Samstag, 11. Juli 2009

Krautsourcing 2.0: Über die Aktivitäten der deutschen Openstreetmap-Community

Auf der jährlich stattfindenden State-of-the-map Konferenz (SOTM), der weltweit größten internationale Openstreetmap-Konferenz, sprach vor wenigen Minuten Frederik Ramm (Geofabrik) über die Aktivitäten der deutschen Openstreetmap-Community der vergangenen 12 Monate.

Jeder zweite aktive Openstreetmap-User arbeitet an der deutschen OSM-Karte

Und die Zahlen und Fakten konnten sich sehen lassen: Hatte die deutsche OSM-Karte vor einem Jahr noch 1.3 Millionen Wege, zählen wir heute über 3.4 Millionen. Von diesen wurden rund 87% in den vergangenen Monaten modifiziert, d.h. auch schon existierende Wege wurden weiter verbessert. Doch damit nicht genug: Jeder zweite aktive Openstreetmap-User editiert die deutsche OSM-Karte. Das ist eine beeindruckende Zahl, die die Größe der deutschen Community unterstreicht.

In bed with the government

Frederik erwähnte zahlreiche Projekte, die in den vergangenen Monaten gestartet wurden. Das Oberpfalz-Projekt, bei dem hochauflösende Luftbilder durch die bayrische Regierung und dem bayrischen Landesamt für Vermessung und Geoinformation zum Mappen zur Verfügung gestellt wurden, wurde ebenso gewürdigt wie der Import der Straßendaten von Straßen.NRW. Daneben erlaubte das Kataster-, Vermessungs- und Liegenschaftsamt (KVL) Rostocks den Import von Gebäuden, und die gezeigte Karte war sehr beeindruckend. Allerdings enthalten die Gebäudedaten kleine Fehler - vom KVL absichtlich eingebrachte Unschärfen. Da diese Fehler allerdings unter der GPS-Auflösungsgenauigkeit liegen, ist der Import ein hervorragender Ausgangspunkt für die Erfassung von Rostocker Gebäuden und die anschließende Verbesserung der Daten.

Frederik zählte eine lange Liste von OSM-Anwendungen auf, die von deutschen Usern erstellt wurden und werden. Neben der ÖPNV-Karte wurden die openseamap, das Freie Tonne Projekt zur Sammlung von Seezeichen, der OpenrouteService der Universität Bonn, Geofabriks OSM-Inspector und die Reit- und Wanderkarte (Infos) erwähnt. Unbekannt war mir übrigens bisher, dass auch die iPhone Applikation Offmap, die den Download von Openstreetmap-Kartenmaterial zur Offline-Nutzung erlaubt, von einem Deutschen entwickelt wird. Zu guter letzt erzählte Frederik noch vom Rewrite der beliebten und zum Melden von Kartenfehlern eingesetzten Openstreetbugs-Anwendung durch User Emka.

Mini-SOTM in Osnabrück 2010

In Anbetracht der begrenzten Redezeit (10 Minuten) ist selbstverständlich, dass nicht jede Aktivität der deutschen Community erwähnt werden konnte. Unerwähnt blieben zum Beispiel der ÖPNV-Workshop in Karlsruhe oder die OSM-Konferenz in Bonn (Bericht hier). Dass Frederik aber überhaupt soviel Information in seinen Vortrag packen konnte, darüber war ich echt beeindruckt. :-)

Am Ende seines Vortrags kündigte Frederik Ramm noch eine "MiniSOTM", wie er es nannte, an, die vom 2. bis 5. März 2010 in Osnabrück stattfinden soll. Er erwarte um die 400 (!) Teilnehmer, eine Zahl, die nicht geringes Erstaunen in den IRC-Kanälen auslöste - hat doch die aktuell stattfindene internationale Konferenz "nur" 250 Teilnehmer. [1] Ich mußte schmunzeln: War das ein sanfter Hinweis auf das im Verhältnis zu allen OSM-Aktiven sehr große Engagement deutscher OSM-User?

Die bis Sonntag, den 12.07.2009, laufende State-of-the-Map Konferenz kann über einen Live-Stream sowie über Twitter und Flickr verfolgt werden.

PS: Niemand ist fehlerfrei. :-) Wenn Dir Fehler in diesem Text auffallen, freue mich über einen Hinweis. Ich werde sie dann nach Prüfung korrigieren.

[1]

Update 1: Bei der geplanten Konferenz in Osnabrück handelt es sich um die FOSSGIS, bei der Openstreetmap ein Thema neben vielen anderen sein wird. Die Veranstaltung ist keine OSM- sondern eine GIS-Konferenz. Mein Dank geht an Frank, der mich aufgeklärt hat.

Update 2: Frederik Ramm hat mir und auf der talk-de Mailingliste zwischenzeitlich geschrieben und präzisiert:
"Die FOSSGIS-Konferenz zieht allein in ihrer bisherigen Kapazitaet als reine GIS-Konferenz schon 400 Leute an. Wir rechnen damit, dass auch beim OSM-Teil, der an die traditionelle FOSSGIS anschliesst, rund 400 Leute anwesend sein werden, und dass ein ueberwiegender Teil davon eigens fuer den OSM-Teil anreist - obwohl es sicher auch einige geben wird, die die Konferenz in voller Laenge besuchen und damit in beiden Kontingenten mitzaehlen. Die Zahl von 400 Leuten ist ueberhaupt nicht utopisch, wenn man bedenkt, dass jeden Monat 4000 Leute editieren, oder...?"

Update 3: Inzwischen hat Frederik seine Vortragsfolien als PDF-Datei zum Download zur Verfügung gestellt. Ihr findet sie hier.

Freitag, 26. Juni 2009

Wie vollständig sind Openstreetmap-Daten?

Sicher - das ist eine der schwierigsten Fragen, die sich innerhalb von Openstreetmap (OSM) stellen lässt. Denn: Was ist Vollständigkeit? In Bezug auf was? Und vor allem: Für wen? Unterschiedliche Nutzer des freien Kartenmaterials werden unterschiedliche Anforderungen an die Karte stellen. Damit lässt sich auch die damit verwandte Frage nach der Qualität der eingepflegten Daten nicht eindeutig beantworten.

Immer wieder gab und gibt es in der jüngeren Openstreetmap-Geschichte Versuche, Vollständigkeit und Datenqualität mit unterschiedlichen Ansätzen zu messen und damit auch zu definieren. Beispielhaft - neben vielen anderen Ansätzen - seien hier Unmapped Places oder die Konsistenzchecker Keep-right und MapLint genannt.

Eine Idee, die Vollständigkeit der OSM-Daten in Bezug auf eingepflegte Straßen zu prüfen, nutzt den Abgleich von offiziellen Straßenverzeichnissen mit den Straßennamen, den die OSM-Datenbank für den betreffenden Kartenausschnitt bereithält. Natürlich kann ein solcher Vergleich nicht Straßenverläufe in seiner Qualität prüfen, aber er kann immerhin eine Idee davon geben, wieviele Straßen in den OSM-Daten einer entsprechenden Gemeinde schon existieren oder nicht (oder nicht korrekte Namen tragen).

In einem so großen Freiwilligen-Projekt wie Openstreetmap ist es recht normal, dass unterschiedliche Akteure in verschiedenen Aktionen sehr ähnliche Ziele verfolgen, die sich - meist in der Rückschau - ergänzen. Beim Abgleich mit Straßenverzeichnissen ist es nicht anders. User Sven Anders wertet seit längerer Zeit Straßenverzeichnisse für Ortsgrenzen aus, die ihm von verschiedenen Usern zugeschickt wurden. Die Ergebnisse erscheinen hier als Listen, die nicht nur die Straßennamen anzeigen, die nur in der OSM-Karte existieren, sondern gerade auch die Straßennamen, die bisher nicht im OSM-Datenmaterial vorhanden sind. Letztere sind jeweils mit einem Link auf eine Google-Maps Karte versehen, auf der jeweils der Ort der jeweiligen fehlenden Straße anzeigt wird.

User Florian Lohoff arbeitet seit über einem Monat mit beeindruckendem Zeiteinsatz an Straßenlistenauswertungen (siehe hier), interessiert sich hierbei allerdings vor allem für eine Visualisierung der Vollständigkeit der OSM-Daten in der Fläche und für eine Verbesserung existierender und Einpflegen neuer Admin-Boundaries. Letztere zieht er für Straßenlistenauswertungen heran - auch um einen weiteren Anreiz zu dafür schaffen, dass sich mehr Mapper um Admin-Boundaries kümmern. Als Quellen für die Straßenlisten werden Listen aus Wahlbezirkseinteilungen oder Straßenreinigungssatzungen, die meist auch eine Liste von Straßen enthält, herangezogen. Dabei heraus kommt für Nordrhein-Westfalen eine sehr schöne Karte, die farbkodiert (von rot: "wenig erfasst", bis grün: "gut erfasst") die Vollständigkeit der OSM-Daten zeigt. Sehr schön lässt sich ablesen, was viele von uns schon erahnt haben oder wissen: Es gibt sehr gut erfasste Gebiete (vor allem in den Ballungsräumen) und solche, die bisher weniger gut erfasst worden sind.





Die Karte läßt sich anklicken und leitet dann auf die Seite des jeweiligen Ortes weiter. Dort lassen sich dann auf einer interaktiven Google-Maps Karte (von der ich aus Copyright-Gründen hier keinen Screenshort zeige) die bisher bei OSM fehlenden Straßen anzeigen. Ihre ungefähre Lage läßt sich als GPX-Waypointdatei herunterladen. Letzteres ist gerade praktisch für den ambitionierten Mapper, der mit seinem GPS-Gerät dann gleich die fehlenden - oder manchmal einfach nur falsch geschriebene Namen tragende - Straßen aufsuchen und mappen kann. Daneben gibt es noch eine Graphik, die die Anzahl fehlender Straßen für einen ausgewählten Ort gegen die Zeit darstellt. So lässt sich der eigene Mapping-Erfolg beim Erfassen auch zeitlich messen und nachvollziehen.

Fast täglich wächst die Zahl der Orte, die in Auswertung mit einbezogen werden, und auch Orte außerhalb Nordrhein-Westfalens kommen hinzu. Das liegt auch an Usern, die Florian kontaktieren und Straßenlisten zusenden. Bisher gibt es noch keine entsprechende Seite im Openstreetmap-Wiki, die das Projekt beschreibt - dazu ist es noch sehr jung und nimmt gerade erst an Fahrt auf.

Ich hoffe, dass die Auswertungen - seien sie von Florian oder von Sven - viele Mapper motiviert, dass sie sich als hilfreiches Werkzeug etablieren und Mappern Hinweise geben, wo Verbesserungsbedarf bei den Straßendaten in unserer Openstreetmap-Karte besteht.

Montag, 1. Juni 2009

Ein Bericht von der OSM-Tagung in Bonn

Wie funktioniert die Openstreetmaps-Community? Was hat Openstreetmap Googles MapMaker entgegenzusetzen? Welche Denke hindert öffentliche Verwaltungen daran, Geodaten zur Verfügung zu stellen und was lässt sich aus der erfolgreichen Kooperation mit dem Landesbetrieb Straßenbau NRW lernen? In welchem Stadium befindet sich die Zusammenarbeit mit der deutschen Wikipedia, und was haben Openstreetmapper davon?

Diese Themen und vieles mehr wurden auf der Tagung "OSM im Rheinland" in Bonn am vergangenen Dienstag (26.05.09.) angesprochen, zu der überraschend auch der Openstreetmap-Gründer Steve Coast angereist war. Es entwickelte sich eine sehr spannende und auch politische Veranstaltung, die durch die Mischung der Redner und Teilnehmer eine ganz eigene Dynamik bekam. Doch der Reihe nach.

Profis versus Hobbyisten?

Eingeladen hatten Jens Fitzke, Geschäftsführer der Firma lat/lon, sowie Alexander Zipf, Professor am geographischen Institut der Universität Bonn, in das Forschungszentrum Caesar, das in der Nähe des ehemaligen Bonner Regierungsviertels liegt. Beide hatten und haben Kontakt zu Openstreetmap, unter anderem über die Betreuung von Praktikanten und Magistervorhaben (darunter so bekannte Projekte wie der openrouteservice.org). Eines der Ziele der Veranstaltung war es, professionelle GIS (Geographic Information Systems)-Anwender und Openstreetmap-Aktive zusammenzubringen. Damit prallten auch verschiedene Denkschulen aufeinander.

Der erste Redner war Jochen Topf, auf dessen Vortrag ich mich besonders gefreut hatte. Jochen ist kein Unbekannter im Openstreetmap-Universum, wie die meisten wissen werden. Unter anderem hat Jochen die Website openstreetmap.de geschrieben, hat den Checker MapLint und den OSM-Inspector programmiert und zusammen mit Frederik Ramm das Openstreetmap-Buch verfasst, das - nebenbei bemerkt - inzwischen in einer überarbeiteten Auflage vorliegt.

Openstreetmap soll nicht Katasterämter überflüssig machen

Jochen erklärte in groben Zügen Grundlagen des Openstreetmap-Projekts und erwähnte viele von den inzwischen realisierten OSM-Anwendungen. Die GIS-Profis schreckten vor allem bei dem Gedanken auf, dass prinzipiell jeder Daten einpflegen kann und damit auch die Kartenqualität von Region zu Region schwankt. Der Graswurzelansatz und Wiki-Gedanke der OSM-Community (kurz: Die Qualität der Daten nimmt zu, je mehr Menschen sich dafür interessieren und mitarbeiten.) prallte hier auf das Bedürfnis der GIS-Leute, die Daten von "Oben" zu strukturieren, zu klassifizieren und ihre Qualität zu kontrollieren. Das war einer der gravierendsten Gegensätze zur Openstreetmap-Philosophie Rough Consensus and Running Code, den Jochen mit "Grober Konsens und funktionierende Beispiele" übersetzte. Immerhin hat dieser pragmatische Ansatz Openstreetmap weit gebracht, bei dem lokal Probleme gelöst werden und sich in einem fortlaufenden Prozess taugliche Klassifikationsschemata herausbilden.

Die Bemühungen um eine Qualitätskontrolle spiegeln sich in verschiedenen Projekten der OSM-Community wider, wie Jochen betonte. Eine Qualitätskontrolle bedingt aber einen Vergleich mit irgendeiner Art von Goldstandard. Doch welche Karte könnte überhaupt als Goldstandard herhalten, wenn man die vielfältigen Einsatzbereiche der Openstreetmap-Kartendaten betrachtet? Und welche Karte kann von sich beanspruchen, tagesaktuell zu sein? Daneben spielt auch die Zielanwendung eine Rolle: Openstreetmap-Daten, die auf GPS-Spuren basieren, eignen sich kaum für Aufgaben, bei der es um räumliche Auflösungsgenauigkeiten von wenigen Zentimetern geht.

Openstreetmap ist keine Demokratie

Eine bewusste Provokation war Jochens These, dass Openstreetmap nicht demokratisch sei. In der sich anschließenden Diskussion konkretisierte er diesen Standpunkt. So nähmen nur wenige Mapper Teil an Abstimmungen über neue vorgeschlagene Map-Features. Unter anderem ließen sich die niedrigen Teilnehmerzahlen an bestimmten Abstimmungen auch darauf zurückführen, dass sich für sehr spezielle Features nur wenige eingearbeitete User interessierten.

Daneben forderten manche Einflussmöglichkeiten einen hohen technischen Sachverstand, eine Tatsache, die zu einer hohen Verantwortung für eben diese User führe, da sie für die Community Entscheidungen träfen. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang unter anderem einzelne aktiven User, die sich z.B. in privaten Projekten mit der Visualisierung des Openstreetmap-Kartenmaterials beschäftigen und entscheiden, welche Features sie visualisieren wollen. Gerade die Visualisierung fördert und steuert auch in einem gewissen Rahmen die Aufmerksamkeit von Mappern bezüglich bestimmter Map-Features, und dies wird Auswirkungen auf die eingepflegten Daten haben.

Sag nie "Nein". Sag "Ja", und füge etwas hinzu.

Einfluss auf das sich selbst organisierende Geschehen ließe sich daher nicht mit erhobenem Zeigefinger und Forderungen nach Löschungen oder dem Rückgängigmachen bestimmter Aktionen ("Nein"-Sagen) nehmen, sondern durch das aktive Bejahen von bisher Geleistetem und dem darauf aufbauenden Hinzufügen von weiterer Arbeit.

Und um das "Hinzufügen" ging es dann in den folgenden Vorträgen von den Geographiestudenten Damian Paderta, der als Mapper zwischen Bassenheim, Urmitz, Kettig und Weißenthurm unterwegs war ("Wir taggen nicht für Renderer. Wir taggen für die Wirklichkeit."), von Pascal Neis, der seine Magisterarbeit, den Openrouteservice vorstellte, sowie von Astrid Müller, die sich zur Zeit in Bonn mit dem OSM-basierten Routing von Rollstuhlfahrern beschäftigt.

Pascal sprach über Routing, Point-of-Interest (POI)-Suche und Geocoding auf OSM-Basis. Die Fahranweisungen des Openrouteservice sollen zukünftig verbessert werden, z.B. durch Berücksichtigung von lokalen POIs ("nach der Sparkasse rechts abbiegen"). Bisher werden noch keine turn-restrictions beim Routing unterstützt, eine Sache, die man demnächst gerne angehen würde. Astrid sprach über wichtige Parameter und Tags, die für ein erfolgreiches Rollstuhlfahrerrouting benötigt werden und von den bisher verwendeten Tags entweder nicht erfasst oder für bisheriges Routing nicht gebraucht wurden. So spielen der Belag, das Gefälle sowie Wegbreiten und Bordsteinhöhen eine wichtige Rolle. Erstere bezögen sich in den meisten OSM-Daten vor allem auf Straßen, würden aber für das Rollstuhlfahrerrouting auch für Bürgersteige benötigt. Zusammen mit weiteren Studenten hat sie die OSM-Karte der Bonner Innenstadt mit solchen Informationen angereichert und konnte schon ein Beispiel für ein entsprechendes Routing vorstellen.

Openstreetmap 3D

Dass sich Openstreetmap-Daten auch in 3D visualisieren lassen, wird immer wieder diskutiert. Alexander Zipf zeigte in seinem Vortrag eine Live-Präsentation von OSM-3D. Als Grundlage wurden OSM-Daten mit den Daten der NASA Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) verschnitten. Die Visualisierung geschieht später durch eine entsprechende Java-Applikation im Browser (einen Rechner mit entsprechend leistungsfähiger Graphikkarte vorausgesetzt) und wird nicht serverseitig realisiert, wie das bei den 2D-Karten bisher der Fall ist. Die Live-Präsentation kam beim Publikum gut an - durch eine 3D Umgebung von selbst eingepflegten Daten zu schweben machte Spaß. In diesem Zusammenhang erwähnte Prof. Zipf, dass zusätzliche Informationen über Gebäudehöhen und Stockwerkanzahl die Darstellung von Gebäuden in 3D erheblich vereinfachen würden, und dass solche Informationen häufig noch in der OSM-Datenbank fehlen.

Natürlich gab es auch Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens: Neben potentiellen Einsatzmöglichkeiten im Stadtmarketing und Tourismus, in der Stadtplanung oder bei 3D-Autonavigationssystemen (3D Routeservice) ging es - soweit ich das richtig verstanden habe - langfristig um die Schaffung offener netzbasierter 3D GIS Standards. In diesem Zusammenhang kann Openstreetmap als Testfall gesehen werden kann, für den große Datenmengen zur Verfügung stehen, und an dem die prinzipielle Realisierungsmöglichkeit entsprechender Standards demonstriert werden kann.

Wikimedia Toolserver offen für Openstreetmap-User

Schon seit längerem gibt es Berichte, dass in naher Zukunft Kartenmaterial von Openstreetmap in Artikel der deutschen Wikipedia eingebettet werden sollen können. Raimond Spekking, einer der Entwickler von Mediawiki (also der Software, unter dem unter anderem die Wikipedia läuft) berichtete in seinem Vortrag von den Herausforderungen, die sich hieraus für die Wikipedia und Openstreetmap ergeben. Die Last von in der Spitze über 75000 Zugriffe pro Sekunde, die bei Wikipedia weltweit anfallen, werde man nicht auf die Openstreetmap-Server leiten, sondern werden durch die vom Wikimedia Deutschland e.V. eigens angeschaften Server bedient. Zwei der drei angeschafften Server werden als Produktionsserver zur Zeit für Caching und Rendering der Openstreetmap-Daten eingerichtet. Der dritte Server wird als Toolserver auch Anwendern von Openstreetmap als Plattform für die Entwicklung innovativer OSM-basierter Applikationen zur Verfügung stehen. Ich vermute, dass die Einbettung von OSM-Karten in der Wikipedia viele Menschen auf Openstreetmap aufmerksam machen wird, die OSM bisher nicht kannten - eine Win-Win Situation für Wikipedia und Openstreetmap. Und vielleicht kann der Eine oder die Andere für eine Mitarbeit bei Openstreetmap gewonnen werden...

Straßen.NRW bekam Rückmeldungen aus der OSM-Community

Stefan Wick, vom Landesbetrieb Straßenbau NRW (kurz: Straßen.NRW), berichtete über die Zusammenarbeit seines Hauses mit der Openstreetmap-Community. Daten über 20.000 km Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen wurden in diesem Zusammenhang Openstreetmap seit Dezember 2008 zur Verfügung gestellt. Dabei profitierten beide Seiten von der Zusammenarbeit, wie betont wurde: Straßen.NRW erhielt nämlich auch Rückmeldungen von der OSM-Community über mögliche Fehler in den importierten Daten, die zur Zeit vom Landesbetrieb geprüft werden.

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion im Plenum wurde die fortschrittliche Einstellung von Straßen.NRW gelobt. Diese sei bei vielen anderen Stellen leider noch nicht selbstverständlich. So herrsche - berichteten Tagungsteilnehmer - die Einstellung vor, dass selbst mit öffentlichen Mitteln finanzierten und erhobenen Geodaten nicht der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung gestellt sondern zu Phantasiepreisen auf Anfrage angeboten würden. Dahinter stecke wohl, so vermutete einer der Teilnehmer, nicht nur Besitzstandsdenken sondern auch die Hoffnung, ohne Anreicherung der Daten große Gewinne erzielen zu können; letzteres habe sich aber in den letzten Jahren nicht bestätigt. Es bleibt zu hoffen, dass das Beispiel Straßen.NRW Schule macht und vielleicht Hemmschwellen bei anderen Stellen abzubauen hilft.

Steve Coast über Google Maps und Openstreetmap

Er war der Überraschungsgast des Tages, Steve Coast, Gründer von Openstreetmap und Vorsitzender der OSM Stiftung. Der zur Zeit in San Francisco lebende Engländer verfolgte interessiert die Tagung, die er sich in Auszügen von einer Kollegin auf englisch übersetzen ließ. Und er erklärte sich spontan bereit, ein Abschlußstatement am Ende der Tagung zu geben. Er erzählte in einem unterhaltsamen Vortrag über die Anfänge von Openstreetmap und darüber, dass die Idee, keine festen Tags vorzugeben, von den meisten anfänglich abgelehnt und für verrückt erklärt worden sein. Der Ansatz, die Dinge so einfach wie möglich zu realisieren und einfach Code ans Laufen zu bringen, hat zu einer explosionsartigen Entwicklung der Mitarbeiterzahl und zu ganz unerwarteten Anwendungen geführt.

Angesprochen darauf, ob nicht Googles Map Maker Projekt, bei dem User Geodaten sammeln und eintragen können, eine massive Konkurrenz zu Openstreetmap darstellen würde, meinte Steve sinngemäß: Während Openstreetmap eine Community besitzt, hat Google eine Gruppe von Kunden (set of costumers). Das sei einer der wichtigsten Unterschiede neben den lizenzrechtlichen Aspekten. Im ersten Fall arbeiten Menschen ehrenamtlich, um freies Kartenmaterial zu schaffen und zu verbessern. Im zweiten Fall arbeiten Menschen unentgeltlich einer Firma zu, die die Rechte an dieser Arbeit dann besitzt und damit wiederum Geld verdient.

Zum Schluß lud Steve noch zur diesjährigen State of the Map Konferenz (SoTM) ein, die vom 10. bis 12 Juli in Amsterdam stattfinden wird, und für die schon sehr viele qualitativ hochwertige Tagungsbeiträge eingereicht worden seien.

Vielleicht sehen wir uns ja auf der SoTM 2009? :-)

PS: Wenn Dir Fehler in diesem Text auffallen, freue mich über einen Hinweis. Ich werde sie dann nach Prüfung korrigieren.

Sonntag, 24. Mai 2009

OSM im Rheinland 2009

Am kommenden Dienstag (26.05.2009) findet im Forschungszentrum Caesar eine kostenlose Veranstaltung mit dem Titel Openstreetmap im Rheinland statt. Die Tagung verspricht spannend zu werden, wird doch unter anderem der umtriebige und für sein Engagement bekannte Jochen Topf sprechen, einer der beiden Autoren des Openstreetmap-Buches, der unter anderem MapLint sowie den OSM-Inspector geschrieben hat, die deutsche Openstreetmap-Webseite programmiert und an Osmarender mitgewirkt hat sowie das GPS-Verleihprogramm organisiert, um nur einige seiner Aktivitäten zu nennen.

Daneben freue ich mich auch über die Vorträge aus der Forschungsgruppe um Prof. Zipf - keine Unbekannten im Openstreetmap-Universum. So ist beispielsweise der OpenRouteService in dieser Arbeitsgruppe entstanden, und das OSM-3D Projekt wurde bereits in manchen Foren und Mailinglisten diskutiert. Auch ein weiterer Aspekt, der in der OSM-Community diskutiert wurde - die Integration von Openstreetmap-Kartenmaterial in der Wikipedia, wird durch einen Vortrag von Wikipedia-Aktivist Raimond Spekking angesprochen.

Wer sich noch nicht registriert oder informiert hat, kann dies auf der entsprechenden Wiki-Seite des Openstreetmap-Projektes oder auf der Webseite des Veranstalters tun. Ich bin gespannt, viele von euch dort zu sehen! :-)

Montag, 11. Mai 2009

Happy Birthday Bonn!

Heute, vor drei Jahren, am Donnerstag den 11. Mai 2006, wurden in der Bonner Openstreetmap Karte die ersten Datenpunkte eingetragen (siehe hier). Wer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass sich innerhalb kürzester Zeit eine Karte entwickeln würde, die man heute bereits ohne größere Bedenken verwenden kann? Wer hätte geglaubt, dass diese Karte schon nach so kurzer Zeit in manchen Stadtgebieten die Karten anderer Anbieter an Genauigkeit und Detailverliebtheit schlägt? Es versetzt mich immer wieder in Erstaunen! Und es zeigt eindrucksvoll, was sich mit einer begeisterten Community erreichen läßt.

Happy Birthday! Und ein großer Dank an alle Beteiligten!

Natürlich, Hand auf's Herz: Der Bonner Kartenausschnitt von Openstreetmap hat noch viel Spielraum für Verbesserungen. Gott sei Dank, mögen manche denken. ;-)

Openstreetmap ist nichts ohne seine User. Und daher habe ich einige von euch angeschrieben und euch angesichts des dreijährigen Geburtstags gefragt: "Welche Entwicklung wünschst Du Dir bei der Bonner Openstreetmap-Karte in den kommenden drei Jahren?"

Hier sind eure Antworten (in alphabetischer Reihenfolge):

Astrid: Ich wünsche mir, dass sich die Bonner Karte auch in Zukunft so schnell weiter entwickelt. Insbesondere wünsche ich mir, dass Datenlücken im Bereich Bürgersteige, Steigungen und Oberflächen geschlossen werden. Ein Mapper Treffen oder sogar eine Mapping Party für Bonn würde ich in Zukunft sehr begrüßen.

Dschuwa: Ich wünsche mir eine noch aktivere Community in Bonn, ein Mappertreffen. Und dass die Bonner Karte bald Bug frei und vollständig ist.

Hugoe: Ich wünsche mir, dass die vielen erfassten Daten auch in Zukunft aktuell gehalten und weiter ergänzt werden. Wenn die Bonner Karte weiter so wächst, dann kann man in drei weiteren Jahren die optimale Kanuroute durch die Bonner Kanalisation planen.

Mike67: Es ist schon Wahnsinn wie sich die Bonner Karte in den letzten drei Jahren positiv verändert hat und dank der vielen ambitionierten Mapper immer genauer die Realität abbildet. Für die Zukunft der Bonner OSM-Karte wünsche ich mir, dass noch mehr Nutzer sich an diesem tollen Projekt beteiligen und so für eine noch detailliertere Karte sorgen. Mein Bestreben ist es zurzeit, dass alle offiziellen Bonner Straßen und Plätze in der Karte abgebildet werden. Dann fehlen natürlich noch viele Geschwindigkeitsangaben, Einbahnstraßenregeln, Zufahrts- und Zugangsbeschränkungen, etc. Es wäre auch schön wenn jedes Haus mit korrekter Adresse in der Zukunft dargestellt werden könnte. Es gibt als noch viel zu tun in Bonn. Ebenso würde ich mich freuen wenn noch viel mehr Behörden ihre Geo-Daten und aktuelle Luftbilder dem OSM-Projekt zur Verfügung stellen würden. Allen Bonner Mappern wünsche ich zum Geburtstag der Karte alles Gute für die Zukunft und macht weiter so. Wie schon gesagt, es gibt noch viel zu tun in Bonn und der Region.

Theo62: Ich wünsche mir, dass die Informationen für Fahrradfahrer in der OSM-Datenbank verbessert werden. Es gibt ein sehr interessantes Projekt für Berlin, bbbike, ein Routenplaner für Fahrradfahrer, wo Fahrradwege mit Kategorisierung der Geschwindigkeit, Ampeln, Straßenkategorien usw. dargestellt und für ein Fahrradrouting berücksichtigt werden. Man kann für bbbike zwar auch die Bonner OSM-Daten zu Grunde legen, die man mit osm2bbb in das bbbike eigene Format übersetzen kann, sieht dann aber, dass die Informationen zu Fahrradwegen und fürs Fahrradfahren nutzbare Straßen in Bonn nicht so detailiert sind wie in Berlin. Außerdem benutzen die berliner Mapper andere Tags für Fahrradwege als die bonner Mapper. Ich würde mir wünschen, dass die OSM-Daten für Bonn ähnlich detailliert wären wie die bbbike-Daten für Berlin.

Herzlichen Dank für eure Antworten! :-)

Falls Du gerne ebenfalls meine Frage beantworten möchtest, kannst Du das gerne tun: Kontaktiere mich einfach und sende mir Deine Antwort zu! Ich werde dann diesen Blogeintrag nachträglich ergänzen. Ich freue mich auch über Kommentare!

(aktualisiert am 11. Mai, 11:31 Uhr)

Mittwoch, 29. April 2009

Unterwegs zwischen Bonn und Köln: Ein Interview mit Mapper Cyclop

Wer für Openstreetmap (OSM) als Mapper zwischen Köln und Bonn aktiv ist, wird beim Bearbeiten der Karte desöfteren auf den Usernamen Cylcop gestoßen sein. Cyclop ist unheimlich aktiv, ist auf Platz 4 der in Nordrhein-Westfalen aktivsten Mapper mit über 59672 (!) zuletzt editierten Knoten und auf Platz 13 mit über 4870 zuletzt editierten Wegen (Stand vom 28.04.2009). Das sind beeindruckende Zahlen, die seinen Arbeitseinsatz und Begeisterung für OSM erahnen lassen.

Daher habe ich mich besonders gefreut, mit ihm ein Interview führen zu können.

Hallo Roland (alias Cyclop),
vielen Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erklärt hast! Wie und wann hast Du von Openstreetmap erfahren?

Ich glaube zum ersten mal 2006. Da habe ich es aber noch nicht richtig verstanden und nachdem ich kurz geschaut hatte und praktisch keine Inhalte in der Karte gefunden hatte, ist es wieder in Vergessenheit geraten. Im Frühsommer 2008 bin ich dann wieder aufmerksam geworden (ich glaube es gab einen Bericht im WDR oder ich habe es in einer GIS Zeitschrift gelesen) und habe erst dann das Potential von OSM für mich entdeckt.

Welche Elemente gab es damals schon in der OSM-Karte zwischen Bonn und Köln?
In meiner Heimatstadt Niederkassel waren schon fast alle Straßen vorhanden, weil Yahoo für diese Gegend hochauflösende Luftbilder eingestellt hatte und andere auch schon fleißig die Straßen eingemessen hatten. Die Landnutzung war aber noch sehr rudimentär und in der etwas weiteren Umgebung, vor allem östlich der A59 aber auch in den südlichen Kölner Stadtteilen gab es noch
etliche Lücken.

Was motiviert Dich? Und welche Arbeiten machen Dir bei OSM besonders Spaß?
Ich bin von Kind an begeisterter Kartograph, habe Geodäsie/Kartographie studiert und befasse mich beruflich mit Geo-Informationssystemen. Schon länger hatte ich nach Möglichkeiten gesucht, eigene Inhalte in Karten einzubrigen. Aber es war sehr schwer, für private Zwecke geeignete und kostenlose Geo-Datengrundlagen zu bekommen. Außerdem bin ich in der Freizeit viel mit dem Rennrad, Langlaufskiern oder Wanderschuhen unterwegs, und seit Sommer 2008 zeichne ich meine Strecken einfach auf und trage sie ein. Häufiger fahre ich mit dem Rad jetzt gezielt in Orte, die noch nicht kartiert sind oder ich mache einen Umweg, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, um noch ein paar fehlende Objekte "mitzunehmen". So kann ich meine Freizeitaktivitäten mit OSM verbinden.

Wieviel Zeit investierst Du durchschnittlich wöchentlich?
Manchmal gar keine, manchmal sicher 10 Stunden (die Aufzeichnung nicht mitgerechnet). Aber ehrlich, ich habe das nie nachgemessen. Die Zeit vor dem Rechner vergeht immer wie im Flug.

Wo siehst Du zur Zeit die größten Herausforderungen für OSM im Allgemeinen? Und was sind spannende oder drängende Aufgaben bei OSM, die in der Köln/Bonner Region angegangen werden sollten?
Die Qualität (insbes. Zuverlässigkeit) ist einerseits schon toll für ein Freiwilligenprojekt, kann aber mit kommerziellen Produkten an vielen Stellen noch nicht mithalten. Um OSM auch im professionellen Bereich einsetzen zu können, müsste man noch viel mehr Zeit in die Qualitätssicherung investieren. Es wird darauf ankommen, die Begeisterung bei den Mappern zu erhalten, auch wenn das Straßennetz an sich schon mehr oder weniger vollständig vorhanden ist. Bei vielen - scheint mir - lässt die Motivation nach, wenn es "nur" noch darum geht, die "Kleinigkeiten" und vor allem die Sachinformationen (Tags) zu bearbeiten. Da ist der Erfolg eben nicht so sichtbar, als wenn man einen echten weißen Fleck beseitigt.

Mit welcher Hardware bist Du unterwegs?
Ein Garmin Edge 305.

Welche Software oder Dienste benutzt Du am liebsten für das Bearbeiten von OSM-Daten?
Ich arbeite fast ausschließlich mit Potlatch, weil es der einzige Editor ist, den ich bisher ausprobiert habe, bei dem ich Objekte editieren kann, die auf ein größeres Gebiet verteilt sind. Z.B. bei JOSM ist man immer auf kleinen Gebiet beschränkt. Natürlich ist Potlatch recht langsam, aber immer noch schneller, als wenn ich ständig neue Gebiete einladen müsste.

OSM ist in manchen Aspekten mit der Wikipedia vergleichbar. Auch hier kann jedermann Daten korrigieren bzw. neu hinzufügen. Bei der Wikipedia sind Edit-Wars bekannt. Hast Du schon einmal einen Edit-War in Deinem OSM-Gebiet erlebt?
Nicht wirklich. Es kommt aber schon (sehr selten) vor, dass geänderte Objekte zurückgeändert oder erneut überarbeitet werden. Das habe ich auch selbst schon mal gemacht, wenn das Objekt einer Meinung nach verschlimmbessert wurde. Ein dauerndes hin und her habe ich aber noch nicht erlebt. Spätestens beim zweiten Rückändern nehme ich direkt Kontakt auf. Das war aber noch nie der Fall. Einmal hatte ich einen Austausch mit einem Mapper zu der Frage, ob man bei Landuse gleiche Grenzen verwenden soll/darf. Das war aber ein total sachliche Diskussion und jeder war an der besten Lösung interessiert. Von einem "War" kann keine Rede sein. Das liegt aber vermutlich daran, dass es bei OSM eben immer ein tatsächliche "Wahrheit" gibt, nämlich so wie es Vor Ort wirklich aussieht. Persönliche Meinungen wie bei Wikipedia Artikeln zu Politik oder anderen Gesellschaftsthemen gibt es nicht, höchstens eben unterschiedliche Meinungen, wie man ein und die selbe Situation technisch optimal erfassen sollte.

Hast Du schon einmal andere Mapper getroffen oder an einer Mapping-Party teilgenommen? Gibt es konkrete Projekte, für deren Umsetzung Du gerne mit anderen Mappern zusammenarbeiten möchtest?
Ja, ich war schon zwei mal beim OSM Stammtisch in Köln. Leider waren nur wenige andere Mapper dort. An einer Mapping Party habe ich noch nicht teilgenommen. Konkrete Projekte bezüglich Öffentlichkeitsarbeit könnte ich mir vorstellen, z.B. Fertigmeldungen wie bereits in anderen Städten praktiziert. Von der Stadt Niederkassel habe ich mir schon das Straßenverzeichnis besorgt (vielen Dank dafür an die Stadt Niederkassel, Fachbereich 8, Herr Florin) und es von Sven Anders in Hamburg berechnen lassen, siehe hier (vielen Dank für diese tollen Service an Sven). Da gibt es nun doch noch ein paar Defizite. Daran könnte man mit anderen Mappern zusammen arbeiten, auch für die anderen Städte der Umgebung.

(Anm. der Red.: Es gibt hier ein Interview mit Sven Anders in der ZEIT Online.)

Welche Tipps hast Du noch für OSM-Anfänger?
Traut Euch! Es gibt noch viel zu tun. Das Buch von Frederik Ramm und Jochen Topf bietet einen prima Einstieg. Es ist übrigens kürzlich in neuer Auflage erschienen.

Roland, vielen Dank für das Interview!
Gerne :-)

Freitag, 10. April 2009

Auf in den Süden

Es war Februar und noch ziemlich kalt, als ich mir den aktuellen Openstreetmap-Kartenausschnitt des Bonner Ortsteils Buschdorf ansah. Und da gab es so einige kleine Fehler, die mir auffielen und die ich bei Openstreetbugs eintrug. Damals sah der Fehlerreport so aus (rote Punkte markieren Fehler in der Karte):





Schon wenige Wochen danach haben sich ortskundige Openstreetmap-Enthusiasten daran gemacht, Fehler zu korrigieren und viele Fehler (Bugs) verschwanden von der Karte:



An dieser Stelle an alle Beteiligten: Klasse Arbeit!

Natürlich gibt es in Bonn noch viel zu tun - viele Fehler verstecken sich hartnäckig und sind beim flüchtigen Überblicken der Karte überhaupt nicht auffindbar. Nach dem kleinen Exkurs in den Bonner Norden möchte ich den Blick auf einen Ortsteil im Bonner Süden lenken, genauer: nach Bonn-Mehlem, das direkt an Rheinland-Pfalz grenzt. Hier gibt es noch eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten:



Vielleicht ist das für den einen oder anderen Mapper ja Anreiz, sich Mehlem bei einem Ausflug mit GPS-Empfänger einmal genauer anzusehen. :-)

Nachtrag: Openstreetbugs zeigt - so meine Erfahrung - viele Bugs erst an, wenn man in die maximal erreichbare Zoomstufe schaltet. Wie sind eure Erfahrungen diesbezüglich?