Du unterwegs?
Ein Garmin Edge 305.

Welche Software oder Dienste benutzt Du am liebsten für das Bearbeiten von OSM-Daten?
Ich arbeite fast ausschließlich mit Potlatch, weil es der einzige Editor ist, den ich bisher ausprobiert habe, bei dem ich Objekte editieren kann, die auf ein größeres Gebiet verteilt sind. Z.B. bei JOSM ist man immer auf kleinen Gebiet beschränkt. Natürlich ist Potlatch recht langsam, aber immer noch schneller, als wenn ich ständig neue Gebiete einladen müsste.

OSM ist in manchen Aspekten mit der Wikipedia vergleichbar. Auch hier kann jedermann Daten korrigieren bzw. neu hinzufügen. Bei der Wikipedia sind Edit-Wars bekannt. Hast Du schon einmal einen Edit-War in Deinem OSM-Gebiet erlebt?
Nicht wirklich. Es kommt aber schon (sehr selten) vor, dass geänderte Objekte zurückgeändert oder erneut überarbeitet werden. Das habe ich auch selbst schon mal gemacht, wenn das Objekt einer Meinung nach verschlimmbessert wurde. Ein dauerndes hin und her habe ich aber noch nicht erlebt. Spätestens beim zweiten Rückändern nehme ich direkt Kontakt auf. Das war aber noch nie der Fall. Einmal hatte ich einen Austausch mit einem Mapper zu der Frage, ob man bei Landuse gleiche Grenzen verwenden soll/darf. Das war aber ein total sachliche Diskussion und jeder war an der besten Lösung interessiert. Von einem "War" kann keine Rede sein. Das liegt aber vermutlich daran, dass es bei OSM eben immer ein tatsächliche "Wahrheit" gibt, nämlich so wie es Vor Ort wirklich aussieht. Persönliche Meinungen wie bei Wikipedia Artikeln zu Politik oder anderen Gesellschaftsthemen gibt es nicht, höchstens eben unterschiedliche Meinungen, wie man ein und die selbe Situation technisch optimal erfassen sollte.

Hast Du schon einmal andere Mapper getroffen oder an einer Mapping-Party teilgenommen? Gibt es konkrete Projekte, für deren Umsetzung Du gerne mit anderen Mappern zusammenarbeiten möchtest?
Ja, ich war schon zwei mal beim OSM Stammtisch in Köln. Leider waren nur wenige andere Mapper dort. An einer Mapping Party habe ich noch nicht teilgenommen. Konkrete Projekte bezüglich Öffentlichkeitsarbeit könnte ich mir vorstellen, z.B. Fertigmeldungen wie bereits in anderen Städten praktiziert. Von der Stadt Niederkassel habe ich mir schon das Straßenverzeichnis besorgt (vielen Dank dafür an die Stadt Niederkassel, Fachbereich 8, Herr Florin) und es von Sven Anders in Hamburg berechnen lassen, siehe hier (vielen Dank für diese tollen Service an Sven). Da gibt es nun doch noch ein paar Defizite. Daran könnte man mit anderen Mappern zusammen arbeiten, auch für die anderen Städte der Umgebung.

(Anm. der Red.: Es gibt hier ein Interview mit Sven Anders in der ZEIT Online.)

Welche Tipps hast Du noch für OSM-Anfänger?
Traut Euch! Es gibt noch viel zu tun. Das Buch von Frederik Ramm und Jochen Topf bietet einen prima Einstieg. Es ist übrigens kürzlich in neuer Auflage erschienen.

Roland, vielen Dank für das Interview!
Gerne :-)

Freitag, 10. April 2009

Auf in den Süden

Es war Februar und noch ziemlich kalt, als ich mir den aktuellen Openstreetmap-Kartenausschnitt des Bonner Ortsteils Buschdorf ansah. Und da gab es so einige kleine Fehler, die mir auffielen und die ich bei Openstreetbugs eintrug. Damals sah der Fehlerreport so aus (rote Punkte markieren Fehler in der Karte):





Schon wenige Wochen danach haben sich ortskundige Openstreetmap-Enthusiasten daran gemacht, Fehler zu korrigieren und viele Fehler (Bugs) verschwanden von der Karte:



An dieser Stelle an alle Beteiligten: Klasse Arbeit!

Natürlich gibt es in Bonn noch viel zu tun - viele Fehler verstecken sich hartnäckig und sind beim flüchtigen Überblicken der Karte überhaupt nicht auffindbar. Nach dem kleinen Exkurs in den Bonner Norden möchte ich den Blick auf einen Ortsteil im Bonner Süden lenken, genauer: nach Bonn-Mehlem, das direkt an Rheinland-Pfalz grenzt. Hier gibt es noch eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten:



Vielleicht ist das für den einen oder anderen Mapper ja Anreiz, sich Mehlem bei einem Ausflug mit GPS-Empfänger einmal genauer anzusehen. :-)

Nachtrag: Openstreetbugs zeigt - so meine Erfahrung - viele Bugs erst an, wenn man in die maximal erreichbare Zoomstufe schaltet. Wie sind eure Erfahrungen diesbezüglich?

Donnerstag, 19. März 2009

Eine neue Karte für Openstreetmap

Openstreetmap (OSM) ist ein unglaublich lebendiges Projekt mit seit kurzem über 100000 Usern, die zum Gelingen der ersten freien Weltkarte beitragen. Es geht um das Erfassen und Sammeln freier Geodaten. Aber, seien wir ehrlich: Ohne eine Karte - also ohne eine Visualisierung der Daten - macht Openstreetmap nur halb so viel Spaß. Und für die meisten neuen User ist die Slippy Map Karte der erste Kontakt mit Openstreetmap und Anstoß zum Einstieg in das Projekt. Doch diese Karte, die ich im Übrigen sehr schätze, visualisiert nur einen Bruchteil der in OSM nun zu Verfügung stehenden Daten. Als ich vor drei Tagen durch Zufall auf das Projekt Openstreetbrowser der User Skunk und Lesewesen traf, das deutlich mehr Informationen auf leichte Art und Weise zugänglich macht, war ich daher sofort elektrisiert: Es macht Spaß, den Openstreetbrowser zu nutzen! Die Karten sehen verdammt gut aus und man merkt, dass die Autoren mit viel Liebe zum Detail ans Werk gegangen sind.

Gleich vorweg: Das Openstreetbrowser-Projekt befindet sich noch im Beta-Stadium, ist manchmal langsam und ab und an gar nicht erreichbar. Die Daten sind bisher nur für Europa verfügbar. Meine Empfehlung daher: Projekt merken und in einigen Tagen oder Wochen einmal im Web besuchen gehen! Und so sieht der Openstreetbrowser aus (hier ein Beispiel für Bonn):



Rechts befindet sich die Slippy Map, allerdings mit einem eigenen, liebevoll gemachten Stylesheet, für das Skunk unter anderem Cascadenik benutzt hat, einer Art CSS Technik für Mapnik. Häuser (buildings) werden zum Beispiel farblich je nach ihrer Funktion anders dargestellt. Auf der linken Seite befindet sich ein Aufklappmenü,



in dem sich Points of Interests (kurz: POIs) verschiedener Kategorien anzeigen oder ausblenden lassen. Für den aktuellen Kartenausschnitt werden jeweils die vorhandenen POIs, in dem obigen Beispiel also "Attractions", aufgelistet. Wenn man den Mauszeiger in der Namensliste über die Einträge bewegt, so wird das jeweilige Kartenelement markiert: Im Beispiel oben habe ich die Maus über den Schriftzug "Beethoven-Statue" bewegt, und prompt wird das Symbol auf der Karte mit einem schwarzen Kreis umrandet (zu sehen am rechten oberen Rand der Abbildung). Handelt es sich um Haus, wird das entsprechende Gebäude mit einem schwarzen Rand versehen, wie zum Beispiel hier:



Weitere Beispiele: Von Apotheken, über Briefkästen, von Schulen über Feuerwachen und Polizeistationen lässt sich alles mögliche anzeigen. Machen wir uns aber nichts vor: Es gibt natürlich andere Projekte, die ebenfalls POIs visualisieren, wie zum Beispiel dieses oder dieses hier. Aber keines dieser Projekten bündelt die vielen Möglichkeiten so wie es der Openstreetbrowser macht. Für jeden aktuellen Kartenausschnitt läßt sich zum Beispiel eine Liste von Straßennamen erzeugen, was natürlich auch über ein separates Projekt schon möglich war:



Der Openstreetbrowser erlaubt aber zusätzlich noch ein leichtes Auffinden von Straßen, indem diese markiert werden, sobald man mit dem Mauszeiger über den entsprechenden Eintrag in der Straßenliste fährt (am obigen Beispiel an der schwarz markierten Mozartstraße zu sehen).

Mein persönliches Highlight ist aber das Anzeigen von Nahverkehrsverbindungen, also von Buslinien und Zügen samt Haltestellen. Natürlich war das Anzeigen solcher Relationen schon über das Projekt ÖPNV-Karte, das ich übrigens sehr schätze, möglich. Auch existierte bereits eine Karte der Tube-Stationen in London. Aber der Openstreetbrowser bündelt dies mit weiteren Funktionen:



Die Haltestellennamen sind hier in cyan gehalten, während die einzelnen Buslinien mit blauen Strichen (bzw. Pfeilen) und die Bahnlinien mit schwarzen Strichen visualisiert werden. Auch hier lassen sich wieder einzelne Linien markieren und die entsprechenden Haltestellen anzeigen:



Bemerkenswert finde ich hier wieder die Detailverliebtheit: Natürlich enthalten die OSM-Daten meist die Position der Haltestellen und auf welcher Straßenseite sie sich befinden. Beides wird, wie in obiger Abbildung am Beispiel der Buslinie 800 (schwarze Linie mit Punkten an den Haltestellen "Mozartstraße" und Herwarthstraße) zu sehen, korrekt dargestellt. Daneben gibt es noch den ZOOM-Button, der den Kartenausschnitt auf das aktuell selektierte Objekt springen lässt. Hier ein Beispiel, bei dem ich den Kartenausschnitt auf die Bushaltestelle "Mozartstraße" gezoomt habe:



Die Haltestellen in beide Richtungen werden durch einen blauen Kasten eingerahmt; die selektierte Haltestelle wird noch zusätzlich als schwarzer Punkt angezeigt.

Ein vorläufiges Fazit

Natürlich gibt es beim Openstreetbrowser noch unheimlich viele Baustellen. So habe ich bisher zum Beispiel nicht gesehen, dass irgendwelche Hausnummern angezeigt würden. Die Suche scheint noch ohne Funktion zu sein und ein Export der Karten wie auf openstreetmap.org ist bisher nicht möglich.

Dennoch: Der Openstreetbrowser integriert viele Funktionen anderer Visualisierungsprojekte und das auch noch auf eine optisch ansprechende Art und Weise! Wenn das Projekt es aus der Betaphase heraus schafft und schnell und stabil läuft, wird es sehr wahrscheinlich einen dramatischen Effekt auf das Einpflegen von POIs in die OSM-Datenbank haben. Denn die Darstellung der eingepflegten Daten ist doch das, was uns Mappern am Ende am meisten motiviert!

Links

Openstreetbrowser: http://www.openstreetbrowser.org
Blogeintrag von Skunk: Teaser for my OpenStreetMap-Project
Google Summer of Code 2009 Proposal: User-friendly Web Application to browse map content

Sonntag, 8. März 2009

In Wesseling will man die Dinge nicht beim Namen nennen...

Schon wieder geht eine Woche zuende, und während ich hier gerade im Kartenmaterial von Openstreetmap (OSM) stöbere, fällt mir der "No-Names" Layer ins Auge. Rechts oben bei OSM findet ihr ein kleines blaues Kästchen mit einem Pluszeichen. Ein Klick darauf öffnet ein Auswahlmenü, in dem verschiedene Ansichten bzw. Ebenen (Layer) des OSM-Kartenmaterials ausgewählt werden können. Am bekanntesten sind der Mapnik-Layer und der Osmarender-Layer; beide sind Visualisierungen derselben OSM-Kartendaten, nur mit unterschiedlicher Software (Renderer) erstellt (nämlich Mapnik und Osmarender).

Der "No-Names" Layer zeigt in der OSM-Karte an, wo sich noch Wege befinden, die kein Name-Tag besitzen, also keinen Namen tragen. Diese werden mit orangen Linien eingerahmt. Und natürlich gibt es auch in Bonn noch die eine oder andere Straße, deren Namen nicht in den OSM-Daten vermerkt ist. Aber das wird von Wesseling, das zwischen Bonn und Köln liegt, locker getoppt:



Es gibt also einiges zu tun! An alle No-Name-Profis: Ab nach Wesseling! :-)

Donnerstag, 5. März 2009

Schwarz-Weiße Wirrungen im Meßdorfer Feld

Zwischen Endenich, Dransdorf und Meßdorf liegt das Meßdorfer Feld, eine Freifläche, die von vielen zum Radfahren, Hunde-Ausführen oder schlicht zum Spazieren genutzt wird. Das Feld wird durch einer Bahntrasse geteilt, über die zwei Brücken führen - Brücken, die der Volksmund "schwarze Brücke" und "weiße Brücke" nennt. Die schwarze Brücke, so lerne ich in einem Text von Heike Weidenhaupt, habe ihren Namen erhalten durch den Umstand, dass kurz vor ihr die sie durchquerende Bahntrasse eine Steigung macht. Die früheren Dampflokomotiven stießen hier besonders viel rußhaltigen Dampf aus, der die Brücke über die Jahre schwarz färbte. Die zweite, sich weiter südlich befindlichen Brücke, wurde dann zur Verbesserung der Unterscheidbarkeit einfach "weiße Brücke" genannt, obwohl sie gar nicht weiß war. Soweit, so gut. :-)

Ich hatte in einem früheren Beitrag euch gefragt, ob ihr noch auf weitere Copyright-Easter-Eggs in der Bonner Google Maps Karte gestoßen seid, also auf absichtlich in das Kartenmaterial eingebaute Fehler, die bei Copyright-Verletzungen dem Copyright-Inhaber den Nachweis bei juristischen Prozessen erleichtern sollen. Und in der Karte vom Meßdorfer Feld befindet sich ein solcher Fehler, wie mir Openstreetmap User Hugoe mitgeteilt hat.

Hier der Vergleich. Bei Openstreetmap sieht der Kartenausschnitt, der beide Brücken enthält, so aus:



Die Namen der Brücken haben sich in den umliegenden Wegen niedergeschlagen: "An der weißen Brücke", heißt es im Süden, während der Weg im Norden "An der schwarzen Brücke" heißt. Bei Google Maps ist es hingegen genau umgekehrt. Im Norden:


Größere Kartenansicht


Und im Süden:


Größere Kartenansicht


Ob es sich um einen intendierten Fehler handelt oder nicht: Der Fehler macht die Google Maps Karte an einer Stelle wieder einzigartig. Da lob ich mir doch Openstreetmap, wo selbst Details im Meßdorfer Feld stimmen. ;-)

PS: Danke an Hugoe für den Hinweis!

Donnerstag, 26. Februar 2009

Erster! Wie man unkartographierte Orte findet.

Manchmal ist man das Suchen von Bugs und das Verbessern von bestehendem Kartenmaterial in openstreetmap (OSM) leid. Dann möchte man mit dem GPS Gerät los und Orte kartographieren, die es bisher nicht im Datenbestand gab, eine Ersterfassung durchführen und sich daran freuen können, wenn später der neu angelegte Ort durch andere User mit Details angereichert und stetig verbessert wird. Aber ist OSM in Deutschland eigentlich nicht ziemlich komplett? Gibt es in der Nähe von Bonn noch un- oder schlecht kartographierte Orte?

Ja, es gibt sie! Und der OSM-User Gary68 hat sich vor einer Weile daran gemacht, ein Tool zu entwickeln, mit dem solche Orte aufgespürt werden können. Unmapped Places zeigt über zwei verschiedene Icons an, ob ein Ort bei Openstreetmap wenig oder bisher gar nicht erfasst wurde. Und so sieht die Situation zur Zeit (alle hier gezeigten oder zitierten Daten wurden am 21.02.09 erhoben) zwischen Bonn und Köln aus (gelbe Symbole: wenig erfasste Orte, rote Symbole: unkartographierte Orte):



Wir sehen, dass Bonn und Köln jeweils gut erfasst worden sind. Daneben sind auch die Orte nördlich und nordwestlich von Bonn gut kartographiert worden. Das verwundert mich nicht, da neben lokal aktiven Mappern auch Bonner Mapper in den letzten Monaten in dieser Region sehr aktiv waren. Erst vor Köln tauchen die ersten Kandidaten für eine Ersterfassung auf. Benzelrath, Berrenrath, Kendenich, Fischenich, Meschenich und Immendorf - sie bilden einen Gürtel bisher wenig erfasster Orte südlich von Köln und nördlich von Brühl/Wesseling. Da gibt es Material für die eine oder andere Mapping-Party. :-)

Der Vollständigkeit halber sei auch erwähnt, dass sich auch östlich von Bonn (vor allem zwischen Oberpleis und Hennef, sowie östlich von Hennef), oder südlich von Meckenheim oder Rheinbach entsprechende Orte zum Mappen finden lassen.

Doch wie funktioniert Garys Algorithmus zur Detektion wenig/schlecht gemappter Orte? Es handelt sich im Wesentlichen um ein Schwellwertverfahren. Jeder Ort wird in Openstreetmap durch einen Node repräsentiert, der ein place Tag sowie weitere Tags mit entsprechenden Informationen über diesen Ort (Ortsname, Anzahl Einwohner, Ausdehnung,...) trägt. Bonns Place-Node (in der Abbildung unten in orange dargestellt) befindet sich, skurrilerweise, mitten im Kaufhof:



Ausgehend von diesem Place-Node definiert der Algorithmus eine Region, indem Informationen aus den Tags des Place-Nodes ausgewertet werden, oder, sofern die Tags diese Informationen nicht hergeben, indem ein Kreis mit einem vom Typ des Ortes (city, suburb, town, village) abhängigen Radius (4km, 0.5km, 1km, 0.5km) definiert wird. Diese Kreise sehen für Bonn und seine Stadtteile so aus:



Okay, bei dieser Abbildung verliert man leicht den Überblick - das liegt auch an den zusätzlich eingeblendeten statistischen Informationen. Erkennbar ist allerdings der große Kreis mit einem Radius von 4km, der große Teile von Bonn umfasst und der zur Datenauswertung herangezogen wird. (Erkennbar ist auch, dass zum Beispiel Bad Godesberg, Röttgen oder Ückesdorf nicht durch den Kreis abgedeckt wird. Ich finde allerdings, dass der Kreis für eine erste Schätzung der Ausdehnung Bonns sehr gute Dienste tut.)

Der Algorithmus zählt nun die Nodes innerhalb des so definierten Region und vergleicht die Node-Anzahl mit zwei vorgegebenen Schwellwerten. Dabei gelten Orte (city, suburb, town, village) als wenig erfasst, wenn die so ermittelte Node-Anzahl unter einem Schwellwert liegt (4800, 60, 400, 60) oder als gar nicht erfasst (2400, 30, 200, 30).

Der Algorithmus liefert auch einige andere interessante Statistiken. So besitzt Bonn in seinem 4km Radius 25683 Nodes und 1977 Wohnstraßen (residentials), die insgesamt eine Gesamtlänge von 333 km haben. Von diesen Wohnstraßen besitzen 417 keinen Namen. Daneben hat Bonn in diesem Kreis 738 Gebäude (buildings) sowie 665 Einrichtungen (amenities). Kaum glauben kann ich, dass tatsächlich nur 1 (!) Node sowie 4 Wege ein FIXME Tag tragen. Das ist erstaunlich wenig!

Es ist klar, dass es außerordentlich schwierig ist, über Schwellwertverfahren eine 100%ige Trennung zwischen "gut", "weniger gut" und "schlecht" kartographierten Orten zu erreichen. Dazu ist der Kriterienkatalog zu komplex. Und bestimmt werden sich auch Beispiele finden lassen, wo der Algorithmus versagt. Aber: Ich bin beeindruckt von den Ergebnissen, die sich mit den eingesetzten Heuristiken erzielen lassen! Und ich bin beeindruckt von dem Zeit- und Arbeitseinsatz von Gary68. Unmapped Places wird seinen Platz unter den produktiv einsetzbaren OSM-Tools finden.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Der erste Bonner Mapper ...

... oder jedenfalls der erste Mapper, der Daten in die bis dahin leere Bonner openstreetmap (OSM) Karte eintrug - mit welchen Datenpunkten fing er an, Bonn zu erfassen? Und wann war das eigentlich?

Diese beiden Fragen kamen mir letztens, als ich einen Blick auf die Bonner Karte warf. Möchte jemand einen Tipp abgeben? :-) Wurde der Bonner Münsterplatz als erstes erfaßt? Oder der Bonner Hauptbahnhof? Die Adenauerallee oder die Reuterstraße? Na? Die Antwort ist kurz: Nichts von alledem. Ich habe mich auf die Zeitreise gemacht und dafür alte Datensätze durchsucht. (Die technischen Details gibt's für Interessierte am Schluß dieses Eintrags.)

Es ist Donnerstag, der 11. Mai 2006, 15:50 Uhr. Openstreetmap.org existiert seit knapp 2 Jahren, das allererste Release des inzwischen bekannten Offline-Editor JOSM liegt knappe 5 Monate zurück. An diesem Tag werden die ersten 34 Punkte in Bonn eingepflegt. Der Mapper (oder die Mapperin - ich liege wahrscheinlich nicht daneben, wenn ich vermute, dass es sich um einen Mann handelt) nähert sich Bonn aus dem Nordosten. Er fährt auf der A565 Richtung Innenstadt, überquert den Rhein über die Bonner Nordbrücke und nimmt dann die erste Ausfahrt. Und das war es auch schon für die nächsten 10 Wochen. Erst am 21. Juli kommen 67 weitere Knoten im Bonner Süden hinzu bei einer Fahrt über die Bonner Südbrücke. Hier ein Screenshot von beiden Tracks, den ich aus JOSM heraus gemacht habe:



Um wen es sich bei diesem ersten Mapper handelt, konnte ich nicht herausfinden - die Daten enthielten keine Userinformationen. Falls ihn jemand kennt - bitte melden! Ich hätte so manche Frage. :-) Es gestaltet sich auch als schwierig, die Geschichte der einzelnen Knoten bis ins Jahr 2009 zu verfolgen. Viele wurden gelöscht, und beim Rest haben wohl Datenbankarbeiten und API-Wechsel die History zerlegt. Einen Knoten (die ID habe ich leider vergessen) konnte ich bis vor das AVZ der Universität Bonn verfolgen, in dem die Informatiker hausen.

Im letzten Quartal aus dem Jahr 2006 finden schon einige Daten ihren Weg in die Bonner OSM-Karte. Aber erst im Jahr 2007 und 2008 explodierte die Datenmenge. Hier ein animiertes GIF, das die Entwicklung zeigt:



Solche Graphiken lassen sich mit dem History-Service von Frederik Ramm erstellen. Und wieder möchte ich betonen: Wahnsinn, was die Bonner Mapper in knapp 2,5 Jahren auf die Beine gestellt haben! :-)

Zu den technischen Details für diejenigen, die sich dafür interessieren: Ich hatte mir zunächst die History-Funktion der API 0.5 angesehen und festgestellt, dass (a) nur Abrufe der History für Einzelobjekte zu bewerkstelligen sind (zuviele Anfragen für das Bonner Stadtgebiet) und (b) mir die History der API 0.5 merkwürdig unvollständig vor kam. Daneben musste ich ja auch damit rechnen, dass die allerersten Karteneinträge sehr wahrscheinlich verbessert oder im Zuge von Korrekturen ganz gelöscht worden waren.

Ich habe mir daher alte Planet-Files aus dem Jahr 2006 heruntergeladen. Da diese noch in XML-Strukturen der API 0.3 vorlagen, habe ich mir eine entsprechend alte Version des Schneidewerkzeugs (um das Bonner Stadtgebiet zu extrahieren, planetosm-excerpt-area.pl) sowie eine alte Version von JOSM (Version 166), die noch API 0.3 versteht, aus dem subversion repository geladen. Ich muss zugeben, dass ich einen einfacheren Zugriff auf die OSM-History erwartet hätte. Schade, dass auch in der neuen API 0.6 kein vereinfachter History-Zugriff (d.h. region-based queries) zu erwarten ist.